Projekt Beschreibung

dem Positionspapier „Tarife 2.1“ der E-Control?

Für einen versorgungssicheren Betrieb der Stromnetze fallen Systemnutzungsentgelte an. Sie decken die Kosten der Netzbetreiber und Regelzonenführer ab. Zu leisten sind sie von Entnehmern und Einspeisern. Zentral sind außerdem die Grundsätze der Kostenorientierung, Verursachungsgerechtigkeit und einer effizienten Nutzung von Energie.

Einfach erklärt

2016 führte die Energieregulierungsbehörde E-Control eine Konsultation zum Thema Netzentgelte durch. Aufbauend auf zahlreichen Stellungnahmen wurde ein Positionspapier erstellt, welches nun unter dem Titel „Tarife 2.1“ überarbeitet wurde. Ziel soll eine Anpassung der Netzentgeltstruktur an die zukünftigen Herausforderungen im Strommarkt sein. Aus Sicht der Energiewirtschaft gilt es dabei einiges zu berücksichtigen, insbesondere in den Bereichen Photovoltaik und Elektromobilität.

Benutzer der Strominfrastruktur, also Einspeiser und Entnehmer, haben sogenannte Systemnutzungsentgelte zu leisten. Durch diese Entgelte werden die Kosten der Netzbetreiber und Regelzonenführer abgedeckt. Kosten entstehen im Rahmen eines versorgungssicheren Betriebes der Stromnetze. Im Zentrum steht die Gleichbehandlung aller Systembenutzer. Zudem haben die Entgelte planbar, leistbar und verständlich zu sein.

Neben Anschlussentgelten, die im Rahmen des erstmaligen Anschlusses an das öffentliche Stromnetz anfallen, existieren Entgelte für die Nutzung des Netzes, den Ausgleich physikalischer Netzverluste oder für Systemdienstleitungen. Kosten, die mit der Errichtung und dem Betrieb von Messeinrichtungen verbunden sind, werden über das Messentgelt abgegolten.

Speist jemand in das öffentliche Stromnetz ein, ist derzeit ein Netzzutrittsentgelt, ein Messentgelt und ein Entgelt für sonstige Leistungen zu entrichten. Einspeiser mit einer Anschlussleistung von mehr als 5 MW haben ein Netzverlust- und Systemdienstleistungsentgelt zu leisten.

Entnimmt jemand Strom aus dem öffentlichen Netz, fallen Netzzutrittsentgelt, Netzbereitstellungsentgelt, Netznutzungsentgelte, Netzverlustentgelt, Messentgelt sowie das Entgelt für sonstige Leistungen an. Für Systemdienstleitungen fällt für Entnehmer kein Entgelt an.

Unter Anschlussentgelte fallen das Netzzutrittsentgelt und das Netzbereitstellungsentgelt:

  • Das Netzzutrittsentgelt deckt die dem Netzbetreiber beim erstmaligen Anschluss an das öffentliche Stromnetz entstehenden Kosten ab. Die Aufwendungen sind mit angemessenen und marktüblichen Preisen zu bewerten.
  • Beim Netzbereitstellungsentgelt handelt es sich um eine einmalig zu leistende Pauschale für den bereits erfolgten sowie durch den Neuanschluss eventuell notwendigen Ausbau des Netzes.

Das Netznutzungsentgelt setzt sich aus einer Leistungs- und einer Arbeitskomponente zusammen. Es dient ganz allgemein der Erstattung der Kosten für die Errichtung, den Ausbau, die Instandhaltung und den Betrieb des Stromnetzes.

Die Abrechnung der arbeitsbezogenen Komponente erfolgt über den Verbrauch in Kilowattstunden im jeweiligen Tarifzeitraum. Die leistungsbezogene Komponente wird über das arithmetische Mittel der im Abrechnungszeitraum monatlich gemessenen höchsten viertelstündlichen Leistung berechnet. Sie ist unabhängig vom Stromverbrauch. Auf der Netzebene 7, an der VerbraucherInnen angeschlossen sind, ist statt der leistungsbezogenen Komponente eine jährliche Pauschale in Höhe von 36 Euro pro Jahr zu entrichten.

Das Netznutzungsentgelt fällt in Österreich nicht einheitlich über eine Leistungs- oder Arbeitskomponente an. Vielmehr kommt eine Kombination aus beiden bzw. eine Pauschale für Verbraucher zur Anwendung.

Netzentgelte machen ungefähr ein Drittel der Stromrechnung für Haushalte aus. Die einzelnen Netzbetreiber stellen diese Entgelte für ihre Dienstleistungen in Rechnung. Netzentgelte setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen.

Das Netznutzungsentgelt wird von der Regulierungskommission der E-Control per Verordnung festgelegt. Diese sogenannte Systemnutzungsentgelte-Verordnung enthält Vorschriften, mit der die Entgelte für die Systemnutzung bestimmt werden. Auch das Netzbereitstellungsentgelt je Netzebene, das Netzverlustentgelt und das Entgelt für Messleistungen können der Systemnutzungsentgelte-Verordnung entnommen werden.

