Das Wiener Modell lebt Kreislaufwirtschaft

Die Europäische Kommission hat 2015 einen Aktionsplan angenommen, der das Abfallaufkommen verringern und Abfälle umwelt- und ressourcenschonender verwerten soll. Aufgrund der größtenteils bereits gesetzten Maßnahmen im Abfallbereich rangiert Österreich im EU Spitzenfeld. Dazu leistet auch Wien Energie einen Beitrag. Das Wiener Modell der thermischen Hausmüllverwertung von rund 800.000 t Siedlungsabfall, 200.000 t Klärschlamm sowie 100.000 t Industrie- und Gewerbeabfällen ist in Kombination mit den übrigen Wien Energie Energiedienstleistungen aufgrund der effizienten Versorgung von rund 1,4 Mio. KundInnen mit Strom, Wärme und Erdgas ein Vorzeigemodell. Bis zu drei Mio. t CO2 werden pro Jahr durch maximale Effizienz der Wien Energie eingespart.

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Hintergrundinformationen

Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket, das unter der letzten EU-Kommission unter Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am 2. Dezember 2015 vorgestellt wurde, sollte dazu beitragen, nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Am 12. März 2020 veröffentliche die amtsführende EU-Kommission unter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit einem neuen Aktionsplan für eine EU-Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Baustein des EU Green Deal. Mit den Maßnahmen soll die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähiger gemacht, die VerbraucherInnen gestärkt und zusätzlich der Weg in eine ökologischere Zukunft geebnet werden.

Österreich rangiert aufgrund seiner bereits getätigten Maßnahmen in der Abfallwirtschaft im EU-Spitzenfeld. Durch die thermische Abfallverwertung von nicht recyclebarem Hausmüll ist Wien Energie mit dem Wiener Modell ein Vorzeigebeispiel bei der nachhaltigen Nutzung der freiwerdenden Energie in Form von Fernwärme und Strom.

Der Aktionsplan sieht die Änderung von sechs Richtlinien vor, mit denen der Kreislauf der Produktlebenszyklen bis 2020 geschlossen werden soll:

  • Der Vorschlag zur Änderung der EU Deponierichtlinie sieht eine stärkere Einschränkung der Deponierung von Siedlungsabfällen vor.
  • Die Legislativvorschläge zur Änderung der EU Abfallrahmenrichtlinie und der Verpackungsrichtlinie sehen für 2025 und 2030 eine Erhöhung der Ziele für das Recycling und die Vorbereitung zur Wiederverwendung von Siedlungs- und Verpackungsabfällen vor. Ziele für 2035 wurden festgelegt, diese sollen vor der Festlegung aber nochmals evaluiert werden.
  • Die EU Elektro- und Elektronikgeräterichtlinie soll die Wiederverwendung von geeigneten Altgeräten fördern, Verwertungsquoten steigern sowie stufenweise die Verwertungsquoten bis 2019 erhöhen.
  • Die EU Altfahrzeugrichtlinie regelt die Verwertung und Entsorgung von Kraftfahrzeugen durch Recycling.
  • Mit der EU Batterien Richtlinie wird die Sammlung und Verwertung aller verbrauchten Batterien neu geregelt.

Die EU-rechtlichen Vorgaben sind bis spätestens Juli 2020 in nationales Recht umzusetzen. Primäre Änderungen betreffen das Abfallwirtschaftsgesetz 2020 und die Verpackungsverordnung 2014. Zu beiden legislativen Dokumenten hat Wien Energie Stellungnahmen abgegeben.

Der neue Aktionsplan betrachtet den Lebenszyklus von Produkten und Materialien, da die Hälfte der gesamten CO2-Emissionen aus der Rohstoffgewinnung und –verarbeitung stammt. Die Stoßrichtung der EU-Kommission geht ganz klar in Richtung Wiederverwertung jener Produktgruppen mit dem größten ökologischen Fußabdruck wie Elektronik, Batterien, Bauwirtschaft und Verpackungen.

