Mehr Kundenfreundlichkeit bei E-Ladestationen

Der PKW-Verkehr ist für 40% der Treibhausgasemissionen in Wien verantwortlich. Eine Elektrifizierung des Individualverkehrs ist zwingend notwendig, um die Klimaziele der Stadt Wien erreichen zu können. Die Bundesregierung hat das Ziel vorgegeben, dass ab 2030 mehr als 50% der neu zugelassenen PKWs Elektroautos sein müssen. Laut Studien ist ein kundenfreundliches Abrechnungssystem die Grundvoraussetzung, um diesen Umstieg bei den KundInnen zu erzielen. Mit einer Novelle der AFI-Richtlinie will die Europäische Union den regulatorischen Rahmen dafür jetzt setzen.

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Hintergrundinformationen

Neben dem Ausbau privater Ladeinfrastruktur ist ein flächendeckendes öffentliches Ladenetz ein wesentlicher Faktor für den Durchbruch der Elektromobilität. Die kundenfreundliche und nachvollziehbare Verrechnung der geladenen Energie ist ein zentrales Kundenbedürfnis. Mit der Novelle der AFI-Richtlinie soll genau das sichergestellt werden – über die gesamte EU hinweg.

AFI ist die Abkürzung für die EU-Richtlinie zum Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe. Sie wurde 2014 von der EU verabschiedet. Im Jahr 2018 wurde sie in nationales Recht umgesetzt. Im Wesentlichen regelt sie die Rechte und Pflichten für Betreiber von Lademöglichkeiten für alternative Treibstoffe. Dazu zählen beispielsweise Elektroladestationen, Wasserstofftankstellen oder auch LNG Tankstellen. Zu den wesentlichsten Inhalten zählen Regelungen zu:

  1. Preistransparenz: Einer der Hauptpunkte der AFI sind die Verpflichtungen zu Preisauszeichnung. So werden Betreiber von Ladestellen dazu verpflichtet, die Ladepreise transparent und einfach erkenntlich zu machen. In der Praxis kommen die meisten Betreiber dieser Verpflichtung mit QR Codes nach. Diese werden an der Ladestelle angebracht. Mit einem Smartphone können die verrechneten Preise dann eingesehen werden.
  2. Direct Payment: Eine weitere entscheidende Regelung betrifft die Zahlungsmöglichkeiten an den Ladestellen. Die AFI-Richtlinie legt fest, dass eine Bezahlung an der Ladestelle diskriminierungsfrei und ohne ein Dauerschuldverhältnis bei einem Dienstleister möglich sein muss. Konkret bedeutet das, dass bei Ladestellen das Laden auch ohne Vertrag mit einem E-Mobility Anbieter ermöglicht werden muss.
  3. Standards: Der dritte Punkt in der Richtlinie betrifft die Standardisierung. Noch vor einigen Jahren gab es einen Wildwuchs verschiedener Steckertypen bei Ladeinfrastruktur und den elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Dies war besonders für die KundInnen undurchsichtig und damit ein Hemmnis für den Umstieg auf Elektroautos. Mit der Richtlinie wurden einheitliche Standards geschaffen. So soll sichergestellt werden, dass auch jedes Auto bei jedem öffentlich zugänglichen Ladepunkt laden kann.

Die Elektromobilität hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Damit möglichst viele KundInnen auf Elektroautos umsteigen und die Elektromobilität ihr Klimaschutzpotenzial voll entfalten kann, müssen folgende bestehende Hemmnisse so rasch wie möglich adressiert und beseitigt werden:

  • Kundenseitig: Befragungen bei KundInnen haben gezeigt, dass vor allem die stundenbasierte Abrechnung auf Unverständnis stößt. Hier besteht ganz klar der Wunsch nach einer leistungsbasierten Abrechnung. Diese Art der Verrechnung ist allerdings in Österreich auf Grund der rechtlichen Lage nicht möglich. Weiters sind Roaminggebühren für NutzerInnen oftmals nicht nachvollziehbar. Hier wird eine Lösung ähnlich wie beim Mobilfunk bevorzugt. Auch die angebotenen Bezahlmethoden werden von den KundInnen oftmals kritisiert. Diese unterscheiden sich je nach Betreiber.
  • Anbieterseitig: Als Anbieter bestehen die größten Herausforderungen bei den verwendeten Softwaresystemen und Kommunikationsprotokollen. Die fehlende Kompatibilität der einzelnen Systeme hindert Unternehmen massiv an der Einführung neuer Vorteile für KundInnen. Vor allem bei der Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur besteht Anpassungsbedarf. Darüber hinaus zeigt sich in der Praxis immer häufiger ein zentrales Problem: Der europäische Rechtsrahmen im Bereich der Elektromobilität wird von den verschiedenen Mitgliedstaaten völlig unterschiedlich interpretiert. Zusätzlich werden europäische Gesetze in einem Mitgliedstaat von den verschiedenen Ministerien und öffentlichen Institutionen verschieden ausgelegt.

