Projekt Beschreibung

Sonnenstromproduktion am Acker

  • Das Landschaftsbild wird sich in den nächsten Jahren ändern und die Sichtbarkeit erneuerbarer Energietechnologien zunehmen. Auch in der Landwirtschaft kann die Photovoltaik künftig verstärkt zum Einsatz kommen.

  • Die Doppelnutzung von Flächen zur Lebensmittel- und Energieproduktion wirkt nicht nur der Flächenknappheit entgegen, sondern bietet auch zahlreiche wirtschaftliche und ökologische Vorteile.

  • Um die PV-Potentiale im Agrarsektor bestmöglich auszuschöpfen, braucht es nun die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen sowie die Etablierung eines Förderrahmens.

9. Juni 2020

Umfassender Ausbau der Photovoltaik notwendig

Für das österreichische Klimaziel, bis 2030 ausschließlich erneuerbaren Strom zu verbrauchen, ist ein umfassender Ausbau der Photovoltaik notwendig. Aktuell ist in Österreich eine Photovoltaik-Leistung von etwas mehr als 1,6 Gigawattpeak (GWp) installiert, womit 3% des gesamten Stromaufkommens abgedeckt werden. 2030 soll die installierte Photovoltaik-Gesamtleistung bei 13 GWp liegen.

Um die benötigten PV-Kapazitäten zu realisieren, ist das Gebäudepotential bei weitem nicht ausreichend. Es muss daher auch eine geeignete Umsetzung auf qualifizierten Freiflächen erfolgen. Klar ist, dass sich das Landschaftsbild in den nächsten Jahren ändern und die Sichtbarkeit erneuerbarer Energietechnologien zunehmen wird. Dass die Photovoltaik künftig auch in der Landwirtschaft verstärkt zum Einsatz kommen kann, zeigt eine neue Broschüre des Bundesverband Photovoltaic Austria auf. Die steigende Elektrifizierung im Agrarsektor erfordert eine vermehrte Produktion von Strom – am besten vor Ort. Mit der Agrophotovoltaik können LandwirtInnen so in Zukunft auch zu „EnergiewirtInnen“ werden.

„Die Sonnenstromproduktion bietet durch ihre vielfältigen Anwendungsbereiche große Potenziale für eine naturverträgliche Energiewende für alle Generationen. Die Landwirtschaft ist dabei ein wichtiger Partner: Photovoltaik in der Landwirtschaft bietet die Möglichkeit, dass unsere LandwirtInnen auch zu EnergiewirtInnen werden,“ so Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie.

Vielfältiger Einsatz in der Landwirtschaft

Derzeit ist der Großteil der Photovoltaikanlagen im landwirtschaftlichen Bereich auf Gebäuden angebracht, da die Dachflächen meist sehr groß sind und der produzierte Strom zur Versorgung vieler Maschinen optimal genutzt werden kann. Großes Potential bietet auch die Integration von Photovoltaik in Glashausdächer. Neben Dachflächen sind auch andere landwirtschaftliche Flächen, wie ehemals belastete Böden oder ertragsschwache Standorte für einen PV-Einsatz geeignet. Besonders innovativ ist die vertikale Photovoltaik-Nutzung, wie zum Beispiel über räumliche Gestaltungselemente wie Zäune. Kommen dabei bifaziale PV-Module am Acker zum Einsatz, kann Sonnenstrom sowohl auf ihren Vorder- als auch Rückseiten produziert werden, während die Grundfläche durch die Anordnung in Bahnen weiterhin bewirtschaftet werden kann, zeigt die von Wien Energie realisierte erste Agrar-PV-Anlage Österreichs.

Agrophotovoltaik als wirtschaftlicher Gewinn

Der Einsatz von Photovoltaik auf Agrarflächen birgt vielfältige Vorteile und Synergieeffekte. Durch die Doppelnutzung wird die Flächenkonkurrenz von Lebensmittel- und Stromproduktion vermieden. So kann dem Druck auf die zunehmende Flächenknappheit- und -versiegelung entgegengewirkt werden. Neue Geschäftsmodelle, wie Einspeisungen von Stromlieferungen in das Stromnetz, Energiegemeinschaften oder die Verpachtung von landwirtschaftlichen Flächen für die Stromproduktion, schaffen für Landwirte zudem neue Einkommensquellen.

Positive Effekte für Flora und Fauna

Auch für Flora und Fauna bieten Photovoltaikanlagen auf Freiflächen positive Effekte und können so einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Vor allem die Fläche direkt unter bzw. um die Photovoltaikanlage erhält einen zusätzlichen Mehrwert, da diese einen Biotopcharakter entwickeln und so Nützlinge fördern kann. Bei extensiv genutzten Flächen kann die Reduktion der Düngung und des Pflanzenschutzmitteleinsatzes eine positive Wirkung auf wichtige Insektenarten haben. Die Photovoltaikmodule dienen zudem als Windschutzgürtel, Hagelschutz sowie Beschattungselement und bieten den Standorten somit eine höhere Widerstandsfähigkeit. Außerdem führt die Agrophotovoltaik zu einer Reduktion der Verdunstung, was wiederum zu einer Reduzierung des Wasserverbrauchs führt. Durch die Abschattung der PV-Module können viele Kulturen gut bzw. sogar besser gedeihen und somit der Ertrag gesteigert werden. Erste Forschungsergebnisse zeigen, dass sich Erdäpfel, Hopfen, Spinat, Salat, Ackerbohnen und Leguminosen für die Agrophotovoltaik besonders eignen.

Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen

Um die Entwicklung von Agrophotovoltaik weiter voranzutreiben und das volle Potential nutzen zu können, bedarf es entsprechender Förderinstrumente. Insbesondere die Etablierung eines Förderrahmens für innovative Anlagen würde Anreize für eine Photovoltaiknutzung im Agrarsektor schaffen. Zudem müssten rechtliche und administrative Rahmenbedingungen dahingehend angepasst werden, dass sie Erleichterungen bei Umwidmungen für Photovoltaik-Flächen oder einen erleichterten Netzanschluss mit sich bringen.

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