Grünes Gas für die Wärmewende

Ein essentieller Faktor zur Erreichung der Klimaziele ist die Emissionsreduktion in den Sektoren Gebäude, Energie und Industrie. Gemeinsam verursachen diese Sektoren 54% der gesamten Treibhausgasemissionen Österreichs. Daher ist der wichtigste Schritt ein rascher Ausstieg aus Öl und Kohle. Gas ist als Energieträger in vielen Erzeugungsprozessen und in Teilen des Raumwärmemarktes nicht substituierbar. Diese Prozesse können nur durch Grünes Gas erneuerbar werden. Aus diesem Grund investiert Wien Energie 150 Mio. Euro bis 2023 in die Erforschung von neuen Technologien, wie die Herstellung von Grünem Gas.

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Hintergrundinformationen

Gas ist eine zentrale Komponente der Energieversorgung Österreichs und kann sowohl für die Warmwasseraufbereitung, Kälte- und Stromerzeugung sowie als Kraftstoff für den Verkehrssektor dienen. Rund ein Viertel aller privaten Haushalte werden mit Gas beheizt. Auch in industriellen Prozessen ist fossiles Gas ein wesentlicher Energieträger. Da fossiles Gas für einen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, ist eine Umstellung auf umweltfreundliche Heizsysteme, erneuerbare Energieträger oder Grünes Gas unumgänglich.

Grünes Gas bzw. erneuerbares Gas ist ein Sammelbegriff für jede Art nachhaltiger gasförmiger Energieträger. Folgende Formen können hierbei unterschieden werden:

  • Biomethan ist ein brennbares Gas, das aus Biomasse und/oder Teilen von Abfällen hergestellt wird.
  • Erneuerbarer Wasserstoff ist Wasserstoff, der entweder aus Biomasse und/oder Teilen von Abfällen bzw. aus Ökostrom und Wasser hergestellt wird.
  • Unter synthetischem Erdgas wird Methan verstanden, das auf synthetische Art und Weise aus erneuerbaren Quellen hergestellt wird.

Gas wird bei industriellen Prozessen, der Fernwärmeversorgung, in der Mobilität sowie zur Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser verwendet. Besonders in den industriellen Hochtemperaturbereichen ist Gas die einzige Möglichkeit, da die benötigten Temperaturen nur bei der Verbrennung von Gas erreicht werden können.

Um diese Prozesse in Zukunft nachhaltig durchführen zu können, muss fossiles Gas durch Grünes Gas ersetzt werden. Ein weiterer Vorteil von Grünem Gas ist, dass es rund um die Uhr, unabhängig von den Wetterverhältnissen, zur Verfügung steht. Daher ist es ein erneuerbarer Energieträger der sehr flexibel eingesetzt werden und zudem jahrzehntelang gespeichert werden kann.

Peter Weinelt

„Durch die zunehmende Beimischung von Erneuerbarem Gas ins Gasnetz helfen wir die Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren und durch die Nutzung der gesamten bestehenden Gasinfrastruktur die Energiewende leistbar zu machen. Mit dem prognostizierten Potential von Biomethan und erneuerbarem Wasserstoff können wir bis 2050 die Haushalte, Industriebetriebe, Kraftwerke sowie den Mobilitätssektor in Österreich mit 100 Prozent Erneuerbarem Gas versorgen.“ 

Peter Weinelt, Obmann des Fachverbandes Gas Wärme

Unsere Forderungen

Trotz eines enormen Potentials wird Grünes Gas in Zukunft eine knappe Ressource sein. Bei der Umstellung auf eine grüne Gasversorgung müssen daher zuerst jene Bereiche mit Grünem Gas versorgt werden, in denen keine andere Technologie anwendbar ist. Dies umfasst neben der Industrie auch den Einsatz in hocheffizienten KWK-Anlagen. Damit die Umstellung volkswirtschaftlich und technisch sinnvoll ablaufen kann, müssen verschiedene Punkte im Haushalts-, Energie- und Industriebereich sowie beim Netzausbau beachtet werden.

Um Grünes Gas in den benötigten Mengen in Österreich bereitzustellen, sollte ein bundesweites Förderregime etabliert werden, das marktnah ist und regionale Wertschöpfung forciert. Eine Möglichkeit wäre dabei ein Fördermodell mit Ausschreibungen und Marktprämien, vergleichbar mit der Ökostromförderung.

Die Mengen von Grünem Gas werden auch künftig nur begrenzt vorhanden sein. Daher begrüßen wir, dass in der Wiener Bauordnung das Verbot von dezentralen Gasheizungen im Neubau festgeschrieben wurde. Grünes Gas soll im Haushaltsbereich vorrangig eingesetzt werden, wo es keine Alternativen gibt. Das betrifft z.B. denkmalgeschützte Gebäude.

Unsere Machbarkeitsstudie für ein dekarbonisiertes Wien zeigt, dass wir auch in Zukunft hocheffiziente KWK-Anlagen und dezentrale Gaskessel zur Spitzenlastabdeckung in einem kalten Winter benötigen. Daher müssen aus Sicht von Wien Energie ausreichende Mengen Grünes Gas für diese zwingend erforderlichen Anlagen rechtlich vorgesehen werden.

Im Haushaltsbereich kann Wärme auf unterschiedliche Weise bereitgestellt werden. Im urbanen, dicht besiedelten Raum haben sich hier vor allem Fernwärme und Gas durchgesetzt. Da diese Fernwärme- und Gasinfrastruktur teilweise parallel verlegt wird, entstehen volkswirtschaftliche Ineffizienzen. Mit den Energieraumplänen der Wiener Bauordnung kann dies künftig vermieden werden.

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Tobias Rieder
Tobias Rieder

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