Projekt Beschreibung

… der OIB-Richtlinie und der Wiener Bauordnung?

Wie dürfen ÖsterreicherInnen in Zukunft bauen? In Österreich verursacht der Gebäudesektor rund 16% der Treibhausgasemissionen. Nachhaltig sanierte Gebäude und klimafitte Neubauten sind auf Österreichs Weg zur Klimaneutralität 2040 ein zentraler Baustein. Wie die Gebäude aussehen sollen, in denen wir leben werden, regeln die OIB-Richtlinie und die Bauordnungen der Länder. Demnach soll der Energiebedarf der Gebäude bei nahezu null liegen und möglichst aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden.

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Einfach erklärt

Im Gebäudesektor besteht ein enormes Potential zur Energieeinsparung und Energieerzeugung. Dieses muss genutzt werden, um eine CO2-freie Zukunft zu ermöglichen. Den rechtlichen Rahmen dafür bilden die Richtlinie des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB-RL) und die Bauordnungen der Länder, die 2019 überarbeitet wurden. Darin werden die technischen Mindestanforderungen an die Energietechnik und Heizsysteme geregelt.

Die EU-Gebäuderichtlinie wurde 2018 novelliert. Sie enthält unter anderem Regelungen zu den erlaubten Heizsystemen, Grenzwerte zur Energieeffizienz von Gebäuden und Anforderungen an E-Mobilität in Garagen. Die Mitgliedsstaaten mussten die Richtlinie bis 2020 in nationales Recht umsetzen.

Die Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie erfolgt in Österreich mit der OIB-Richtlinie. Diese wird vom Österreichischen Institut für Bautechnik herausgegeben. Die Richtlinie umfasst bundesweite technische Leitlinien zur Energieeffizienz und zum Einsatz erneuerbarer Energieträger in Gebäuden. Sie dient der Harmonisierung der bautechnischen Vorschriften, weist jedoch keinen Gesetzescharakter auf. Die Bundesländer verpflichten sich aber großteils zur Umsetzung der Richtlinie in ihren jeweiligen Bauordnungen.

Zielsetzung der OIB-Richtlinie 6 ist es, den Nachweis der Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes zu ermöglichen. Für den Neubau und größere Renovierungen werden ab dem Jahr 2021 Anforderungen festgelegt, die dem Niedrigstenergiegebäude – also einem Gebäude mit einem Energiebedarf nahe null – entsprechen. Sofern es technisch, wirtschaftlich und ökologisch möglich ist, sollen hocheffiziente alternative Systeme angewendet werden. Neben dezentralen Energiesystemen auf Basis erneuerbarer Quellen und Fernwärme zählen auch Wärmepumpen und Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungen zu diesen Systemen.

Die OIB-Richtlinie definiert folgende Anforderungen an die thermisch-energetische Qualität von Gebäuden:

  • Anforderungen an die thermische Qualität von Bauteilen, wie an die maximalen U-Werte (Maß für einen Wärmedurchgang) für einzelne Bauteile.
  • Anforderungen an den Nutzenergiebedarf bzw. Anteile davon an Heizwärmebedarf (HWB) oder an den Kühlbedarf (KB).
  • Anforderungen an den Endenergiebedarf bzw. Anteile davon an den Heizenergiebedarf (HEB) oder an den Kühlenergiebedarf (KEB).
  • Anforderungen an den Primärenergiebedarf, der sich aus dem Endenergiebedarf je Energieträger und dem jeweiligen Konversionsfaktor für die Primärenergie errechnet. Konversionsfaktoren sind Kennzahlen für alle Heizsysteme. Sie geben Auskunft über Primärenergiebedarf, Erneuerbaren Anteil und CO2-Ausstoß pro geheizter Energiemenge.
  • Anforderungen an die CO2-Emissionen, die sich aus dem Endenergiebedarf je Energieträger und dem jeweiligen Konversionsfaktor für die CO2-Emissionen errechnet. Die CO2-Emissionen liegen beispielsweise bei der Fernwärme bei 28 Gramm pro kWh. Eine Erdgasheizung verursacht im Gegensatz dazu 236 Gramm CO2 pro kWh.

Mit der Novelle der Wiener Bauordnung 2019 gingen einige weitreichende Änderungen für den Gebäudesektor einher. Am relevantesten sind das dezentrale Gasverbot (Gasetagenheizungen) im Neubau und bei Sanierungen sowie die neuen Regelungen zu den Energieraumplänen (bzw. Klimaschutzzonen).

  • Das Verbot von Gasetagenheizungen im Neubau und bei Sanierungen stellt die weitreichendste Änderung dar. Sollte aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen jedoch nur eine Gasheizung möglich sein, müssen Ausgleichsmaßnahmen ergriffen werden. Dies kann die Installation von PV-Anlagen oder einer Wärmepumpe sein bzw. das Setzen von Energieeffizienzmaßnahmen.
  • Die neue Regelung zu den Energieraumplänen besagt, dass für bestimmte Gebiete in Wien Energiekonzepte vom Gemeinderat verabschiedet werden können. In diesen Gebieten dürfen ausschließlich hocheffiziente alternative Heizsysteme eingesetzt werden. Die Erstellung von Energieraumplänen soll nach und nach auf ganz Wien ausgeweitet werden, um eine umweltfreundliche Wärmeversorgung für die Stadt zu gewährleisten.

