1.000 Ladestellen für Wien

Der PKW-Verkehr ist für 40% der Treibhausgasemissionen in Wien verantwortlich. Eine Elektrifizierung des Individualverkehrs ist zwingend notwendig, um das Klimaziel der Stadt Wien, die CO2-Emissionen im Verkehrssektor bis 2050 auf Null zu reduzieren, erreichen zu können. Umfragen der WU Wien und Deloitte haben gezeigt, dass ein flächendeckendes Ladenetz der zentrale Hebel ist, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Bis 2020 investiert Wien Energie daher 15 Mio. € in den Bau von 1.000 zusätzlichen Lademöglichkeiten im öffentlichen Raum.

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Hintergrundinformationen

Neben dem Ausbau privater Ladeinfrastruktur ist ein flächendeckendes öffentliches Ladenetz ein wesentlicher Faktor für den Durchbruch der Elektromobilität. In der Praxis hat sich in diesem Zusammenhang auch gezeigt, dass eine kundenfreundliche und nachvollziehbare Verrechnung der geladenen Energie einen weiteren zentralen Punkt darstellt.

Mit der Errichtung von 1.000 neuen E-Ladestellen bis 2020 leistet Wien Energie einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität und einer nachhaltigen Zukunft in Wien. Bis zum Sommer 2019 wurden bereits 500 öffentliche Ladestationen errichtet. Das erklärte Ziel ist, dass bis 2020 in Wien keine Ladestationen weiter als 200 m vom Kunden bzw. von der Kundin entfernt ist. Im internationalen Vergleich zählen Österreich bzw. insbesondere Wien zu absoluten Spitzenreitern beim Ausbau der Ladestationen.

Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien hat ergeben, dass drei wesentliche Bedürfnisse erfüllt werden müssen, damit die Elektromobilität für den breiten Markt attraktiv wird:

  • KundInnen wünschen sich eine transparente, nachvollziehbare und einfache Verrechnung der geladenen Energiemenge (kWh).
  • Um dem KundInnen die größtmögliche Flexibilität gewährleisten zu können, ist ein flächendeckendes Ladenetz von enormer Bedeutung. Neben der Lademöglichkeit zu Hause spielen hier auch öffentliche Ladestationen am Straßenrand eine zentrale Rolle.
  • Ein Hemmnis für den Kauf eines E-Autos sind nach wie vor Reichweite und Kosten der Fahrzeuge. Obwohl Elektroautos über die gesamte Lebensdauer gesehen wesentlich günstiger sind als Verbrenner, schrecken die aktuellen Kaufpreise vor einer Anschaffung ab.

Ein weiterer wesentlicher Faktor für den Durchbruch der Elektromobilität ist eine kundenfreundliche, transparente und nachvollziehbare Abrechnung der Ladevorgänge. Die KundInnen wünschen sich hier ähnliche Bedingungen wie beim Tanken von Diesel oder Benzin. Hier wird nach getankter Kraftstoffmenge bezahlt. Bei der E-Mobilität stellt aber gerade diese Verrechnung von Energiemengen (in kWh) eine große Herausforderung dar. Rechtliche Rahmenbedingungen erschweren eine gesetzeskonforme Verrechnung nach geladener kWh massiv. Daher verrechnen die meisten Unternehmen die Zeit, die das Elektroauto an der Ladestation verbringt. Um den Kundenwünschen bestmöglich nachzukommen, sollte in Zukunft eine Kombination aus kWh- und zeitbasierten Tarifen möglich sein. Die Zeitkomponente ist notwendig, damit die öffentlichen Ladestationen nicht länger als notwendig belegt werden.

Ute Teufelberger

„Die heimischen Energieunternehmen haben in den letzten Jahren massiv in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investiert. Mit 5.500 Ladepunkten, davon 3.500 im BEÖ-Netz, zählt Österreich innerhalb Europas bereits heute zu den Vorreitern beim Ausbau der öffentlichen Ladestationen.“

Ute Teufelberger, Vorsitzende des BEÖ

Unsere Forderungen

Das größte Problem beim öffentlichen Laden stellt die Abrechnung dar. Laut dem Mess- und Eichrecht müssen die Messdaten – also die verrechneten kWh – direkt an der Ladesäule in einem Sichtfenster angezeigt werden. Da ein Großteil der bereits errichteten Ladeinfrastruktur kein solches Sichtfenster besitzt, dürfen aktuell keine kWh verrechnet werden. Nachdem die Ladesäulen der Betreiber in Österreich TÜV-geprüft, zertifiziert und anlagenrechtlich genehmigt sind, wäre eine Verrechnung nach kWh aber technisch durchaus möglich.

Kundenbefragungen zeigen ganz klar, dass der Kundenwunsch in Richtung energiebasierter Abrechnung geht. Die derzeitigen regulatorischen Rahmenbedingungen verhindern diese kundenfreundliche Verrechnungsart allerdings und stellen somit einen großen Hemmschuh für die Elektromobilität dar. Aus diesem Grund muss die Messgeräteverordnung 2016 dahingehend angepasst werden, dass neben der Anzeige des Messergebnisses über ein Sichtfenster am Ladepunkt auch eine Anzeige auf dem abgesetzten Display (mobile App oder Webportal) erlaubt ist.

Um KundInnen grenzüberschreitend einfaches, transparentes und kundenfreundliches Laden zu ermöglichen, muss es eine einheitliche Regelung für die Erfassung, Signierung und Weiterleitung von Ladevorgangsdaten geben. Die Möglichkeit zur Überprüfung der Daten für Dienstanbieter und KundInnen muss ebenfalls beinhaltet sein. Dies muss unbedingt bei der Überarbeitung der EU-Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (2014/94) berücksichtigt werden.

Um zusätzliche Anreize zu schaffen, hat die österreichische Bundesregierung mit der E-Mobilitätsoffensive 2018 auch Förderungen für öffentliche Ladeinfrastruktur verabschiedet. Die Projekte werden je nach Ladeleistung mit bis zu 10.000 € pro Ladestelle gefördert. Dies ist in jedem Fall eine sinnvolle Maßnahme und muss aus Sicht von Wien Energie auch in Zukunft beibehalten werden.

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Micha Gruber
Micha Gruber

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