Die Elektromobilität hat seit 2014 eine massive Weiterentwicklung durchlebt. Auf diese neuen Bedürfnisse der Branche will die Europäische Kommission mit einer Novelle der AFI-Richtlinie reagieren. Verabschiedet werden soll diese im zweiten Halbjahr 2021. Laut Informationen der zuständigen KommissionsmitarbeiterInnen soll das Hauptaugenmerk auf den folgenden vier Bereichen liegen:

  1. Ausreichend Infrastruktur sicherstellen: Um sicherstellen zu können, dass ausreichend Ladeinfrastruktur auch in Zukunft zur Verfügung steht, denkt die Kommission über verpflichtende Fahrzeugziele nach. Zum einen soll ein verpflichtender Anteil von Elektroautos, in der Höhe von 20% vorgeschrieben werden. Darüber hinaus wird eine Quote für Ladestellen im Verhältnis zu Elektroautos angedacht.
  2. Interoperabilität sicherstellen: Neben den standardisierten Steckertypen sollen mit der neuen Richtlinie auch standardisierte Softwarelösungen vorgeschrieben werden. Diese sind nötig, um die Kommunikation zwischen Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur und Betreibern sicherzustellen. Mit einem EU-weiten Standard soll hier die Kompatibilität über verschiedene Fahrzeughersteller und E-Mobility-Anbieter hinweg gewährleistet werden.
  3. Kundenakzeptanz sicherstellen: Die wichtigste Voraussetzung für den Durchbruch der Elektromobilität ist die Akzeptanz bei den KundInnen. Mit der Novelle will die Europäische Kommission Preistransparenz und Bezahlmöglichkeiten neu regeln. Grundsätzlich soll jeder Kunde mit einer Bankomatkarte oder einer Kreditkarte an einer öffentlichen Ladesäule laden können – ohne zusätzliche Hilfsmittel. Derzeit wird überlegt, dies mittels RFID Lesegeräten an jeder Ladesäule sicherzustellen. Darüber hinaus soll das europäische Roaming wesentlich erleichtert werden. Ziel ist es, dass in ganz Europa mit einer einzigen Karte zum selben Preis geladen werden kann. Da die Elektromobilität allerdings nach wie vor eine recht junge Technologie ist, soll vorerst von zu starken Markteingriffen durch den Gesetzgeber abgesehen werden.
  4. Integration der Fahrzeuge sicherstellen: Zusätzlich sollen neue Regelungen geschaffen werden, welche die Integration der Fahrzeuge in das Gesamtsystem ermöglichen. Konkret geht es hierbei um die Einführung von Standards, die eine Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur erlauben. Dies ist notwendig für künftige Entwicklungen, wie Vehicle to Grid.

„Neben dem Laden am Wohn- und Arbeitsort ist die öffentliche Ladeinfrastruktur ein Schlüsselelement für den Hochlauf der E-Mobilität und insbesondere für die NutzerInnenakzeptanz. In Österreich ist sie bereits gut ausgebaut. Darüber hinaus sind transparente Preisgestaltungen, einheitliche Vorgaben für das grenzüberschreitende Laden, faire Roaming-Bedingungen, das Ausweisen der geladenen Energiemenge per kWh und ein schnelles Bezahlen per Bankomat- oder Kreditkarte essentiell für KundInnen. Kurz gesagt, das öffentliche Laden muss europaweit so unkompliziert werden wie Bargeld abzuheben.“

Thomas Eberhard, Leiter Dekarbonisierung & Fahrzeugtechnologien, AustriaTech

Unsere Forderungen

Für die KundInnen stellen undurchsichtige Verrechnungssysteme, komplexe Bezahlmethoden oder inkompatible Systeme nach wie vor ein großes Hemmnis für den Kauf eines Elektroautos dar. Mit der Novelle der AFI-Richtlinie können diese beseitigt und europaweit vereinheitlicht werden.

Neben den Standards bei der Hardware sind neue Softwarestandards unerlässlich. Nur wenn sichergestellt ist, dass europaweit einheitliche Kommunikationsprotokolle zur Anwendung kommen, kann die Elektromobilität im großen Markt bestehen. Gemeinsame Schnittstellen, die eine Kommunikation zwischen Fahrzeugen, Infrastruktur und Backend-Systemen ermöglichen, sind der nächste große Schritt hin zum Durchbruch der Elektroautos. Auch für künftige Entwicklungen wie Vehicle to Grid sind diese Standards unerlässlich. Wien Energie fordert daher, die NormISO 15118 europaweit verpflichtend vorzuschreiben.

Um eine möglichst attraktive und transparente Preisgestaltung sicherstellen zu können, sind einheitliche Regelungen wichtig. Besonders im Fokus sollte hierbei die verrechnete Einheit stehen. Aktuell gibt es starke Unterschiede, je nach Anbieter. Manche verrechnen nach Zeit, andere nach Leistung und wieder andere verrechnen Pauschalen. Um eine Vergleichbarkeit herstellen zu können, fordert Wien Energie auf eine Kombination von leistungs- und zeitbasierter Abrechnung zu setzen. Die leistungsbasierte Abrechnung ist besonders kundenfreundlich. Sie entspricht dem bereits gewohnten Tanken von Litern Benzin oder Diesel. Auch eine zeitbasierte Komponente ist notwendig. So kann sichergestellt werden, dass die Ladestellen nach dem Tankvorgang wieder für die nächsten KundInnen frei gemacht werden.

Mit einem kundenfreundlichen Bezahlsystem kann die Attraktivität der Elektromobilität erhöht werden. Künftig soll mit einer Tanke-Karte, also mit einem Vertrag bei einem einzigen Anbieter, in ganz Europa geladen werden können. Darüber hinaus muss auch die Möglichkeit geschaffen werden, dass über eine mobile App mit jeder beliebigen Bezahlmethode die Ladung bezahlt werden kann.

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Micha Gruber
Micha Gruber

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