In Klimaschutzzonen ist in Neubauten nur noch erneuerbare Energie erlaubt. Gestartet wurde im Sommer 2020 mit den ersten Klimaschutzzonen im 2., 7. und 16. Bezirk. In den festgelegten Bezirksgebieten sind bei Neubauten Warmwasser bzw. Heizungen mit Öl und Gas verboten. Heizung, Kühlung und Warmwasseraufbereitung müssen in den fixierten Zonen entweder über Fernwärme oder über Alternativen wie Solarenergie, Biomasse oder Erdwärme erfolgen.

Bei Neu-, Zu- und Umbauten müssen hocheffiziente alternative Systeme eingesetzt werden, sofern dies technisch, ökologisch und wirtschaftlich realisierbar ist. Befindet sich der Wohnungsneubau in einer Klimaschutzzone, dann muss ein alternatives System verbaut werden. Hocheffiziente alternative Systeme sind jedenfalls:

  • Dezentrale Energieversorgungssysteme auf der Grundlage von Energie aus erneuerbaren Quellen (> 80% Biomasse, Wind- oder Solarkraft)
  • Fern-/Nahwärme bzw. Kälte aus hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sowie sonstige Abwärme, die ansonsten ungenutzt bleibt
  • Fern-/Nahwärme oder Fern-/Nahkälte, insbesondere wenn sie ganz oder teilweise (min. 80%) auf Energie aus erneuerbaren Quellen beruht
  • Wärmepumpen, nach EU-Umweltzeichenkriterien Richtlinie 2014/314/EU (EU Ecolabel) bzw. entsprechend der darin festgelegten Mindestanforderungen, sofern die Vorlauftemperatur des Wärmeabgabesystems max. 40 Grad beträgt. Nach Möglichkeit ist die Wärmepumpe mit einer Solaranlage zu kombinieren.
  • Andere Technologien und Energieversorgungssysteme, soweit diese im Vergleich zu den angeführten Systemen zu geringeren Treibhausgasemissionen führen.

Ist ein alternatives System aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar, muss einer der folgenden Punkte erfüllt werden:

  • Der erforderliche Wärmebedarf für Raumheizung und Warmwasser wird zumindest zur Hälfte durch hocheffiziente alternative Systeme bereitgestellt.
  • Die Gas-Zentralheizung wird durch Erwirtschaftung von Erträgen am Standort oder in der Nähe kompensiert. Entweder werden 10% des Endenergiebedarfs für Warmwasser, Haushaltsbetriebsstrom oder für Raumheizung in Form von Solarthermie/Photovoltaik/Wärmerückgewinnung kompensiert oder es kommt zu einer 5%igen Verringerung des max. zulässigen Endenergiebedarfs oder Gesamtenergieeffizienz-Faktors (fgee).

Ende April 2020 ging eine neuerliche Novelle der Wiener Bauordnung in Begutachtung. Diese umfasst weitreichende Änderungen für die Errichtung von Solaranlagen auf den Dächern von Neubauten sowie für E-Auto-Lademöglichkeiten in Garagen.

Lademöglichkeit wird zum Gebäudestandard:

  • Der Begutachtungsentwurf sieht vor, dass künftig auf jedem Garagenplatz eines neuen Wohngebäudes die notwendigen Vorkehrungen für den nachträglichen Einbau von Lademöglichkeiten geschaffen werden müssen. So müssen sich BewohnerInnen künftig nicht mehr um etwaige Umbauarbeiten, Anschlussleistung oder die Zustimmung anderer HauseigentümerInnen kümmern. Stattdessen kann die eigene Wallbox ganz einfach von jedem/r BewohnerIn angeschlossen und die Lademöglichkeit zu Hause verwirklicht werden.
  • Zusätzlich zu den privaten Lademöglichkeiten soll auch der Ausbau halböffentlicher Ladestationen, wie z.B. in Garagen von Supermärkten und Bürogebäuden, forciert werden. In Nicht-Wohngebäuden müssen laut der Novelle die Vorkehrungen für den späteren Einbau von Lademöglichkeiten auf jedem fünften Stellplatz errichtet werden. Zusätzlich müssen 10% der Garagenstellplätze mit einem betriebsbereiten Ladepunkt ausgestattet werden.

Solarverpflichtung für Wiens Dächer:

  • Die Wiener Bauordnungsnovelle bringt auch eine ausgeweitete Solarverpflichtung mit sich. Bis dato existierte bereits eine PV-Verpflichtung (von 1 kWp pro m² konditionierter Brutto-Grundfläche) für neu errichtete Gewerbebauten. Diese wird nun auch auf neue Bildungsbauten sowie auf Wohnbauten (hier gelten 1 kWp pro charakteristischer Länge des Gebäudes und für je 300 m² konditionierter Bruttogrundfläche) ausgedehnt. Wohnbauten, die weniger als zwei Wohnungen enthalten, also Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Kleingartenhäuser, sind von der Solarverpflichtung ausgenommen.
  • Neu ist auch die Regelung für die Errichtung der vorgeschriebenen PV-Kapazitäten auf Ersatzflächen, sofern dies aus technischen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Gründen nicht am eigenen Hausdach möglich ist. Bisher konnte die Verpflichtung unter diesen Umständen leicht entfallen. Wohnbauten sind von der Ersatzverpflichtung jedoch ausgenommen.

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