Projekt Beschreibung

Studie ermittelt volkswirtschaftliche Effekte von Grünem Gas

  • Grünes Gas ist ein zentraler Baustein am Weg zur österreichischen Klimaneutralität. Eine aktuelle Studie untersucht dahingehend, welches Marktmodell das geeignetste für die Etablierung des erneuerbaren Energieträgers sei.

  • Die Förderung von Grünem Gas über ein smartes Marktprämienmodell brächte niedrige CO2– Vermeidungskosten bei gleichzeitig hohen Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekten.

  • Ein Marktprämienmodell würde hingegen viermal so viele Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfungseffekte wie das Quotenmodell erzielen.

7. Mai 2020

Studie untersucht Marktmodelle für Grünes Gas

Um die ambitionierten österreichischen Klimaziele zu erreichen, braucht es den Einsatz erfolgsversprechender Energieträger der Zukunft. Erneuerbares Gas ist ein solcher, egal ob in Form von Biomethan, synthetischem Gas oder Wasserstoff. Bei der Erarbeitung des notwendigen rechtlichen Rahmens für Grünes Gas stellt die Frage des geeigneten Marktmodells eine besondere Herausforderung dar. Aus diesem Grund hat die WU Wien in Kooperation mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut Economica eine Metastudie zu diesem Thema verfasst. Dort werden ein Quoten- und Marktprämienmodell anhand ökologischer und volkswirtschaftlicher Gesichtspunkte miteinander verglichen und entsprechende Empfehlungen für politische EntscheidungsträgerInnen abgeleitet.

Grünes Gas als zentraler Bestandteil des erneuerbaren Energiesystems

Gas wird bei industriellen Prozessen, der Fernwärmeversorgung, in der Mobilität sowie zur Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser verwendet. Besonders in den industriellen Hochtemperaturbereichen ist Gas die einzige Möglichkeit, da die benötigten Temperaturen nur bei der Verbrennung von Gas erreicht werden können.

Um diese Prozesse in Zukunft nachhaltig durchführen zu können, muss fossiles Gas durch Grünes Gas ersetzt werden. Die zentralen Vorteile von Grünem Gas sind, dass es rund um die Uhr, unabhängig von den Wetterverhältnissen, zur Verfügung steht. Daher ist es ein erneuerbarer Energieträger der sehr flexibel eingesetzt werden und zudem jahrzehntelang gespeichert werden kann.

Quoten- vs. Marktprämienmodell

Grundsätzlich werden – wie auch in der Studie – derzeit zwei verschiedene Marktmodelle für die Etablierung von Grünem Gas diskutiert. Das Quotenmodell sieht eine stufenweise jährliche Erhöhung des Anteils von Grünem Gas im Gasnetz vor, wobei der Preis für das Einspeisen von Grünem Gas administrativ festgelegt wird. Im Gegensatz dazu wird beim Marktprämienmodell der Preis über einen Wettbewerbsprozess ermittelt. Statt eines starren Einspeisetarifs sollen die BetreiberInnen von Biogasanlagen Tarife erhalten, die mittels Billigstbieterprinzip im Rahmen von Auktionen bestimmt werden. Auf diesem Weg entsteht ein Anreiz zur Optimierung von Biogasanlagen und einer Senkung der CO2-Vermeidungskosten. Die Finanzierung dieses Modells könnte aus Sicht der StudienautorInnen mittels einer Pauschale auf die Netzkosten oder aus den Einnahmen der bestehenden Erdgasabgabe erfolgen.

Bis zu 20.000 neue Arbeitsplätze in Österreich

Nach dem aktuellen Stand der Technik und unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit, empfiehlt die Studie in einem ersten Schritt die Hebung der Biomethanpotentiale auf Reststoffbasis. Die Ausschöpfung dieses Hebels würde zu positiven Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekten führen, sowohl in der Bau- als auch in der Betriebsphase von Biogasanlagen. Hinsichtlich beider Phasen kommt die Studie zu dem Schluss: Mit jedem Arbeitsplatz in einer Biogasanlage werden bis zu zwei weitere Arbeitsplätze in Österreich abgesichert.

Weiters, kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass mit der Einführung eines Marktprämienmodells etwa 20.000 Arbeitsplätze in Österreich geschaffen werden könnten. Beim Quotenmodell würden die Beschäftigungseffekte mit ungefähr 4.700 Vollzeitäquivalenten wesentlich geringer ausfallen. Im Marktprämienmodell liege der totale Wertschöpfungseffekt, welcher aus den Investitionen in Biogasanlagen resultiert, bei rund 1,4 Milliarden Euro. Beim Quotenmodell beliefe sich dieser Wert mit rund 336 Millionen Euro auf lediglich ein Viertel.

Marktprämienmodell zu bevorzugen

Die Studie empfiehlt ganz klar die Einführung eines Marktprämienmodells zur Förderung von Grünem Gas. Die Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte zeigt eindeutig, weshalb dieses Modell gegenüber dem Quotenmodell zu bevorzugen ist. Weiters raten die StudienautorInnen von einem parallelen Einsatz des Quoten- und Marktprämienmodells im Gas- bzw. Stromsektor ab. Diese Vorgehensweise würde wirtschaftliche Effizienzkriterien verletzen und zu einer fehlenden Balance zwischen der Produktion von Ökostrom und Grünem Gas führen.

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