Projekt Beschreibung

Klima-Milliarde für Wien: Investitionen als Weg aus der Krise

  • Die Wien Energie Geschäftsführer Michael Strebl und Karl Gruber blicken auf das Ausnahmejahr 2020 zurück.

  • Wien Energie erwirtschaftet trotz widrigster Umstände ein sehr gutes Ergebnis und investiert massiv in den Ausbau erneuerbarer Energien.

  • Der Energiedienstleister stärkt seine Position als Klimaschutzunternehmen.

14. April 2021

Wir blicken auf ein ungewöhnliches Jahr zurück. Die Corona-Krise hat unser Leben nach wie vor fest im Griff. Wie geht es Wien Energie in dieser Situation?

Michael Strebl: Die Energiebranche hat sich im vergangenen Jahr als sehr krisenfest bewiesen. Mit umfangreichen Maßnahmen haben wir sichergestellt, dass den Wienerinnen und Wienern die Energie auch in der Pandemie nicht ausgeht. Die Absicherung dieser elementaren Versorgung und die Gesundheit unserer KundInnen und MitarbeiterInnen stand und steht dabei immer im Fokus.

Gleichzeitig war uns sehr rasch klar, dass wir jetzt keinen Gang zurückschalten können. Für den Klimaschutz in der Stadt haben wir im Coronajahr ein ambitioniertes Investitionsprogramm von 160 Millionen Euro umgesetzt – die Investitionen in die erneuerbare Energieerzeugung haben wir im Vergleich zu 2019 sogar verdoppelt.

Karl Gruber: Wichtig ist, dass sich unsere KundInnen immer auf uns verlassen können. Wir sind sehr stolz darauf, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Ausnahmejahr geleistet haben. Ich glaube, dass wir als Unternehmen an dieser Krise gewachsen sind. Uns allen ist klar: So sehr uns Corona jetzt beschäftigt, die Klimakrise wird uns noch die nächsten Jahrzehnte beschäftigen. Sie ist die größte Herausforderung unserer Zeit und wir als Wien Energie werden Teil der Lösung sein!

Michael Strebl: Wir werden jetzt den Konjunkturmotor anstarten – dafür nehmen wir in den nächsten fünf Jahren mehr als eine Milliarde Euro in die Hand. Eine Klima-Milliarde für Wien! Die Basis für diese Rekord-Investition bildet unser gutes Ergebnis im letzten Jahr.

Wie sieht die Jahresbilanz 2020 im Detail aus?

Michael Strebl: In einem herausfordernen Umfeld konnte Wien Energie wieder ein sehr gutes Betriebsergebnis erzielen. Mit 385 Millionen Euro fällt es sogar noch besser aus als im Vorjahr. Das liegt vor allem an einer klugen Beschaffungsstrategie und Einmaleffekten. Auch den Umsatz konnten wir durch erhöhte Handelstätigkeit an den Energiebörsen, aber auch durch vermehrte Aktivitäten im Bereich der Dienstleistungen und Telekommunikation deutlich um 16% steigern.

Karl Gruber: In der Erzeugung haben wir ebenfalls sehr erfreuliche Entwicklungen: Die Solarstromproduktion konnte um ganze 77% gesteigert werden, die aus Wasserkraft um 6%. Lediglich beim Wind gab es aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen weniger Ertrag. Insgesamt haben wir 2020 die Leistung aus erneuerbaren Energiequellen um 53,4 Megawatt ausgebaut und mehr als 1.227 Gigawattstunden Ökostrom erzeugt. Damit sind wir in der Lage, heute bereits 490.000 Wiener Haushalte mit CO2-freiem Strom zu versorgen – das ist die halbe Stadt.

Und auch in der Wärme ist eine Trendwende absehbar Erstmals konnten wird mit innovativen Umwelttechnologien wie unserer Großwärmepumpe in Simmering mehr Fernwärme erzeugen, als wir gasbetriebene Spitzenkessel eingesetzen mussten.

Hatte denn Corona so gar keine Auswirkungen auf Wien Energie?