Die EU-Kommission möchte auch Maßnahmen ergreifen, welche die Abfallproblematik der EU nicht auf Drittländer verlagert. In diesen Drittländern werden Abfälle unsachgemäß auf Deponien gelagert und emittieren Deponiegase wie CH4 und CO2. Auch in der EU werden die meisten CO2e aus dem Abfallbereich durch Methanemissionen aus Deponien verursacht.

Entsprechende Vorschläge sollen 2022 vorgestellt werden.  Im Einklang mit der am 11.3. 2020 veröffentlichen EU-Industriestrategie soll auch eine Überprüfung der Richtlinie über Industrieemissionen (IED) erfolgen. Aspekte des Kreislaufprinzips sollen ebenfalls in künftige Referenzdokumente zu den besten verfügbaren Techniken (BVT-Merkblätter) einfließen. Diese Maßnahme ist für 2021 vorgesehen.

Auch zur Abfallbehandlung in Städten wurden einige Überlegungen angestellt. Neben finanziellen Unterstützungen sollen Plattformen, Initiativen und Netzwerke für den notwendigen Know-How-Austausch sorgen. Weiters sollen die Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Klimaziele untersucht werden.

In Österreich gilt das Bundesgesetz über eine nachhaltige Abfallwirtschaft (AWG – Abfallwirtschaftsgesetz 2002). Eine AWG-Rechtsbereinigungsnovelle, also das Bundesgesetz, mit dem das Abfallwirtschaftsgesetz 2002 geändert wurde, ist mit 1. August 2019 in Kraft getreten. Wesentlicher Bestandteil der Novelle ist das Verbot von Einwegkunststofftragetaschen, welches ab 1. Jänner 2020 gilt. Weiters wurden Verwaltungsvereinfachungen im Abfallrecht beschlossen, wie z.B. Maßnahmen zur Unterstützung von Projekten zur Digitalisierung.

Die Bundesländer erstellen in regelmäßigen Abständen auf Basis des jeweiligen Landes-Abfallwirtschaftsgesetzes ihre Landes-Abfallwirtschaftspläne, -berichte und/oder -konzepte. Derzeit ist Änderung des Abfallwirtschaftsgesetzes zur Implementierung des Kreislaufwirtschaftspakets in Bearbeitung.

In Wien fallen jährlich zirka 1,1 Millionen Tonnen kommunale Siedlungsabfälle an. Eine nachhaltige Abfallbewirtschaftung bedingt eine bessere Abfallvermeidung, das Recycling zu qualitativ hochwertigen Rohstoffen sowie eine  thermische Behandlung von nicht vermeid- bzw. recyclebaren Abfällen. In Österreich dürfen seit 2009 unbehandelte Abfälle nicht mehr deponiert werden. Derzeit wird der Siedlungsabfall weitgehend unsortiert in den Wiener Müllverbrennungsanlagen thermisch verwertet. Abfälle aus der getrennten Sammlung (z.B. Glas, Metall, Biomüllsammlung) werden separat erfasst und entsprechend recycelt.  Darüber hinaus werden die nach der Verbrennung übrigbleibenden Schlackefraktionen aufgearbeitet und nach Möglichkeit recycelt.

Zukünftig werden wiederverwertbare Materialien wie u.a. Glas, Papier und Metall im gemischten Müll aus der Mülltonne noch vor der Verbrennung zusätzlich aussortiert. Der übrig bleibende Rest nicht-recyclebarer Abfälle wird anschließend in den Müllverbrennungsanlagen der Stadt Wien verbrannt.

