Projekt Beschreibung

Photovoltaikanlagen in der Freifläche steigern die biologische Vielfalt

  • Die österreichische Energiewende verlangt nach einem ambitionierten Photovoltaik-Ausbau.

  • Um das nationale Solarpotential auszuschöpfen, müssen PV-Anlagen auch in der Freifläche errichtet werden.

  • Eine Studie zeigt nun auf, dass die Errichtung von PV-Freiflächenanlagen sogar mit positiven Nebeneffekten für Umwelt und Natur einhergeht.

4. August 2020

Biodiversitäts- und Klimakrise gemeinsam lösen

In Österreich sind 98% des Photovoltaik-Potenzials noch nicht ausgeschöpft. Um eine Solarwende einzuläuten und die ambitionierten Photovoltaik-Ausbauziele zu erreichen, braucht es daher einen raschen Photovoltaik-Ausbau auf Gebäuden – und in der Freifläche. Dies soll jedoch nicht auf Kosten von Flora und Fauna geschehen. Im Gegenteil: Eine aktuelle Studie des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) zeigt auf, dass die Errichtung von PV-Anlagen sogar mit positiven Nebeneffekten für Umwelt und Natur einhergeht.

Die besagte Studie hat den Einfluss von 75 deutschen Solarparks auf die beanspruchten Flächen und die Biodiversität analysiert. Dabei zeigte sich, dass durch die Sonnenstromproduktion Flächen nicht nur wirtschaftlich aufgewertet werden, sondern auch die biologische Vielfalt gefördert wird. Die nachgewiesenen arten- und individuenreichen Besiedelungen von PV-Freiflächenanlagen lassen sich in erster Linie auf die extensive Nutzung des Grünlandes zwischen und unterhalb der Modulreihen zurückführen. Je größer die naturverträglichen Photovoltaik-Anlagen ausgestaltet werden, desto größere Habitate können sich bilden, die den Erhalt und den Aufbau von Arten ermöglichen.

Das große Krabbeln in den Solarparks

Besonders aufschlussreich sind die Erkenntnisse hinsichtlich der optimalen Anlagengestaltung. Es gilt: Umso breiter und besonnter die Flächen zwischen den Modulreihen sind, umso mehr werden sie von Pflanzenarten und Tiergruppen besiedelt. Im Rahmen der Studie wurden die Besiedlungen von 35 Heuschreckenarten und 44 Tagfalterarten nachgewiesen. Auffällig ist, dass dabei auch seltene und spezialisierte Arten vorkamen. Auch die Hummelpopulationen wurden durch die Errichtung der PV-Anlagen deutlich erhöht. PV-Freiflächenanlagen erwiesen sich auch als geeigneter Landlebensraum bzw. gefragte Wanderroute für Amphibien, da sich diese primär im Schatten aufhalten.

„In der Regel weisen die Flächen bei Solarparks höhere Diversität auf, Habitatstrukturen bleiben dauerhaft erhalten und sie bieten Rückzugsräume für verschiedene Arten“, so Studienautor Rolf Peschel.

Die Studie untersuchte auch die unterschiedlichen Auswirkungen kleinerer und größerer PV-Anlagen auf die Biodiversität. Den Auswertungen zufolge wirken kleine Solaranlagen wie Trittsteinbiotope, die Rück- und Neubesiedelungen ermöglichen. Große Anlagen hingegen bieten bei entsprechender Instandhaltung ausreichend Platz um Habitate aufzubauen. Die Studie zeigte, dass dies besonders Zauneidechsen und Brutvögeln zu Gute kommt.

Standortwahl und Flächenmanagement entscheidend

Das effektive Management ist laut Studie der Schlüssel, um jedem Solarkraftwerk das passende Biodiversitäts-Konzept zu schneidern. Da sich Bodenart und Sonneneinstrahlung jeweils unterscheiden, braucht es unterschiedliche Konzepte für die Erhaltung der Fläche. In vielen Fällen müssen Solarbetriebe ohnehin Maßnahmen, wie das Pflanzen von Wiesen und Bäumen, setzen. Dabei auf Diversitätskriterien zu achten, würde finanziell keinen großen Mehraufwand bedeuten. Eignen würde sich beispielsweise das Aufstellen von Bienenstöcken und Vogel-Nistkästen oder das Pflanzen von Wildblumen.

Bei der Errichtung von Photovoltaik-Anlagen unter strengen Nachhaltigkeitskriterien scheint die Rechnung also gleich mehrfach aufzugehen. Während ein Beitrag zur Energiewende geleistet wird, wird Bodenerosion umgekehrt, die Landschaft wieder aufgewertet, dem Insektensterben entgegengewirkt und Pflanzen- und Tierwelt können sich ein Stück Land zurückerobern. Zusätzliche Gelder braucht es dafür quasi keine.

Wien zeigt was möglich ist

Auch in Wien haben sich bereits erste Erkenntnisse hinsichtlich der Biodiversitätsförderung von PV-Anlagen erzielen lassen. Unser BürgerInnen-Solarkraftwerk in der Wiener Rosiwalgasse im Bezirk Liesing versorgt nicht nur 400 Haushalte mit Ökostrom, sondern stellt auch einen natürlichen Lebensraum für schützenswerte Tierarten dar. Während der Anlagenerrichtung wurden ideale Lebensbedingungen für die örtliche Fauna geschaffen, indem Vegetationsschichten aufgelockert wurden. Seit der Errichtung im Jahr 2013 haben dort 13 teils geschützte Heuschreckenarten, Gottesanbeterinnen und Fangschrecken ein Zuhause gefunden. Ebenfalls nachgewiesen wurden vier Hamsterbaue, diverse Käfer, Krabbenspinnen, Schnirkelschnecken und sogar die seltene Zauneidechse. Auch örtliche Imker machen sich die PV-Anlage zu Nutze. In Kooperation mit dem Verein Stadtimker konnte so ein Lebensraum für über eine Million Bienen geschaffen werden.

EU-Bekenntnis für naturverträgliche Photovoltaik

Das Naturschutzpotential der Photovoltaik hat auch die EU-Kommission bereits entdeckt und in ihrer im Mai 2020 veröffentlichten Biodiversitätsstrategie den Nutzen von Solaranlagen betont. Da der European Green Deal auf die nachhaltige Bewirtschaftung von Flächen und die Dekarbonisierung des Energiesystems abzielt, soll der Errichtung von Solarparks mit biodiversitätsfreundlicher Bodenbedeckung zukünftig der Vorrang eingeräumt werden.

Weiterführende Beiträge

Das könnte Sie auch noch interessieren!

2020-08-07T13:49:00+02:00

Integrierte Photovoltaik

Für die österreichische Energiewende braucht es einen umfassenden Photovoltaik-Ausbau. Dieser soll zukünftig innovativer und diverser aussehen. Denn integrierte Photovoltaik-Lösungen ermöglichen neue Flächen intelligent und effizient für die Sonnenstromproduktion zu nutzen.