Michael Strebl: Im Gesamtergebnis ist tatsächlich kein Corona-Effekt sichtbar. Operativ haben wir es natürlich gespürt. Wir haben 2020 etwa mit sehr volatilen Energiepreisen an den Handelsbörsen arbeiten müssen und verzeichneten coronabedingt teilweise geringere Absatzmengen bei Strom und Gas. Die wirtschaftlichen Folgen von Corona werden sich wohl erst in zukünftigen Bilanzen niederschlagen. Das kommt stark darauf an, wie die Krise nun weiterverläuft.

Karl Gruber: Es gibt auch positive Effekte: Mit Oktober haben wir ein modernes, flexibles Arbeitsmodell eingeführt. Das Lockdown-Homeoffice war dabei so etwas wie ein flächendeckender Feldversuch. Wir wollen uns damit auch als attraktiver Arbeitgeber im Markt abheben. In den nächsten Jahren werden wir einen Generationenwechsel erleben und hunderte neue MitarbeiterInnen brauchen, um unseren Personalstand stabil zu halten.

Wir wollen etwa mehr Frauen für den technischen Bereich gewinnen. Bei den Lehrlingen sind wir da bereits auf einem sehr guten Weg: 2020 konnten wir im technischen wie kaufmännischen Bereich gleich viele junge Frauen wie Burschen aufnehmen.

Zurück zum Klimaschutz. Wie kann das für eine Millionenstadt wie Wien gelingen?

Michael Strebl: Natürlich ist die CO2-Neutralität 2040 extrem ambitioniert. Aber Wien Energie hat ein ganz klares Ziel und dafür drücken wir aufs Tempo: Wer, wenn nicht Wien Energie kann den Klimaschutz in der Stadt voranbringen? Konkret setzen wir mit unserer Klimaschutzoffensive schon heute jeden Tag entsprechende Projekte um: Von der größten Photovoltaik-Anlage Österreichs, über die neue Fernkältezentrale Stubenring bis zu 1.000 E-Ladestellen in der Stadt. Das alles zahlt unmittelbar in die Klimabilanz ein.

Karl Gruber: Was uns gelingen muss, ist ein intelligent vernetzes Gesamtsystem. Sektorkopplung – also die Verschränkung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr –  wird ganz entscheidend sein. Wien Energie errichtet 2021 in der Spittelau eine neue Power2Heat-Anlage und wir arbeiten intensiv an Zukunfts-Technologien wie Wasserstoff und grünem Treibstoff. Auch Großwärmepumpen und die Nutzbarmachung von Geothermie stehen ganz oben auf unserem Programm. Allein für die Weiterentwicklung der Fernwärme nehmen wir bis 2026 400 Millionen Euro in die Hand.

Unsere Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen werden in diesem System weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Wir brauchen sie insbesondere in der Übergangszeit zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit und als Teil der Netzreserve. Klar ist aber auch hier: Am grünen Kraftwerk führt kein Weg vorbei!

Michael Strebl: Noch liegen nicht alle Lösungen fertig am Tisch, deshalb setzen wir stark auf Innovation und Forschung. Mit Smartworks beteiligen wir uns an erfolgsversprechenden Start-ups, mit den erfolgreichen Innovation Challenges kommen frische Ideen ins Unternehmen und intern bauen wir Expertise zu Data Science, Blockchain und Robotics auf, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und das bestmögliche Service für unsere KundInnen zu bieten.

Und wie können die Wienerinnen und Wiener an diesen Entwicklungen teilhaben?

Michael Strebl: Wien Energie ermöglicht den Wienerinnen und Wienern seit vielen Jahren die Beteiligung an Klimaschutzprojekten: BürgerInnen-Kraftwerken, Pilotprojekte zu Energiegemeinschaften oder Photovoltaik für Mehrparteienhäuser. Im Frühsommer werden wir ein Beteiligungsmodell präsentieren, das eine noch aktivere Einbeziehung an der Ökostromproduktion in der Stadt ermöglicht – und auch in unserem Tarif-Angebot wird sich die Klimaschutzoffensive bald unübersehbar wiederfinden!

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