Heißes Wasser für das Gelingen der Wärmewende

Österreich strebt in seinem Nationalen Energie- und Klimaplan an, den Einsatz fossiler Brennstoffe im Wärmesektor durch Erneuerbare und effiziente Fernwärme zu ersetzen. Eine besondere Rolle kommt dabei der Tiefen Geothermie zu. Darunter versteht man das Vorkommen von nicht trinkbarem Heißwasser ab 300 m Tiefe, das zur umweltfreundlichen Wärmeversorgung genutzt werden kann. Österreichs Geothermie-Potential ist noch zu 95% ungenutzt. Bis 2030 könnten durch die Erschließung 600.000 t CO2 eingespart werden. Wien Energie erforscht momentan im Projekt Geotief die Potentiale im Großraum Wien.

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Hintergrundinformationen

Um die von der EU-Kommission im Clean Energy Package formulierte Zielvorgabe der Steigerung des Erneuerbaren-Anteils im Wärmesektor von 1% pro Jahr zu erfüllen, ist die Nutzung von Geothermie für Österreich von großer Bedeutung. In der #mission2030 ist daher verankert, Geothermie zu fördern.

Im Gegensatz zur Oberflächennahen Geothermie nutzt die Tiefe Geothermie Erdwärme aus Heißwasservorkommen bzw. heißen Gesteinen in einer Tiefe ab 300 m. Die in Österreich energetisch für die Fernwärme nutzbaren Heißwasservorkommen befinden sich sogar in mehreren tausend Metern Tiefe und stellen aufgrund der chemischen Zusammensetzung kein trinkbares Grundwasser dar. Die energetische Nutzung des Thermalwassers erfolgt mittels Fördersonde, die nach der Wärmeentnahme an der Oberfläche das Wasser wieder in die gleiche Lagerstätte zurückbringt. Somit stellt die Nutzung einen geschlossenen regenerativen Kreislauf dar.

  • Tiefe Geothermie eignet sich zur ökologischen Wärme- und Stromerzeugung sowie zur Wärmespeicherung. Das derzeit bekannte und technisch nutzbare Potential der Tiefen Geothermie in Österreich liegt bei bis zu 700 MW thermisch. Bei vollständiger Nutzung könnten dadurch ca. 1,3 Mio. t CO2 pro Jahr eingespart werden.
  • Tiefe Geothermie ist zudem eine regionale Energiequelle und verringert die Abhängigkeit von Energieimporten und fossilen Brennstoffen.
  • Tiefe Geothermie ist verlässlich und immer verfügbar – unabhängig von Wetter, Jahres- und Tageszeit.
  • Tiefe Geothermie ist flächen- und landschaftsschonend, nach menschlichem Ermessen unerschöpflich und stellt Wärme und Strom langfristig und zu stabilen Preisen zur Verfügung.
  • Bei einer Verbesserung der Rahmenbedingung für die Nutzung der Tiefen Geothermie können bis 2030 bis zu 25% des Gesamtpotentials erfolgreich genutzt werden. Das entspricht einer Versorgung von 500.00 Wohneinheiten mit geothermaler Fernwärme. Dadurch könnten 600.000 t CO2 durch die Substitution des Einsatzes fossiler Brennstoffe wie Gas, Kohle oder Öl eingespart werden.
  • Dadurch kann die Tiefe Geothermie bis zu 20% zur geforderten Reduktion der Treibhausgasemissionen (gemäß Nationalem Klima- und Energieplan) beitragen.

Wien Energie hat mit dem Forschungsprojekt „GeoTief“ ein Pilotvorhaben zur Erforschung und Vermessung der Geologie im östlichen Raum Wiens ins Leben gerufen. Dieses dient als Entscheidungsgrundlage für zukünftige Investitionsmaßnahmen zur Nutzung der Tiefen Geothermie. Da sich in Wien nicht nur eines der größten Fernwärmenetze Europas, sondern auch Heißwasservorkommen im tiefen Untergrund befinden, bilden diese beiden Faktoren die denkbar besten Voraussetzungen für die Nutzung der Tiefen Geothermie. Mithilfe des Forschungsprojekts könnte der Anteil Erneuerbarer im Wiener Fernwärmenetz signifikant erhöht werden und bis 2030 etwa 250.000 t CO2 pro Jahr eingespart werden.

Theresia Vogel

„Das Potential der Tiefen Geothermie liegt in Österreich laut Studien zwischen 450 und 700 Megawatt. Bis zu 60 Prozent davon wird Wien zugeschrieben, weil das Potential hier auch die entsprechende Zahl an Abnehmern – in unmittelbarer Nähe – verfügbar wäre. Das Forschungsprojekt GeoTief leistet wesentliche Grundlagenforschung zur Nutzbarmachung dieses Potentials und kann entscheidend zur urbanen Wärmewende beitragen.“

Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds

Unsere Forderungen

Damit die urbane Wärmewende gelingen kann, bedarf es umfangreicher Förderungen und Forschungsinitiativen für den Einsatz erneuerbarer Fernwärme aus Geothermie. Außerdem sind Verwaltungsvereinfachungen und deutliche Beschleunigungen des Verfahrens zur Aufsuchung und Gewinnung geothermischer Energie erforderlich.

Da das Mineralrohstoffgesetz nur die bergbautechnischen Aspekte (Bohrung, Verrohrung) von Tiefen Geothermie-Projekten regelt, fehlen darin spezielle Regelungen für die Aufsuchung und Gewinnung der Erdwärme. Es braucht daher eine Novellierung des Mineralrohstoffgesetzes. Durch einfachere rechtliche Rahmenbedingungen können raschere und zielgerichtete Investitionen in den Ausbau der Tiefen Geothermie in Österreich erfolgen.

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Tobias Rieder
Tobias Rieder

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