  • Die Nutzung von Energie aus Abfall ist der Stand der Technik zur Verwertung nicht-recyclebarer Abfälle. Die organischen Stoffe werden dabei mit maximalem Wirkungsgrad zerstört. Der Verbrennungsprozess wird überwacht und Umweltbelastungen werden durch eine ausgereifte Abgasreinigungstechnologie weitgehend vermieden.
  • Energie wird freigesetzt, die einerseits von Wien Energie als Wärme für die Fernwärmeversorgung, andererseits als Strom für den Betrieb der eigenen Anlagen und für den Verkauf ins Netz verwendet wird. Bis zu 650.000 Tonnen CO2 werden pro Jahr durch die Kombination der Müllverbrennung mit der Fernwärmeeinspeisung eingespart.
  • Wien Energie unterschreitet die behördlichen Grenzwerte in den Müllverbrennungsanlagen im Jahresschnitt um bis zu 90 Prozent. Das ist ein internationaler Spitzenwert. Das Wiener Modell versorgt rund 400.000 Haushalte und Großkunden ganzjährig mit Fernwärme sowie eine Mio. Haushalte effizient mit Strom und Erdgas.
  • Die vier Müllverbrennungsanlagen, die Wien Energie betreibt, erzeugen jährlich 1,8 Mio. MWh Fernwärme. Die bekannteste davon ist die Müllverbrennungsanlage Spittelau, die durch ihre auffällige Fassade – gestaltet durch den berühmten Künstler Hundertwasser – zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden ist.

Auf EU Ebene wurden mit der Taxonomie Verordnung Kriterien für ein nachhaltiges Finanzwesen festgelegt. Die thermische Abfallverwertung ist gemäß der Verordnung als umweltschädigendes Ziel definiert, wobei nicht zwischen der Verwertung von gefährlichem und nicht gefährlichem Abfall unterschieden wird. Der Abschlussbericht der von der Kommission eingesetzten Technischen Expertengruppe (TEG) klassifiziert jedoch die thermische Abfallverwertung von gefährlichem Abfall explizit als nachhaltige Investition, was die von Wien Energie betriebenen Müllverbrennungsanlagen auch eindeutig belegen.

Thermische Abfallverwertung trägt maßgeblich zur Schadstoffreduktion bei, erhöht die Energieeffizienz, trägt zu erneuerbaren Energiezielen in der Wärmeerzeugung bei und ist ganz klar im Einklang mit der Richtlinie über Abfallverbrennung. Um weiterhin Vorreiter im Bereich der Abfallwirtschaft zu bleiben und um die ehrgeizigen Recyclingziele zu erfüllen, wird derzeit an einem Gesamtkonzept für die Wiener Abfallwirtschaft gearbeitet. Daraus werden verschiedene Maßnahmen abgeleitet, die voraussichtlich Investitionen zur Sicherstellung eines langfristigen Betriebs der thermischen Abfallverwertungsanlagen nach sich ziehen werden.

Karl Gruber

„In unserer Müllverbrennungsanlage Spittelau erzeugen wir nachhaltig und effizient Strom und Wärme. Rund 60% der jährlich erzeugten Energiemenge aus der Müllverwertung stammen aus biogenen bzw. erneuerbaren Quellen. Durch die laufende Optimierung der Anlage können wir unsere Spitzenposition auch in Zukunft im europäischen Vergleich aufrechterhalten und die im Abfall enthaltenen Energieressourcen noch effizienter einsetzen.“

Karl Gruber, Geschäftsführer Wien Energie

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2020-09-21T14:41:27+02:00

Das Wiener Modell

Das Wiener Modell verbindet die Nutzung von Abwärme aus der Stromerzeugung (Kraft-Wärme-Kopplung), die Gewinnung von Energie aus Abfall, die Nutzung industrieller Abwärme sowie den Einsatz erneuerbarer Energieträger miteinander. Das spart jährlich drei Mio. t CO2 ein.

2020-09-21T14:44:17+02:00

Müllverbrennungsanlage Spittelau

Die Müllverbrennungsanlage Spittelau verarbeitet jährlich rund 250.000 t Hausmüll zu umweltfreundlicher Wärme und Strom. Rund 50% der jährlich erzeugten Energiemenge aus der Müllverwertung stammen aus erneuerbaren Quellen. So leistet sie einen zentralen Beitrag zur Wiener Abfallwirtschaft.

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Ihre Ansprechpartnerin

Yolande Kyoni
Yolande Kyoni

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