Projekt Beschreibung

Weichenstellung für den notwendigen Photovoltaik-Ausbau

  • Der umfassende Photovoltaik-Ausbau von 11 TWh muss behutsam erfolgen. Nur so bleibt die Photovoltaik eine Technologie, die in der Bevölkerung breit akzeptiert ist.

  • Um die Potentiale der Photovoltaik zu heben, braucht es die Anpassung regulatorischer Rahmenbedingungen sowie ein Gesamtkonzept für den Photovoltaik-Ausbau auf allen Flächen.

  • Zentral ist, Photovoltaik mit Doppelnutzen zu fördern und Innovationen in Österreich voranzutreiben.

16. Juni 2020

EnergieWEbinar ging in die dritte Runde

Am 9. Juni 2020 fand das dritte #EnergieWEbinar der mehrteiligen Online-Diskussionsreihe von Wien Energie statt. Unter dem Titel „Photovoltaik-Ausbau: Wohin mit 11 TWh?“ diskutierten Hubert Fechner (Obmann der Österreichischen Technologieplattform Photovoltaik), Philip Rammel (Referent für Erneuerbare Energien bei Oesterreichs Energie), Karl Schellmann (Klimaschutz- und Energiesprecher beim WWF Österreich) und Marie-Theres Thöni (Abteilungsleiterin Erneuerbare Energien im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie) darüber, wie der weitere Photovoltaik-Ausbau in Österreich realisiert werden soll.

PV-Ausbau muss auch in der Freifläche passieren

Zu Beginn wurde die Studie von Oesterreichs Energie zum PV-Flächenpotential in Österreich vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Potentiale der Gebäude-Photovoltaik (4 TWh) unter den derzeitigen Rahmenbedingungen bei weitem nicht genügen, um bis 2030 das PV-Ausbauziel von 11 TWh zu erreichen. Auch auf Deponien und Verkehrsflächen ließen sich in den nächsten zehn Jahren lediglich 1,3 TWh errichten. Der Großteil des Zubaus (5,7 TWh) muss daher auf qualifizierten Freiflächen realisiert werden. Nimmt man einen Flächenverbrauch von 1,6 ha pro MW an, würde dies einer Fläche von etwa 91 km² entsprechen, die in den kommenden zehn Jahren zur Verfügung zu stellen ist.

Photovoltaik braucht ein Gesamtkonzept

Klar ist, dass sich das Landschaftsbild in Zukunft ändern und der Photovoltaik-Ausbau sichtbarer werden wird. Aus Akzeptanzgründen sei es wichtig, dass der Ausbau behutsam erfolge, bereits versiegelten Flächen der Vorrang gegeben werde und ökologische Aspekte sowie Naturschutzkriterien berücksichtigt würden. Es brauche einen Ausbauplan, um Konflikt- sowie Akzeptanzprobleme zu vermeiden.

„Es braucht ein politisches Gesamtkonzept für den PV-Ausbau, wo alle Beteiligten – von der Klimaministerin bis zum Finanzminister – in einem Boot sitzen und an einem Strang ziehen, um eine Gesamtlösung auf den Tisch zu bringen. Ansonsten werden wir die Energietransformation nicht schaffen,“ mahnte Karl Schellmann.

Akzeptanz weiter sicherstellen

Photovoltaik ist die mit Abstand beliebteste Erneuerbaren-Technologie der ÖsterreicherInnen, auch weil diese als umweltverträglichste gilt. Mittlerweile ist auch die Akzeptanz für Photovoltaik so weit, dass verpflichtende Vorgaben – wie in der Stadt Wien bereits umgesetzt – angenommen werden würden.

„Photovoltaik ist weit weg von einem Luxus. Photovoltaik-Anlagen amortisieren sich in den nächsten 7 bis 10 Jahren. Das ist keine Investition, die langfristig ist. Lebensdauer und Haltbarkeit ist bewiesen, also ist kein Risiko damit verbunden. Hier könnten wir weitaus mutiger sein und uns trauen in die Bauordnungen weitere verpflichtende PV-Vorgaben aufzunehmen,“ forderte Hubert Fechner.

Mit einem behutsamen PV-Ausbau soll die Akzeptanz weiter sichergestellt werden. Dafür bedarf es aber auch einer homogenen Verteilung.

„Erst wenn die regionale Verteilung von Photovoltaik-Anlagen in ganz Österreich gelingt, kann die Akzeptanz für den PV-Ausbau in der gesamten Bevölkerung sichergestellt werden. Es braucht einen zeitlich parallelen und ausgewogenen PV-Ausbau auf sämtlichen Flächenkategorien“, so Philip Rammel.

Erneuerbaren Ausbau Gesetz liefert Rahmen

Um den Photovoltaik-Ausbau von 11 TWh realisieren zu können, braucht es entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen sowie funktionierende und treffsichere Fördersysteme.

