Der Weg zum CO2-freien Verkehr

Einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der österreichischen Klimaziele wird der Umstieg von Verbrennern auf elektrisch betriebene Fahrzeuge leisten. Einer der wichtigsten Hebel für den Durchbruch der Elektromobilität ist der Ausbau von privaten Lademöglichkeiten, bei den NutzerInnen zu Hause. Bis 2030 müssten laut einer Studie der AustriaTech 1,5 Mio. private Lademöglichkeiten errichtet werden, um die Klimaziele der EU erreichen zu können. Alleine in Wien sind das 60 Wallboxen pro Tag bis 2030. Wien Energie investiert daher massiv in den Ausbau von privaten Ladestationen, allerdings sind hier noch gesetzliche Hürden zu beseitigen, um die Elektromobilität für den Massenmarkt attraktiv zu machen.

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Hintergrundinformationen

Laut Umweltbundesamt verursacht der PKW-Verkehr in Österreich in etwa 50 % der Treibhausgasemissionen des Sektors Verkehr. Das zeigt ganz klar, dass eine Elektrifizierung des Individualverkehrs unumgänglich ist, um die ambitionierten Klimaziele erreichen zu können.

Auch die EU hat dieses Problem erkannt und verpflichtet die Mitgliedstaaten im Rahmen der EU-Gebäuderichtlinie daher zu Verbesserungen der regulatorischen Rahmenbedingungen für den Ladeinfrastrukturausbau. Denn Studien haben ergeben, dass 90% der Ladevorgänge bei den NutzerInnen zuhause durchgeführt werden. Daraus folgt, dass auch ein Großteil dort errichtet werden muss.

Die AustriaTech hat die exakten Zahlen errechnet, die zur Erreichung der österreichischen Ausbauziele notwendig wären. Demnach müssten bis zum Jahr 2030 in etwa 1,5 Mio. Lademöglichkeiten errichtet werden – das entspräche bundesweit einer Zahl von 330 Lademöglichkeiten täglich seit 1. Jänner 2019.

Unsere Forderungen

Wie man anhand der errechneten Ausbauzahlen erkennen kann, ist der größte Hebel für eine Erhöhung der Neuzulassungen von E-Autos der Ausbau von Lademöglichkeiten bei den NutzerInnen zu Hause. Allerdings ist der notwendige private Ladeinfrastrukturausbau vor allem in Ballungsräumen aufgrund der aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Wohnrecht nicht umsetzbar. Es bedarf daher zwingend Anpassungen im Wohn- und Baurecht sowie die Einführung von Anreizsystemen. Ansonsten können die Klimaziele schlichtweg nicht erreicht werden.

Aktuelle Bestimmungen im Wohnungseigentumsgesetz (WEG), Mietrechtsgesetz (MRG) und Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) erschweren den Infrastrukturausbau in Bestandsgaragen großer Wohngebäude derzeit massiv. Besonders die Regelung, dass 100% aller EigentümerInnen bzw. MieterInnen zu solchen Projekten zustimmen müssen, stellte sich bislang in der Praxis als unüberwindbare Hürde heraus. Wien Energie fordert daher das Wohnrecht dahingehend anzupassen, dass Ladeinfrastrukturprojekte auch mit einer Zustimmung von 50% der EigentümerInnen bzw. MieterInnen durchgeführt werden können.

Die EU-Gebäuderichtlinie schreibt vor, dass auf jedem Stellplatz in Wohngaragen Vorkehrungen zum späteren Einbau von Lademöglichkeiten zur Verfügung stehen müssen. Derzeit gibt es allerdings keine klare rechtliche Definition, was unter diese Vorkehrungen fällt. In der Praxis hat sich gezeigt, dass aufgrund der fehlenden Definition die Wirksamkeit dieser an sich sehr sinnvollen Regelung massiv eingeschränkt wird. Es wäre daher für alle Beteiligten notwendig, in diesem Bereich alsbald bundesweite Standards für die notwendige vorgelagerte Infrastruktur zu schaffen.

Den größten Kostenfaktor der privaten Ladeinfrastruktur stellt die notwendige vorgelagerte Infrastruktur dar. Für diese Kosten gibt es in Wien derzeit allerdings noch kein wirksames Fördersystem. In Vorarlberg beispielsweise wurden hingegen mit einem entsprechenden Fördermodell bereits große Anreize zum Bau von Ladeinfrastruktur geschaffen. Hier werden 50% der anfallenden Investitionskosten bis zu einer bestimmten Obergrenze gefördert. Wien Energie fordert daher, ein solches Modell auch in Wien einzuführen. Besonders im urbanen Raum können so enorme Anreize für den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität geschaffen werden.

Hans-Jürgen Salmhofer

„Eine steigende Anzahl von E-Fahrzeugen bedingt eine steigende Nachfrage nach Ladeinfrastruktur und da auch ganz besonders im privaten Bereich. Ziel ist es daher einerseits mit Förderungen zu unterstützen, aber auch die Barrieren für den Ausbau der Ladeinfrastruktur kontinuierlich abzubauen und Rahmenbedingungen zu vereinfachen. Bei der Ausstattung von Mehrparteienwohnhäusern, insbesondere im Bestand, werden rasch wohnrechtliche Anpassungen erforderlich sein.“

Hans-Jürgen Salmhofer, Leiter Stabstelle Mobilität und Dekarbonisierung, BMK

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Micha Gruber
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