Enorme Synergieeffekte
für Energie- und Landwirtschaft

Für das österreichische Klimaziel, bis 2030 ausschließlich erneuerbaren Strom zu verbrauchen, ist ein umfassender Ausbau der Photovoltaik von 11 TWh notwendig. Es ist dringend erforderlich auch Freiflächen für die Solarstromproduktion zu nutzen, um die zusätzlich benötigten Erzeugungskapazitäten realisieren zu können. Der Agrarphotovoltaik kommt dabei eine zentrale Rolle zu, da sie enorme Potentiale sowohl für die Energie- als auch für die Landwirtschaft birgt. Bis 2030 investiert Wien Energie 480 Mio. Euro in den Ausbau von 600 MW Photovoltaik. Dabei setzen wir auch gezielt auf den Bau innovativer Agrar-PV-Anlagen, um die Energiewende im ländlichen Raum voranzutreiben.

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Hintergrundinformationen

Die Agrarphotovoltaik ist als Kombination von PV-Freiflächenanlagen und landwirtschaftlicher Produktion zu verstehen. Dadurch können gleichzeitig Nahrungsmittel produziert und Energie gewonnen werden. Die Solarmodule können einerseits horizontal in einigen Meter Höhe montiert werden, um die Bodenbearbeitung und die Bewirtschaftung mit landwirtschaftlichen Maschinen zu ermöglichen. Andererseits können vertikale, bifaziale Module errichtet werden, die das Sonnenlicht von beiden Seiten in Solarstrom umwandeln und die Bodenfläche dadurch nicht überbaut wird.

Die Agrar-Solar-Kopplung ermöglicht steigende Erträge. Dank ausgeklügelter Nutzungskonzepte führt der Bau einer Agrar-PV-Anlage zu einer Steigerung der Flächeneffizienz um über 60% und nicht zu einer Flächenversiegelung, wie oft falsch vermutet. Außerdem entstehen für den Landwirt Pachteinkünfte und Stromernte.

Agrar-PV-Anlagen stellen einen Bodenschutz dar. Sie reduzieren die direkte Sonneneinstrahlung auf den Boden sowie die UV-Belastung, vermindern den Wasserverbrauch und schützen den Boden vor Austrocknung. Außerdem führt die Agrarphotovoltaik zu einer erhöhten Resilienz der Pflanzen, da die veränderten Gradienten bezüglich Licht, Feuchtigkeit und Temperatur eine Reduktion des Hitzestresses der Pflanzen hervorrufen. Zusätzlich dient die PV-Anlage als Schutz vor Hagelschlag. Insbesondere in ariden Regionen können Kulturpflanzen und Nutztiere von der Verschattung durch die Solaranlage profitieren.

Kasimir Nemesthoty

„Nur wenn wir es schaffen, unsere Kräfte zu bündeln, um gemeinsam alle erneuerbaren Energietechnologien optimal weiterzuentwickeln, können wir die klimaschädlichen Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger im notwendigen Ausmaß reduzieren. Dazu müssen wir vorausdenken und neben gebäudeintegrierten PV-Systemen auch neue Nutzungsmöglichkeiten entwickeln. Die sichere Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln und mit erneuerbarer Energie aus der Region ist eine starke Triebkraft für unsere Bemühungen.“

Kasimir Nemestothy, Referatsleiter Energie der Landwirtschaftskammer Österreich

Unsere Forderungen

Um diese enormen Synergieeffekte für Landwirtschaft und Energiewende zu nutzen, müssen Anreize für den Bau von PV-Anlagen auf qualifizierten Freiflächen geschaffen werden. Dazu bedarf es der Etablierung eines Förderrahmens sowie behördlicher Vereinfachungen für den Anlagenbau.

Grob geschätzt besteht in Österreich ein Agrarphotovoltaik-Potential von über 27 GWp. Um dieses enorme Potential nutzen zu können, müssen in einem ersten Schritt Pilotprojekte umgesetzt werden, um die vielseitigen positiven Effekte in der Praxis für den Landwirtschaftsstandort Österreich zu veranschaulichen. Mit einem Sondertopf für erneuerbare Stromerzeugung aus innovativen Photovoltaik-Anlagen (z.B. bauwerkintegrierte Anlagen, Agrarphotovoltaik-Anlagen oder PV-Anlagen auf Wasserflächen) könnten Pilotanlagen realisiert werden.

Um der Agrarphotovoltaik den nötigen Aufschwung zu verleihen, bedarf es behördlicher Erleichterungen bei den Genehmigungsprozessen für die Errichtung und den Betrieb von Agrar-PV-Anlagen. Außerdem darf die Errichtung von PV-Anlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht zu einem Aberkennung der ÖPUL-Förderung im Rahmen des Agrar-Umweltprogramms führen.  Die Kompatibilität der Fördermittel für die Errichtung von Agrar-PV-Anlagen sowie der ÖPUL-Fördermittel muss gewährleistet sein, um die Flächennutzung sicherzustellen.

Weiterführende Informationen

Ihre Ansprechpartnerin

Lisa Henhofer
Lisa Henhofer

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