Unsere Stromerzeugung erfolgt zunehmend dezentral. Getrieben wird diese Entwicklung maßgeblich durch den Ausbau erneuerbarer Energieträger. Bis 2030 soll die Stromerzeugung in Österreich zu 100% aus Erneuerbaren erfolgen. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Netzkostentragung und Systemstabilität. Im Strombereich der Zukunft sind die Bereitstellung von Flexibilitäten und Speicher sowie Demand-Side-Management gefragt. Die gegenwärtige Netzentgeltstruktur bietet nicht die notwendigen wirtschaftlichen Anreize zur Bereitstellung von Flexibilitäten und erfüllt die zukünftigen Herausforderungen der Stromwende nur eingeschränkt.

Die künftige Netzentgeltstruktur muss eine faire Kostenbelastung der Netzbenutzer aufweisen und Partizipation an der Stromwende ermöglichen. Eine Voraussetzung für die Umsetzung der neuen Netzentgeltstruktur ist ein flächendeckender Smart Meter Roll-Out, da damit auch für HaushaltskundInnen ein Entgelt auf Basis von Leistung festgelegt werden kann. Derzeit kommt bei Haushalten, die auf Netzebene 7 angeschlossen sind, eine jährliche Pauschale in Höhe von 36 Euro zur Anwendung und keine Leistungsmessung. Dies bringt viele Nachteile mit sich. So senkt eine Pauschale Anreize für netzdienliches Verhalten und die Bereitstellung von Flexibilitäten. KleinkundInnen können zudem über ihre tatsächliche Inanspruchnahme des Netzes belastet werden. Es kommt dann zu Quersubventionen von Großverbrauchern durch KleinkundInnen. Darum soll eine generelle Umstellung auf Leistungsverrechnung stattfinden.

Durch die Einführung einer Leistungsverrechnung beim Netznutzungsentgelt sollen Anreize geschaffen werden, Elektroautos netzdienlich zu laden. Es würde eine höhere Verursachungsgerechtigkeit sichergestellt werden und Anreize zur Bereitstellung von Flexibilitäten belohnt werden.

Erzeuger und Verbraucher sollen im Stromsystem der Zukunft Flexibilität als Dienstleistung anderen Marktteilnehmern zur Verfügung stellen. Als Flexibilitätsdienstleistung beschreibt man die Veränderung von Einspeisung oder Entnahme in ein Stromnetz, in Reaktion auf Signale des Strommarktes.

Aus Sicht des Energieregulators E-Control existieren im Rahmen der weiterentwickelten Netzentgeltstruktur drei verschiedene Kundentypen:

  • Reguläre KundInnen sollen die vollständigen Netzkosten tragen und gleichzeitig keine Einschränkung in der Netznutzung haben.
  • Der Regelreserveteilnehmer soll die Flexibilitäten für Systemzwecke bereitstellen und über ein Regelreserveentgelt abgegolten werden.
  • Die Stütze für Netzbetreiber soll Flexibilitäten für das Verteilnetz bereitstellen. Vergütet werden sollen diese Leistungen, mit unterbrechbaren bzw. Tarifen mit regelbarer Leistung.

Eine Teilnahme beim Verteilnetzbetreiber über einen Tarif mit regelbarer Leistung (dynamische Tarife) ist einem unterbrechbaren Tarif in jedem Fall vorzuziehen. Deutlich wird dies am Beispiel der Elektromobilität: Durch netzdienliche Ladeinfrastruktur sowie Vehicle to Grid Lösungen können in diesem Bereich künftig hochdynamische Netzdienstleistungen erbracht werden. Ein unterbrechbarer Tarif würde dies konterkarieren.

Eine flächendeckende Leistungsmessung soll die Verursachungsgerechtigkeit und Gesamteffizienz in Zukunft stärken. Künftig soll für den Netzanschluss ein Netzanschlussentgelt anfallen. Das bestehende Netzzutrittsentgelt soll zu diesem Zweck aufgewertet und um einen pauschalierten Anteil für den Netzausbau ausgeweitet werden, das Netzbereitstellungsentgelt entfallen. Der Wegfall des Netzbereitstellungsentgelts ist aus Sicht von Photovoltaik-Anlagen positiv, denn das Entgelt führt derzeit je nach Größe der Anlage zu negativen Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Projektvorhaben. Durch den Pauschalanteil beim Netzanschlussentgelt werden die Kosten planbarer. Die Höhe sollte aber jedenfalls geringer als das derzeit zu hohe Netzbereitstellungsentgelt ausgestaltet sein.

In das Netznutzungsentgelt sollen die Entgelte für Netzverluste, Systemdienstleistungen und Messleistungen künftig integriert werden. Das Netznutzungsentgelt soll in Zukunft verstärkt aktive KundInnen sowie die Elektromobilität berücksichtigen. Das Stromsystem der Zukunft, in dem ausschließlich erneuerbare Energieträger einspeisen und bestimmte Sektoren miteinander gekoppelt sind, stellt veränderte Anforderungen an die Netzentgelte. Diese müssen die Bereitstellung von Flexibilitäten zum Ausgleich von schwankender Erneuerbaren-Einspeisung fördern. Netzdienliches Verhalten soll durch tarifliche Anreize belohnt werden.

Dazu bedarf es nicht nur rechtlicher Änderungen im ElWOG, sondern auch einer flächendeckenden Ausrollung von Smart Meter, da diese eine flächendeckende Leistungsmessung für alle KundInnen, wie von der E-Control vorgesehen, ermöglicht.

Nachstehende Grafik zeigt die aktuelle Netzentgeltstruktur und deren mögliche Weiterentwicklung.

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