Wärme nutzen statt verschwenden

In Österreich werden zwei Drittel der eingesetzten Energie in industriellen und gewerblichen Prozessen für Wärmeanwendungen benötigt. Bei vielen Prozessen zur Wärmeumwandlung bleiben große Mengen an Abwärme ungenutzt. Bis zu 70% der eingesetzten Wärme gehen über Abluft oder Abwasser verloren. Diese Wärme kann jedoch in einem Wärmerückgewinnungssystem wiedergewonnen werden. Wien Energie nutzt diese Wärme bereits seit etlichen Jahren, beispielweise in der UNO City. Mit der warmen Abluft der Kühlanlagen werden dort rund 2.400 Wohnungen geheizt und 3.500 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

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Hintergrundinformationen

Wärme macht einen großen Teil des Energieverbrauchs aus. Sie entsteht bei unterschiedlichen gewerblichen und industriellen Prozessen – zum Beispiel beim Betrieb von Rechenzentren, in der Abluft oder im Kühlkreislauf – als Nebenprodukt. Dort verpufft sie oft ungenutzt. Dabei liegt in der betrieblichen Abwärmenutzung großes Potential: Die industrielle Abwärme ist eine ideale Energiequelle, um damit zu heizen oder Warmwasser zu erzeugen.

Abwärme lässt sich vielfältig einsetzen. Wärme, die bei industriellen Prozessen als Nebenprodukt entsteht, kann direkt oder indirekt genutzt werden:

  • Bei einer direkten Nutzung muss die Temperatur der Quelle höher liegen als die des Abnehmers. Dabei wird bspw. die Wärme in Form von erwärmtem Kühlwasser abtransportiert und durch eine Energierecycling-Anlage wieder in das Fernwärmenetz eingespeist.
  • Eine indirekte Nutzung ist unter Einsatz von Wärmepumpen möglich. Aus der Energiequelle wird die Restwärme entzogen und mit der Wärmepumpe auf ein höheres Temperaturniveau gebracht. Die Wärmepumpe wird mit Strom betrieben. Die Wärme wird in Form von heißem Wasser in das Wiener Fernwärmenetz eingespeist.

Ein sehr hoher Anteil der industriellen Abwärme geht ungenutzt verloren – in Form von heißer Luft oder heißem Wasser. Unternehmen können ihre Energiekosten senken, indem sie einen Teil der Wärme nutzen und den Rest einspeisen. Damit stärken sie die eigene Wettbewerbsfähigkeit und leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Denn die Nutzung bereits vorhandener Wärme ist besonders klimafreundlich und umweltschonend. So kann die Fernwärme noch umweltfreundlicher gemacht werden.

Wien Energie nutzt die Abwärmetechnologie bereits seit etlichen Jahren. So wird seit 2016 bei Manner die Abwärme aus dem Backprozess in das lokale Fernwärmenetz eingespeist und für Heizung und Warmwasser verwendet. 600 Haushalte und Betriebe in unmittelbarer Nachbarschaft profitieren von der Wärmeproduktion. In der UNO City wird durch eine neue Energierecycling-Anlage der Wien Energie die Wärme der Klimaanlage wiederverwendet. Sie wird in das Fernwärmenetz eingespeist und heizt 2.400 Haushalte in der Umgebung – völlig klimaneutral.

Die Forcierung von Abwärme ist derzeit ausschließlich indirekt in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie 2018/2001 der EU geregelt. Gemäß Art. 23 ist eine Steigerung des Anteils erneuerbarer Energieformen in der Fernwärme in Höhe von 1,3% jährlich (bei bestehender Abwärmenutzung) umzusetzen. Dies ist nur durch eine stärkere Abwärmenutzung möglich.

Michael Cerveny

„Ohne die Nutzung von Abwärme wird die Dekarbonisierung von Städten nicht gelingen. Das gilt auch für Wien obwohl es hier vergleichsweise wenig industrielle Hochtemperatur-Abwärme gibt. Trotzdem könnten auch hier viele v.a. gewerbliche Abwärmepotenziale mittels Wärmepumpen in ein Wärmenetz eingespeist werden. Zusammen mit der Geothermie, Biomasse und der Kraft-Wärme-Kopplungstechnologie – in Zukunft mit grünem Gas betrieben – bilden sie das Rückgrat der klimaneutralen Wärmeversorgung.“

Michael Cerveny, Senior Expert, Urban Innovation Vienna

Unsere Forderungen

Die Potentiale der Abwärmenutzung sind bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Gründe dafür sind u.a. fehlende regulatorische Anreize sowie das hohe finanzielle Risiko für Unternehmen. Um genügend Abwärmepotentiale zur vollständigen Dekarbonisierung der Fernwärme realisieren zu können, benötigt es begünstigte rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen sowie eine verbesserte Transparenz seitens der Unternehmen.

Große Unternehmen (im Sinne des § 5 Abs 1 Z 18 – 21) sind aktuell gemäß § 9 Bundes-Energieeffizienzgesetz verpflichtet alle vier Jahre einen Energieaudit durchzuführen. Unter anderem müssen sie ihren Energieverbrauch und potenzielle Einsparpotentiale in kWh und € im Unternehmensserviceportal veröffentlichen. Das Abwärmepotential muss aktuell nicht ausgewiesen werden. Um Abwärmeströme sowie eine mögliche Nutzung evaluieren zu können, sollte das Abwärmepotential (gemessen in kWh/kW) zukünftig verpflichtend im Rahmen des Audits ausgewertet und im Unternehmensserviceportal sowie auf der Internetseite des Unternehmens offengelegt werden. Zudem sollte jedes Unternehmen, bei Überschreitung eines Grenzwertes, verpflichtet sein mit Energieversorgern in ein Gespräch zu treten, um die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit des Wärmepotentials zu analysieren.

Im Rahmen der Umweltförderung Inland (UFI) erhalten Unternehmen für Anlagen zur Auskopplung von Abwärme, für die Einspeisung von Abwärme sowie für die Nutzbarmachung der Abwärme durch Wärmepumpen eine Förderung von bis zu 30% der Investitionsmehrkosten. Um das hohe finanzielle Risiko dieser langfristigen Projekte (mind. 20 Jahre) minimieren zu können, bräuchte es zusätzlich eine Ausfallsicherung nach 10 Jahren Betriebslaufzeit. Diese sollte in Form einer Risikominderung seitens des Fördergebers, oder im Falle einer früheren vertraglichen Auflösung, seitens des Abwärmeinhabers übernommen werden.

Neubauprojekte und Sanierungen ab 25% der Gebäudehülle müssen gemäß OIB-Richtlinie 6 technischen Leitlinien zur Energieeffizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energieträger folgen. Als Maßnahme ist u.a. ein Energieausweis zur Energieeffizienz auszustellen. Um Abwärmepotentiale von Neubauprojekten und Sanierungen frühzeitig erkennen und ggf. ausschöpfen zu können, sollte die Auswertung des Abwärmepotentials verpflichtend in den Energieausweis aufgenommen werden. Zudem sollte das Unternehmen, bei Überschreitung eines Grenzwertes, verpflichtet sein mit Energieversorgern in ein Gespräch zu treten, um die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit des Wärmepotentials zu analysieren.

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Tobias Rieder
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