Mit umweltfreundlicher Fernwärme in die Energiezukunft

Der Wärmesektor ist in Wien für fast die Hälfte des Energieverbrauchs verantwortlich. Daher wird die Fernwärmeversorgung in Wien bei der Dekarbonisierung eine wesentliche Rolle spielen. Wien Energie versorgt schon heute 380.000 Wohnungen mit umweltfreundlicher Fernwärme und betreibt mit 1.200 km eines der größten Fernwärmenetze Europas. Damit sparen wir jedes Jahr 1,5 Mio. t CO2 ein.

0
0 km
0 Mio. t CO2

Hintergrundinformationen

Die Fernwärme nimmt schon jetzt eine zentrale Rolle im Energiesystem ein und muss in Zukunft an Bedeutung gewinnen, um Erneuerbare in den Wärmesektor zu integrieren. In Wien stammt ein Großteil der Fernwärme aus der Müllverbrennung und hocheffizienten KWK-Anlagen. Als Bestandteil des so genannten Wiener Modells beliefern sie rund ein Drittel aller Wiener Haushalte mit umweltfreundlicher Wärme.

  • Fernwärme ist umweltfreundlich. Schon heute werden durch den Einsatz von umweltfreundlichen und effizienten Technologien alleine in Wien 1,5 Mio. t CO2 eingespart.
  • Fernwärme ist flexibel. Eine Vielzahl von Arten der Wärmebereitstellung wie Wärmepumpen, Geothermie, Solarthemie, Power-To-Heat, Biomasse, Reststoffe und Abwärme kann verwendet werden. Dadurch ist Fernwärme die perfekte Wärmetechnologie für die Sektorkopplung.
  • Fernwärme ist sicher, sie enthält keinerlei Gefahrenstoffe und es ist kein Verbrennungsvorgang in den Gebäuden notwendig, bei dem CO2 entstehen könnte.
  • Fernwärme ist platzsparend beim Einbau und für die KundInnen einfach im Betrieb.

Als Fernwärme werden Energieversorgungssysteme bezeichnet, bei denen in einer zentralen Erzeugungsanlage Wasser erwärmt wird und über Rohrleitungssysteme zu den Verbrauchern geführt wird. Fernwärme wird vorrangig aus Abwärme produziert. Wärmepartner von Wien Energie sind u.a. die OMV Raffinerie Schwechat, der Henkel-Konzern und Manner.

Das knapp 1.200 km lange Fernwärmenetz in Wien unterteilt sich in ein Primär- und ein Sekundärnetz. Im Primärnetz werden große Wärmemengen bei hohem Druck und hoher Temperatur von bis zu 160°C durch ganz Wien transportiert. Das Sekundärnetz führt das heiße Wasser über Umformerstationen vom Primärnetz in die einzelnen Gebäude.

In einer Umformerstation, die sich in den mit Fernwärme versorgten Häusern befindet, wird die Fernwärme aus dem Vorlauf an den Heizungskreislauf übergeben, über welchen die VerbraucherInnen mit Heiz- und Warmwasser versorgt werden.

Das abgekühlte Wasser wird dann über den Rücklauf wieder zurück transportiert. Für die Erzeugungsanlagen steht nun wieder abgekühltes Wasser zur Verfügung, das Abwärme aufnehmen kann.

In Wien stammt fast die gesamte Fernwärme aus vorhandener Abwärme:

  • Rund zwei Drittel der Wiener Fernwärme kommen von hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen), die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen, und aus der Industrie.
  • Etwa ein Drittel der Fernwärme stammt aus den Müllverbrennungsanlagen Spittelau, Simmeringer Haide, Flötzersteig und Pfaffenau sowie dem Wald-Biomasse-Kraftwerk in Simmering.
  • Die restlichen ein bis fünf Prozent liefern Fernheizwerke, die nur bei Bedarf zum Einsatz kommen.

Künftig soll die Fernwärmeversorgung zu 100% aus Erneuerbaren (wie z.B. Geothermie oder Grünes Gas) stammen.

Wesentlich für den Ausbau umweltfreundlicher Fernwärme ist neben geeigneter Rahmenbedingungen die Erschließung erneuerbarer Wärmequellen. Dabei handelt es sich um verschiedene erneuerbare Energiequellen wie beispielsweise der Biomasse, Grünes Gas, Geothermie, Solarthermie oder Wärmepumpen. Die Abwärme aus Produktionsbetrieben kann ebenfalls für die Fernwärmeversorgung genutzt werden.

Wien Energie hat eine Machbarkeitsstudie für eine dekarbonisierte Wärmeversorgung bis 2050 vorgelegt. Im Petajoule Podcast gibt Wien Energie weitere Einblicke in die Wärmezukunft.

