Projekt Beschreibung

Was Gebäude smart macht

  • Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie sieht einen neuen Indikator vor, der zeigen soll, inwieweit ein Gebäude für ein weitgehend dekarbonisiertes, erneuerbares Energiesystem vorbereitet ist.

  • Bewertet wird das Potenzial eines Gebäudes, den Energiebezug an die momentane Verfügbarkeit (volatiler) erneuerbarer Energie durch Lastverschiebung und Speicherung anzupassen.

  • Der Smart Readiness Indicator (SRI) soll als neuer Kennwert vorzugsweise im Energieausweis integriert werden.

28. Jänner 2020

EU-Kommission erarbeitete Vorschlag zur Bewertung von Gebäuden

Die EU-Kommission möchte basierend auf dem „Clean Energy for All Europeans“ Maßnahmenpakets von 2016 Gebäude energieeffizienter machen und mit intelligenten, erneuerbaren Technologien ausstatten. Dafür möchte sie in einem ersten Schritt bewerten, ob ein Gebäude fit für die zukünftigen Anforderungen in erneuerbaren Energienetzen ist. Dahingehend wurde mit einer Änderung der Gebäuderichtlinie im Juni 2018 der sog. „Smart Readiness Indicator“ (SRI) eingeführt. Damit sollen bestimmte Ausstattungen und Eigenschaften eines Gebäudes bewertet werden, die für den intelligenten Betrieb in einem nachhaltigen Energiesystem vorteilhaft sind. Sowohl Anforderungen der BewohnerInnen als auch der Energienetze (smart grids) sollen dabei Berücksichtigung finden. Derzeit steht ein Vorschlag zur Berechnungsmethodik des Flemish Institute for Technological Research NV (“VITO”) im Auftrag der EU-Kommission zur Diskussion. Die Einführung des SRI ist für die Mitgliedsstaaten vorerst optional.

Gebäude steuern Energie

Gebäude spielen beim Umbau unseres Energiesystems und der Erreichung von Klimazielen eine zentrale Rolle. In erster Linie müssen fossile Energien verdrängt  und der Energieverbrauch von Gebäuden reduziert werden. Für die vermehrte Nutzung von Umweltwärme (ggf. auch Abwärme) werden Wärmepumpen eingesetzt, wodurch der Strombedarf des Gebäudesektors jedoch deutlich ansteigen wird. Künftig wird der Anteil von erneuerbarem Strom aus Windkraft und Photovoltaik um ein Vielfaches höher sein und die Stromproduktion dadurch witterungsabhängig und volatil. Gefragt sind daher in Zukunft flexible Abnehmer. Dies wird ermöglicht, wenn vor allem die Speicherwirkung von Gebäuden aktiv genutzt wird und damit die Lasten um einige Stunden verschoben werden können. Insgesamt stellen Gebäude ein riesiges Potenzial für diese Art der Bewirtschaftung (dem sog. Demand Side Management) und die Speicherung von Energie in Form von Wärme dar.

Umsetzung des SRI in Österreich

Jeder Mitgliedsstaat ist dazu eingeladen, den SRI auf nationaler Ebene weiterzuentwickeln, bis ein endgültiger, gemeinsamer Vorschlag auf EU-Ebene vorgelegt wird. Der EU-Entwurf wurde für die österreichische Weiterentwicklung auf folgende drei Säulen reduziert:

  • Flexibilität und Lastverschiebung
  • Energieeffizienter Betrieb inklusive erneuerbarer Energien
  • Bedarf der NutzerInnen.

Die Umsetzung des SRI in Österreich fokussiert stark auf die Netzdienlichkeit und die optimale Nutzung erneuerbarer Energie im Kontext der NutzerInnen. Da der SRI vorzugsweise im Energieausweis aufscheinen soll, wird vorgeschlagen, Eigenschaften und Ausrüstungen mit Bestand – die also nicht leicht und jederzeit nachgerüstet, entfernt oder verändert werden können – vorrangig zu bewerten. Darunter fallen beispielsweise ein Niedertemperatur-Heizsystem, eine Bauteilaktivierung, E-Ladestationen oder in Verbindung mit Pufferspeichern flexibel eingesetzte Heizlasten in bestehenden Gebäuden. Zusätzlich sollen auch quantitative Angaben zu Leistungen und den Lastverschiebungspotenzialen der Gebäude im SRI beinhaltet sein.

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