Wien wird zur Sonnenstadt

Für das österreichische Klimaziel, bis 2030 ausschließlich erneuerbaren Strom zu verbrauchen, ist ein umfassender Ausbau der Photovoltaik von 11 TWh notwendig. Bis 2030 investieren wir 480 Mio. Euro in den Ausbau von 600 MW Photovoltaik. Dank der kleinen Ökostrom-Novelle können wir nun auch den Bau von PV-Anlagen auf den Dächern von Mehrparteienhäusern forcieren. Damit machen wir Wien zur Sonnenstadt und erzielen CO2-Einsparungen von knapp 200.000 Tonnen jährlich.

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Hintergrundinformationen

Die kleine Ökostrom-Novelle, die im Jahr 2017 in Kraft getreten ist, ermöglicht den Bau von gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen. MieterInnen oder EigentümerInnen in Mehrparteienhäusern und Bürogebäuden können sich zusammenschließen, um gemeinsam eine PV-Anlage zu nutzen. Der Ausbau von PV-Anlagen auf den Dächern von Mehrparteienhäusern ist gerade in Ballungszentren mit verdichteter Architektur wie Wien von enormer Bedeutung. Somit kann die erneuerbare Stromversorgung für die Stadt sichergestellt werden und damit ein Beitrag geleistet werden, um die hohe Wiener Lebensqualität zu erhalten.

  • Mit einer PV-Anlage am Dach können etwa 30% vom jährlichen Strombedarf gedeckt werden, sofern der erzeugte Strom selbst verbraucht und nicht ins Netz eingespeist wird. Dadurch werden CO2-Emissionen, Energiekosten, Netzentgelte und Steuern, die beim Strombezug aus dem Netz anfallen würden, gespart.
  • Aus passiven Energienutzern werden aktive Prosumer, die einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.

Theoretisch ist jede mit Sonne bestrahlte Fläche für Photovoltaik nutzbar, in der Praxis jedoch nur Flächen, die zu vertretbaren Kosten für Solarstrom genutzt werden können. Zudem müssen auch technische Parameter wie Sicherheitsabstände und Dachfenster berücksichtigt werden. Von den rund 68.000 Mehrfamilienhäusern in Wien lohnt sich auf etwa 10% dieser Flächen die Errichtung von gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen.

Die erste PV-Gemeinschaftsanlage hat Wien Energie in der Lavaterstraße in der Donaustadt errichtet. Mit der 400 m2 großen PV-Anlage können 48 Haushalte mit Sonnenstrom vom eigenen Dach versorgt werden. Überschüsse werden ins Netz eingespeist. Seither haben wir fünf weitere PV-Gemeinschaftsanlagen, davon eine im Gewerbe, in Betrieb genommen. 15 weitere Anlagen sind bereits in Umsetzung oder im Zuge von Gebäude-Neuerrichtungen 2021 geplant.

Michael Strebl

„Die Sonne macht die Dächer zu Kraftwerken – mitten in der Stadt! Die Möglichkeit, Solarstrom unter den Hausparteien aufzuteilen, eröffnet uns ganz neue Geschäftsmodelle, mit denen wir den Photovoltaik-Ausbau in Wien enorm voranbringen werden.“

Michael Strebl, Geschäftsführer Wien Energie

Unsere Forderungen

Damit die WienerInnen aktiv an der Energiewende teilnehmen können, müssen die richtigen gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um den flächendeckenden PV-Zubau auf den Dächern Wiens voranzutreiben. Mit dem Abschaffung der Eigenstromsteuer mit Jänner 2020 wurde ein wichtiger Schritt für den PV-Ausbau geleistet. Auch das geplante 1.000.000-Dächer-Vorhaben der Regierung verspricht einen weiteren Aufschwung für die Solarstromproduktion in Wien. Von zentraler Bedeutung ist jedoch, nun Investitionshindernisse im Wohnrecht zu beseitigen, damit der Bau von PV-Gemeinschaftsanlagen erleichtert werden kann, denn die aktuellen Zustimmungserfordernisse stehen einer Anlagenerrichtung oftmals im Wege.

  • Aktuell gilt, dass die Mehrheit der WohnungseigentümerInnen der gemeinschaftlichen PV-Anlagenerrichtung im Rahmen der Eigentümerversammlung zustimmen muss. Die Abwesenheit eines Wohnungseigentümers oder einer Wohnungseigentümerin bei der Eigentümerversammlung gilt als Ablehnung. Wien Energie fordert, dass die Abwesenheit künftig nicht mehr wie bisher als Ablehnung, sondern als Enthaltung gilt. Dies könnte die Realisierung solcher Projekte deutlich erleichtern.
  • Die Aufnahme von PV-Anlagen auf Dachflächen in Mehrparteienhäusern auf die Liste der Maßnahmen der ordentlichen Verwaltung (§ 28 WEG) würde eine wesentliche Erleichterung darstellen. Dadurch wird verhindert, dass einzelne MiteigentümerInnen die Umsetzung solcher Projekte allein deswegen verhindern können, weil die Kosten der Maßnahme nicht aus der Rücklage bezahlt werden können. Eine unzumutbare finanzielle Überforderung einzelner Miteigentümer kann immer noch durch Rückgriff auf die Regelung des § 30 WEG verhindert werden.
  • Außerdem würde die Aufnahme von Photovoltaikanlagen in die Liste der Änderungen, bei denen ein wichtiges Interesse des Wohnungseigentümers vermutet wird (§16 WEG) auch einer Minderheit an WohnungseigentümerInnen ermöglichen, entsprechende PV-Gemeinschaftsanlagen im eigenen Interesse und auf eigene Kosten zu errichten und zu betreiben, sofern dem im Einzelfall keine schutzwürdigen Interessen der übrigen WohnungseigentümerInnen entgegenstehen.

Aktuell haben MieterInnen kein Recht, PV-Anlagen auf den Dachflächen von Mehrparteienhäusern zu errichten. Im Mietrechtsgesetz muss daher die Aufnahme von PV-Anlagen in die Liste der nützlichen Verbesserungen des Gebäudes (§ 4 MRG) erfolgen. Damit erhalten MieterInnen den Rechtsanspruch, eine PV-Aufdachanlage auf eigene Kosten errichten zu dürfen. Der Bau einer PV-Anlage wird dadurch, sofern wirtschaftlich und technisch umsetzbar, erheblich erleichtert.

Weiterführende Informationen

Ihre Ansprechpartnerin

Lisa Henhofer
Lisa Henhofer

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