Projekt Beschreibung

Die erste Energiegemeinschaft Österreichs

Im Stadtentwicklungsgebiet VIERTEL ZWEI forscht und entwickelt Wien Energie gemeinsam mit 100 BewohnerInnen, was das urbane Leben in der smarten Zukunft ausmachen wird. Innovative Mobilitäts-, Energie- und Wohnkonzepte kommen dabei zum Einsatz. Die BewohnerInnen erzeugen unter anderem ihren Strom selbst mit einer PV-Anlage und handeln diesen mittels Blockchain untereinander. Im Rahmen dieses Innovationsprojekts entsteht im Viertel Zwei die erste Energiegemeinschaft Österreichs. Dafür investiert Wien Energie für eine Laufzeit von etwa fünf Jahren insgesamt mehr als zwei Mio. Euro.

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Projektdetails

Das Clean Energy Package der EU ermöglicht Privatpersonen im Rahmen von sogenannten „Energiegemeinschaften“ selbst aktiv am Energiemarkt teilzunehmen. Sie können sich zu Gemeinschaften zusammenzuschließen und gemeinsam Strom sowie Wärme erzeugen, verteilen, verbrauchen, speichern und handeln. Energiegemeinschaften werden künftig einen entscheidenden Anteil an der Energiewende leisten. Im VIERTEL ZWEI testet Wien Energie nun die erste Energiegemeinschaft Österreichs.

Das VIERTEL ZWEI ist ein Büro- und Wohnviertel in der Wiener Leopoldstadt. Im Rahmen des interaktiven Pilotprojekts „Urban Pioneers Community“ lud Wien Energie BewohnerInnen des VIERTEL ZWEI ein, gemeinsam neue Produkte und Services aus den Bereichen Energie, Mobilität und Smart Living zu entwickeln, die genau ihren Bedürfnissen entsprechen. Die Community konnte ihre Ideen somit selbst einbringen. Die daraus entstanden Lösungen sind ganz nah an den tatsächlichen Kundenbedürfnissen und werden Schritt für Schritt umgesetzt.
Die BewohnerInnen des VIERTEL ZWEI können den selbsterzeugten Sonnenstrom der PV-Anlage am Dach untereinander handeln. So wird der lokal erzeugte Strom je nach Bedarf aufgeteilt. Während ein Nachbar etwa drei Wochen auf Urlaub ist, kann er in dieser Zeit seinen Sonnenstrom-Anteil der Familie nebenan verkaufen. So verfällt der wertvolle Öko-Strom nicht, die Energie wird effizient und lokal genutzt. Außerdem können die NachbarInnen die nicht verbrauchten Kilowattstunden auch an der Strombörse verkaufen. Dafür kommt die Blockchain-Technologie zum Einsatz. In der Zukunft wird auch die Speicherung des Sonnenstroms in einem eigenen Quartierspeicher möglich sein.

Die Basis für die Transaktionen des Solarstromhandels bildet die Blockchain-Technologie. Gemeinsam mit dem Startup Riddle & Code wurde die Infrastruktur entwickelt, die derzeit im Viertel ausgerollt wird. PV-Anlage und Stromzähler, später in diesem Jahr auch E-Ladestellen und Speicher, werden mit einem speziellen Chip ausgestattet und damit in die Blockchain integriert. Erste simulierte Kundenabrechnungen an einer E-Ladestelle konnten im Labortest bereits erfolgreich durchgeführt werden. Für den Austausch in Energiegemeinschaften weist die Blockchain-Technologie dabei entscheidende Vorteile auf, wie eine sichere, transparente Abrechnung sowie eine lückenlose Rückverfolgung und Identifikation. Die Transparenz macht Energie und damit Energieeffizienz greifbar.

Wien Energie bietet den BewohnerInnen unterschiedliche Tarif-Typen, die an ihre individuellen Verbrauchsmuster und Vorlieben angepasst sind. Über eine Online-Plattform können die BewohnerInnen jederzeit ihren Energieverbrauch und ihre Kosten einsehen und Tarifwechsel durchführen.

  • Für Marktorientierte: Der Tarif wird nach Marktpreis abgerechnet, die Bewohner können selbst jederzeit nachsehen, wie die Preise sind und ihren Energieverbrauch entsprechend anpassen.
  • Für Bequeme: Ein Flat-Tarif, also mit Fixpreis ohne verbrauchsabhängigen Nachzahlungen.
  • Für Planende: Ein Time-of-Use-Tarif, bei dem günstiger Strom außerhalb der Hauptverbrauchszeiten genutzt und dadurch individuell Einsparungen durch optimierten Energieeinsatz erreicht werden können.

Als zusätzlichen Bestandteil für die Energiegemeinschaft wurde im Dezember 2019 ein Stromspeicher mit einer Kapazität von rund 70 kWh errichtet. Das entspricht dem Tagesverbrauch von mehr als zehn Haushalten im VIERTEL ZWEI. Der Quartierspeicher sorgt für höhere Effizienz, denn dieser ermöglicht die Nutzung des lokal erzeugten Sonnenstroms auch in den Abend- und Nachtstunden beziehungsweise zu sonnenärmeren Zeitpunkten und vergrößert so den Eigenverbrauch.

Für das Netz stellt der Speicher eine Entlastung dar, da die Verbrauchskurve geglättet wird. Der Akku ermöglicht das so genannte „peak shaving“: Anstatt Strom aus dem Netz zu beziehen, kann während des Spitzenverbrauchs der gespeicherte Strom aus der Batterie entnommen werden, wodurch Spitzenlasten „abrasiert“ werden können.

Künftig könnte der Speicher auch als aktiver Teilnehmer am Energiemarkt eingesetzt werden, um überschüssigen Strom als Regelenergie zur Netzstabilisierung zu verkaufen.

In weiterer Folge wird eine innovative Wärme- und Kälteversorgung mit unterschiedlichen Komponenten wie Solarthermie, Wärmepumpen, lokalem Fernwärmenetz und Kältezentrale in die Energiegemeinschaft integriert.

Michael Strebl

„Was mit dem Ökostromgesetz im Mehrfamilienhaus rechtlich möglich geworden ist, soll mit dem Clean Energy Package der EU noch ausgedehnt werden. Hier sehe ich für Energieanbieter wie uns eine große Chance. Wir können lokale Kommunen und Stadtviertel mit unserer Expertise unterstützen, wenn sie sich bei der Energieproduktion und der Weiterverwertung zusammentun wollen.“

Michael Strebl, Geschäftsführer Wien Energie

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