„Im Erneuerbaren Ausbau Gesetz, das Anfang nächsten Jahres in Kraft treten wird, nimmt die Photovoltaik eine ganz zentrale Rolle ein. Hier wird es eine neue Photovoltaik-Fördersystematik geben mit dem Fokus auf Gebäude-Photovoltaik im Rahmen einer Investitionsförderungen (mit drei Förderklassen) sowie Marktprämien für Großanlagen – mit Abschlägen für die Freifläche,“ führte Marie-Theres Thöni aus.

Neben Finanzierungs- und Förderungsmodellen braucht es aber auch nicht-monetäre Anreize. So würden z.B. effizientere Genehmigungsverfahren den PV-Ausbau deutlich beschleunigen und die Nebenkosten reduzieren.

„Es braucht auch nicht-monetäre Anreize für den Photovoltaik-Ausbau, wie z.B. Vereinfachungen bei Bewilligungsprozessen, Einreichunterlagen, Bauordnungen, Wohnrecht und Flächenwidmungen, damit man mit geringeren Planungskosten konfrontiert ist und weitere Potentiale nutzbar gemacht werden ,“ so Philip Rammel.

Auch vonseiten des Ministeriums sehe man noch Verbesserungsbedarf bei der PV-Anlagenerrichtung in der Praxis und wolle bei zwei zentralen Hebeln ansetzen:

„Einerseits wollen wir eine übergreifende Arbeitsgruppe gemeinsam mit dem Justiz-, Wirtschafts- und Finanzministerium, der E-Control, Verbänden, Interessensvertretungen und Experten einsetzen, um Barrieren bei der Errichtung von Gebäude-Photovoltaik – insbesondere im Wohnrecht – abzubauen. Zweites zentrales Element wird ein Österreichischer Netzinfrastrukturplan sein, der gemeinsam mit den Bundesländern erarbeitet wird, um geeignete Flächen für die PV-Nutzung in der Raumplanung zu berücksichtigen,“ erklärte Marie-Theres Thöni.

11 TWh sind erst der Anfang

Damit Österreich die angestrebte Klimaneutralität bis 2040 erreicht, ist der im Regierungsprogramm vorgesehene Zubau von 11 TWh Photovoltaik bis 2030 aber erst der Anfang. In Summe müssten in den nächsten 20 Jahren 27 bis 30 TWh Photovoltaik realisiert werden.

 „Ich glaube, dass wir noch deutlich mehr Strom aus Photovoltaik brauchen, weil das Mengengerüst im Regierungsprogramm aus unserer Sicht viel zu viel Wasserkraftstrom enthält, für den wir mit den Naturschutzeinschränkungen die Potentiale nicht mehr sehen. Das heißt in anderen Bereichen wie Wind und Photovoltaik sollte eigentlich noch mehr gemacht werden. Die Bedingungen auf bereits verbauten Flächen müssen also noch deutlich verbessert werden, um diesen Bedarf auch wirklich zu heben,“ so Karl Schellmann.

PV-Innovationen vorantreiben

Eine zentrale Bedeutung kommt daher auch der Weiterentwicklung von Technologien zu. Photovoltaik hat die Möglichkeit durch unterschiedliche innovative Anwendungen einen Doppelnutzen zu generieren. Im Verkehrsbereich bestehe beispielsweise ein Potential für PV-Schallschutzwände. Aus Kostengründen und technischen Herausforderungen (z.B. Druckwelle oder Abrieb) sind diese aber noch nicht weit verbreitet. Bei weiterer Entwicklung könnten sie in Zukunft aber zumindest einen kleinen Beitrag leisten. Ein noch viel größeres Potential biete die Überdachung von Parkflächen. Doch müssten auch hier die Rahmenbedingungen erst adaptiert und Fördersätze angepasst werden, da die Kosten etwa doppelt so hoch als bei Dachflächenanlagen sind. Auch im Gebäudebereich sind die Möglichkeiten für den PV-Einsatz vielfältig. Hier kann die Photovoltaik in integrierter Form ein Dach, eine Fassade oder ein Balkongitter bilden. Die PV-Module werden somit zu Bauelementen.

„Will man auch bei innovativen Technologien in die Masse kommen oder will man nur am internationalen Trend mitnaschen und die billigste Lösung in Österreich umsetzen? Wir müssen einen österreichischen Markt für Photovoltaik-Technologien und -Innovationen kreieren. Werden diese Innovationen genutzt und gefördert, dann werden diese Lösungen in der Zukunft auch billiger,“ appellierte Hubert Fechner.

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2020-06-03T09:51:38+02:00

Zustimmung zu Erneuerbaren

Generell sind die ÖsterreicherInnen erneuerbaren Energien gegenüber sehr positiv eingestellt. Photovoltaik ist der beliebteste erneuerbare Energieträger. Es zeigt sich, dass die Zustimmung zu den einzelnen Technologien dort besonders hoch ist, wo sie vermehrt ausgebaut sind.