Einen besonderen Hebel zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors stellt die Raumplanung dar. Daher hat Wien mit der Novelle der Bauordnung 2018 Klimaschutzzonen (auch Energieraumpläne) gesetzlich verankert. Die neue Regelung zu diesen Zonen besagt, dass für bestimmte Gebiete in Wien vom Gemeinderat gesamtheitliche Energiekonzepte verabschiedet werden können. In diesen Gebieten dürfen ausschließlich hocheffiziente alternative Heizsysteme eingesetzt werden. Darunter fallen dezentrale Energieversorgungssysteme auf Basis Erneuerbarer, Mikro-KWKs, Fernwärme und –kälte sowie Wärmepumpen. Die Erstellung von Energieraumplänen beziehungsweise Klimaschutzzonen soll nach und nach auf ganz Wien ausgeweitet werden, um eine umweltfreundliche Wärmeversorgung für die Stadt zu gewährleisten.

„Das Dekarbonisierungspotenial bei Fernwärme liegt bei 100 Prozent. Selbst in städtischen Regionen haben wir so die Chance die Dekarbonisierung schrittweise voranzutreiben. Wir sind daher auch optimistisch, dass die Fernwärme spätestens 2050 ohne fossile Energieträger auskommen wird. Ein weiterer Vorteil von Fernwärme ist zudem, dass die bestehende Infrastruktur in einer klimafreundlichen Welt weiterhin genützt werden kann.“ 

Jürgen Schneider, Sektionschef Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus

Unsere Forderungen

Die Potenziale, wenn es um die Versorgung von Gebäuden mit Fernwärme geht, sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Um das Ziel die Versorgung mit hocheffizienter und erneuerbarer Fernwärme auszuweiten, sind weitere Anstrengungen sowie eine Anpassung bestimmter Rahmenbedingungen notwendig.

Fernwärme ist die günstigste Wärmemaßnahme zur Dekarbonisierung in Städten. Für den raschen Ausbau bedarf es einer ausreichenden und gesicherten Dotierung des Wärme- und Kälteleitungsausbaugesetzes (WKLG) für den Fernwärmeausbau. Die Nah- und Fernwärmenetze müssen ausgebaut und verdichtet werden, wobei doppelte Gas-/Fernwärmeinfrastrukturen zu vermeiden sind. Darüber hinaus müssen bewährte Investitionsförderungen von verschiedenen erneuerbaren Maßnahmen wie der Umweltförderung Inland (UFI), deren Einbindung oder Nutzung im Fernwärmesystem möglich ist, ausreichend hoch dotiert sein.

  • Für den erfolgreichen Ausbau der Geothermie braucht es bereits jetzt entscheidende regulatorische Maßnahmen. Damit die urbane Wärmewende gelingen kann, bedarf es umfangreicher Förderungen und Forschungsinitiativen für den Einsatz erneuerbarer Fernwärme aus Geothermie. Außerdem sind Verwaltungsvereinfachungen und deutliche Beschleunigungen des Verfahrens zur Aufsuchung und Gewinnung geothermischer Energie erforderlich.
  • Großwärmepumpen werden in Zukunft knapp ein Fünftel der Fernwärme abdecken. Um den Ausbau dezentraler Wärmepumpen zu beschleunigen, braucht es eine Befreiung von der Ökostrompauschale sowie von weiteren Gebühren und Abgaben für Wärmepumpen, die in Wärmenetze eingebunden sind. Investitionsförderungen für Wärmepumpen, die größer als 100 kW sind und in die Wärmenetze eingebunden sind, sind ebenfalls ein wichtiges Anreizsystem.
  • Gas wird bei industriellen Prozessen, der Fernwärmeversorgung, in der Mobilität sowie zur Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser verwendet. Besonders in der Prozesswärme und im Bereich Fernwärme ist Gas als Energieträger nicht substituierbar. Diese Prozesse können somit nur durch Grünes Gas erneuerbar werden. Daher müssen ausreichende Mengen Grünes Gas für diese zwingend erforderlichen Anlagen rechtlich vorgesehen werden.

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Tobias Rieder

Diese Themen könnten Sie auch noch interessieren

Geothermie
Bauordnung
Kreislaufwirtschaft

Verwandte Artikel

2019-11-04T16:26:55+01:00

Grünes Wohnen in der Stadt

Eine nachhaltige Stadtplanung muss innovative Energie- sowie Mobilitätskonzepte und die Klimawandel-Anpassungsfähigkeit berücksichtigen. E-Ladestationen, Photovoltaik-Anlagen auf Mehrparteienhäusern und Fernkälte zur Kühlung sind dabei wesentliche Bestandteile.