Projekt Beschreibung

Studie ermittelt PV-Flächenpotential

  • Um die nationalen Klima- und Energieziele zu erreichen, müssen bis 2030 rund 11 TWh Photovoltaik zugebaut werden.  

  • Laut einer neuen Studie von Oesterreichs Energie ist das Solarpotential auf Gebäuden dafür bei weitem nicht ausreichend. Der Großteil der PV-Kapazitäten muss daher auf der Freifläche errichtet werden. 

  • Um die PV-Potentiale nun realisieren zu können, braucht es die Anpassung bestehender Rahmenbedingungen sowie einen gesteuerten Ausbau.

28. April 2020

Flächenbedarf für 11 TWh Photovoltaik

Photovoltaik wird eine zentrale Rolle bei der Erreichung der nationalen Klima- und Energieziele im Strombereich einnehmen. Zielsetzung im Regierungsprogramm ist es, bis 2030 eine Photovoltaik-Erzeugungskapazität von etwa 11 TWh zuzubauen. Um eine Daten- und Diskussionsbasis für das österreichische PV-Potential zu schaffen, hat Oesterreichs Energie nun eine umfangreiche Studie beauftragt. Diese zielt darauf ab, Flächen zu ermitteln, die sich für die Solarstromproduktion eignen und sich unter aktuellen Rahmenbedingungen bis 2030 realistisch umsetzen lassen.

Gebäudepotential nicht ausreichend

Die Studie zeigt auf, dass die Potentiale von Gebäude-Photovoltaik unter den derzeitigen Rahmenbedingungen bei weitem nicht ausreichen, um bis 2030 die mittelfristigen Ausbauziele zu erreichen. Für das Ausbauziel von 11 TWh müssten über 80-90% des technischen Potentials an Gebäuden (13,4 TWh) bis 2030 realisiert werden, was alleine aufgrund des relativ engen Zeitfensters von nur 10 Jahren als unmöglich erscheint. Realistisch ist, dass sich lediglich 4 TWh an Gebäuden (Dächer und Fassaden) errichten lassen. Alleine dafür müsste der aktuell erwartete Ausbau von etwa 250-350 MWp pro Jahr über die kommenden zehn Jahre auf etwa 400 MWp jährlich (entspricht ca. 0,4 TWh) deutlich gesteigert werden.

Erschließung von Freiflächen notwendig

Auch die Solarpotentiale auf Deponie- und Verkehrsflächen sind mit 0,3 TWh bzw. 1 TWh ebenfalls eher gering. Der Großteil des Zubaus (5,7 TWh) muss daher auf Freiflächen realisiert werden. Nimmt man einen Flächenverbrauch von 1,6 ha pro MW an, würde dies einer Fläche von etwa 91 km² entsprechen, die in den kommenden zehn Jahren zur Verfügung zu stellen ist. Aufgrund neuester Entwicklungen kann aber davon ausgegangen werden, dass sich die Flächeninanspruchnahme auf 1 ha pro MW verringern könnte, was die notwendige Fläche für photovoltaische Nutzung auf 57 km² reduzieren würde.

Im Vergleich dazu liegt die jährliche Versiegelung Österreichs bei etwa 43 km² pro Jahr. Freiflächen-PV kann jedoch mit einer Versiegelung von Flächen keinesfalls gleichgesetzt werden, denn hierbei kommt es zu keiner Bodenversiegelung mit Beton oder Asphalt und die Befestigungskonstruktionen können rückstandsfrei entfernt werden.

Nationaler Photovoltaik Masterplan gefordert

Um die für die Zielerreichung benötigten rund 6 TWh an Flächen-PV zu realisieren, fordert die E-Wirtschaft einen gesteuerten Ausbau mit Kontingenten für die verschiedenen Flächenkategorien sowie eine entsprechende Umsetzungsstrategie. Welche Art von Freiflächen dabei verstärkt genutzt werden, hängt vom politischen Willen und den Förderbedingungen ab, die die Zielerreichung maßgeblich beeinflussen. Grundsätzlich sollen Flächen mit Vorbelastung (z.B. versiegelte Flächen), Flächen mit geringer ökologischer Bedeutung, Flächen in der Nähe von vorhandenen Netzanschlusspunkten und Flächen mit Doppelnutzung bei der Ausweisung für PV bevorzugt werden.

PV-Ausbau braucht Anpassung der Rahmenbedingungen

Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen stehen dem angestrebten PV-Ausbau von 11 TWh jedoch im Wege. Die im Regierungsprogramm skizzierten Anpassungen zum Abbau bürokratischer Hürden und der rechtlichen Rahmenbedingungen sind grundsätzlich zu begrüßen, müssen jedoch noch konkretisiert werden. Denn die gesetzlichen Rahmenbedingungen mit neun unterschiedlichen Landesgesetzen betreffend Bauordnung, Raumplanung, Naturschutz, Elektrizitätsgesetze sowie der Gewerbeordnung haben inzwischen eine für Investierende und das planende und installierende Gewerbe unübersichtliche Form angenommen.

Kontraproduktiv für die möglichst optimierte Ausnutzung ist überdies der verstärkt forcierte Eigenverbrauchsvorrang, der im neuen Förderregime des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) geplant ist. Dieser bewirkt eine klare Tendenz, kleinere Anlagen zu bauen und würde den PV-Ausbau einschränken, da grundsätzlich vorhandene und geeignete größere Gebäude- und Freiflächen nicht umfassend genutzt werden und Potentiale verloren gehen.

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