Bauen für eine grüne Zukunft

Der Gebäudesektor verursacht in Wien etwa 17 % aller Treibhausgasemissionen. Entsprechend der Smart City Rahmenstrategie der Stadt Wien sollen diese jährlich um 2% verringert werden. Um dieses Ziel erreichen zu können, muss zum einen die Energiebereitstellung in Gebäuden umweltfreundlicher und zum anderen die Energieeffizienz der Gebäude stark erhöht werden.

Den rechtlichen Rahmen dafür bilden die Richtlinie des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB-RL) und die Bauordnungen der Länder. Diese regeln die technischen Mindestanforderungen an die Gebäudetechnik (z.B. für E-Ladestellen) und Heizsysteme. Fossile Energieträger in Gebäuden sollen schrittweise durch umweltfreundliche Alternativen wie Fernwärme oder PV-Anlagen ersetzt werden. Schon heute versorgt Wien Energie 380.000 Wohnungen mit Fernwärme. Wir arbeiten auch daran, Wien zur Sonnenstadt zu machen und setzen uns für den Ausbau von privater Ladeinfrastruktur für E-Autos ein.

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Hintergrundinformationen

Verantwortlich für den hohen CO2-Ausstoß im Gebäudesektor sind vor allem klimaschädliche Heizsysteme und ineffiziente Gebäudehüllen von alten Gebäuden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, um dies zu ändern, werden in Wien mit der OIB-RL und der Wiener Bauordnung gesetzt. Rechtliche Grundlage für die Wiener Bauordnung ist die EU-Gebäuderichtlinie.

Die EU-Gebäuderichtlinie wurde 2018 novelliert und enthält unter anderem Regelungen zu den erlaubten Heizsystemen, Grenzwerten bezüglich der Energieeffizienz von Gebäuden und Anforderungen an E-Mobilität in Garagen. Die Mitgliedstaaten müssen die Richtlinie größtenteils bis 2020 in nationales Recht umsetzen.

Die Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie erfolgt in Österreich mit der OIB-Richtlinie. Diese umfasst bundesweite technische Leitlinien zur Energieeffizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energieträger in Gebäuden. Sie weist jedoch keinen Gesetzescharakter auf. Die Bundesländer verpflichten sich aber dennoch zur Umsetzung der Richtlinie in ihren jeweiligen Bauordnungen.

Mit der Novelle der Wiener Bauordnung 2019 gingen einige weitreichende Änderungen für den Gebäudesektor einher. Am relevantesten sind das dezentrale Gasverbot (Gasetagenheizungen) im Neubau und bei Sanierungen sowie die neuen Regelungen zu den Energieraumplänen (bzw. Klimazonen).

  • Das Verbot von Gasetagenheizungen im Neubau und bei Sanierungen stellt die weitreichendste Änderung dar. Sollte aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen jedoch nur eine Gasheizung möglich sein, müssen Ausgleichsmaßnahmen ergriffen werden. Dies kann die Installation von PV-Anlagen oder einer Wärmepumpe sein bzw. das Setzen von Energieeffizienzmaßnahmen.
  • Die neue Regelung zu den Energieraumplänen besagt, dass für bestimmte Gebiete in Wien Energiekonzepte vom Gemeinderat verabschiedet werden können. In diesen Gebieten dürfen ausschließlich hocheffiziente alternative Heizsysteme eingesetzt werden. Darunter fallen dezentrale Energieversorgungssysteme auf Basis Erneuerbarer, Mikro-KWKs, Fernwärme und –kälte sowie Wärmepumpen. Die Erstellung von Energieraumplänen soll nach und nach auf ganz Wien ausgeweitet werden, um eine umweltfreundliche Wärmeversorgung für die Stadt zu gewährleisten.
Michael Cerveny

„Mit der Bauordnung, die in Wien auch die Raumordnung inkludiert, und mit der Wohnbauförderung verfügt Wien über ganz wichtige Kompetenzen zur Steuerung der Wärmewende. Wollen wir die Klimaschutzziele der Smart City Wien Rahmenstrategie erreichen, muss sowohl die Absenkung des Wärmeverbrauchs als auch der Ersatz von fossilen Heizsystemen durch Fernwärme oder durch Erneuerbare Energien intensiviert werden. Wien Energie kommt auf diesem Weg eine Schlüsselrolle zu.“ 

Michael Cerveny, Senior Expert Urban Innovation

Unsere Forderungen

Die Wiener Bauordnung stellt eine der wichtigsten regulatorischen Grundlagen für eine Treibhausgasreduktion des Wärmesektors dar. Um den Erneuerbaren Ausbau zu fördern und den Verpflichtungen der Europäischen Gebäuderichtlinie im Bereich Elektromobilität nachzukommen, sind aus Sicht von Wien Energie allerdings noch einige Anpassungen nötig:

In urbanen Räumen ist Photovoltaik einer der wichtigsten und vielversprechendsten erneuerbaren Erzeugungsformen. Daher muss vor allem im Neubau darauf geachtet werden, dass das PV-Potential voll genutzt wird. Gemäß der Wiener Bauordnung müssen PV-Anlagen auf Dachflächen von Nicht-Wohngebäuden errichtet werden. Allerdings hat sich in der Praxis gezeigt, dass aufgrund technischer Gegebenheiten dieser Verpflichtung nicht immer nachgekommen werden kann. Wenn dies am Dach des Neubaus nicht möglich ist, sollte in Zukunft die PV-Verpflichtung an einem anderen geeigneten Ort erfüllt werden müssen.

Die Europäische Gebäuderichtlinie schreibt vor, dass eine bestimmte Anzahl von Garagenplätzen so ausgerüstet sein muss, dass jederzeit eine private Ladestation errichtet werden kann. Dies ist momentan noch nicht ausreichend in der Wiener Bauordnung enthalten. Für Wien Energie sind neben der generellen Umsetzung der Richtlinie einige Punkte besonders wichtig:

  • In neuen und sanierten Wohngebäuden sollen die Garagenplätze so ausgerüstet sein, dass jederzeit zumindest eine 3,7 kW Lademöglichkeit gebaut werden kann.
  • In allen anderen neu gebauten oder sanierten Gebäuden muss jeder dritte Garagenplatz jederzeit mit einer 3,7 kW Lademöglichkeit nachgerüstet werden können. Zusätzlich soll ein 20 kW Schnellader zur Verfügung stehen, sofern es die durchschnittliche Verweildauer im Gebäude erfordert (z.B. Supermarkt).
  • Die Verrohrung für Strom- und Datenleitungen vom Zählpunkt bis zum Stellplatz muss vorhanden sein. Zudem müssen Platzreserven für Stromzähler und Trafo vorgesehen werden. Zudem muss die Möglichkeit E-Autos zu laden bei der Berechnung der Netzanschlussleistung des Gebäudes berücksichtigt werden. Die Datenanbindung für den Ladenvorgang muss ebenfalls gewährleistet sein.

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Micha Gruber
Micha Gruber

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