Projekt Beschreibung

Energiespeicher als Schlüsseltechnologie im zukünftigen Energiesystem

  • Damit die Europäische Union die Klimaneutralität bis 2050 erreichen kann, muss das Energiesystem grundlegend transformiert werden.

  • Der umfassende Erneuerbaren Ausbau erfordert einerseits ausreichend Speicherkapazitäten und andererseits eine bessere Sektorenintegration. Nur so kann die Versorgungssicherheit weiterhin sichergestellt werden. 

  • In Zukunft werden dezentrale Anlagen zur Energiegewinnung an Bedeutung gewinnen. 

14. Juli 2020

Vorerst letztes EnergieWEbinar vor der Sommerpause

Am 7. Juli 2020 fand das vierte #EnergieWEbinar der mehrteiligen Online-Diskussionsreihe von Wien Energie statt. Unter dem Titel „Energiespeicher: Erfolgsgarant der europäischen Energiewende?“ diskutierten Claudia Gamon (EU-Abgeordnete – NEOS/Renew Europe), Stefan Moser (Abteilungsleiter in der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission) und Peter Weinelt (Generaldirektor-Stellvertreter der Wiener Stadtwerke) darüber, wie der immer größere Anteil an erneuerbarem Strom in das Gesamtsystem integriert werden kann.

Umfassende Transformation des Energiesystems notwendig

Um bis 2050 klimaneutral zu sein, muss die Europäische Union ihr Energiesystem in eine dezentrale, digitalisierte und erneuerbare Energiezukunft führen. Der wachsende Anteil erneuerbarer Energie erfordert einerseits eine verstärkte Integration von Speichern in das Energiesystem und andererseits eine bessere Verknüpfung der Sektoren, um die Versorgungssicherheit auch künftig garantieren zu können. Claudia Gamon, Verfasserin des Initiativberichts für ein europäisches Konzept zu Energiespeichern, unterstreichte die wichtige Rolle von Energiespeichern im Zusammenhang mit dem Grünen Deal:

„Das Thema Energiespeicher wird in den kommenden Jahren die energiepolitische Agenda anführen. Die Dekarbonisierung der Wirtschaft und des Stromsektors wird den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben und damit die Volatilität im Netz erhöhen und größere Flexibilität erforderlich machen. Deshalb werden Energiespeicher künftig ein integraler Bestandteil der Energieversorgung“, sagte Claudia Gamon.

In ihrem Initiativbericht formuliert sie Forderungen des Europäischen Parlaments hinsichtlich anstehender Gesetzesinitiativen der Kommission, wie etwa die Revision der Energiesteuer-Richtlinie, der Batterien-Richtlinie oder der Überarbeitung der Verordnung über Transeuropäische Energienetze („TEN-E-Verordnung“).

Mit Energie-Teamwork Klimaziele erreichen

Der Weg zur klimafreundlichen Zukunft ist eine sinnvolle Umwandlung der verfügbaren Energieformen – Energie-Teamwork bzw. die Sektorenintegration. Denn neben der erneuerbaren Stromerzeugung müssen auch die Bereiche Haushaltswärme und Mobilität in den Fokus gerückt werden.

„Im Winter wird im Kraftwerk Spittelau aus Abfall Fernwärme gewonnen, im Sommer stellen wir um und produzieren Fernkälte. Wir sind Vorreiter bei gelebtem Energie-Teamwork und wollen das auch in Zukunft bleiben. Wir müssen uns auf europäischer Ebene anschauen, welche Form der Energie wir wann benötigen, wo Energie-Teamwork Sinn macht und europaweit die Weichen stellen und dem Klimawandel die Stirn bieten“, so Peter Weinelt.

Bestmögliche Nutzung erneuerbarer Energien benötigt ausreichend Speicherkapazitäten

Energie aus Erneuerbaren steht nicht immer gleichmäßig zur Verfügung. Da die Speicherkapazitäten aktuell nicht ausreichen, um die Energie bestmöglich zu nutzen, geht erneuerbare Energie verloren. Die Lösung ist ein Ausbau der Energiespeicher und der sektorenübergreifenden Umwandlung der Energieformen.

„Fernwärme als Energiespeicher bietet enorme Speicherpotentiale, zum Beispiel im Bereich der Sektorintegration. Diese und andere bekannte Technologien weiterzuentwickeln ist genauso wichtig wie die marktnahe Erforschung und Entwicklung neuer Speichertechnologien“, sagte Claudia Gamon.

Mit dem Ausbau der Energiespeicher soll die Energiesicherheit weiter sichergestellt werden. Dafür bedarf es aber auch fairer Kosten.

„Wir brauchen innovative Ansätze zu Energiespeichern, um die weiter stark wachsenden erneuerbaren Energien effizient und kostensparend in das Energiesystem zu integrieren. Diese werden uns helfen, sowohl unsere Klimaziele für 2050 im Rahmen des europäischen Green Deals als auch Energiesicherheit zu erreichen“, erklärte Stefan Moser.

Die Energiezukunft ist dezentral

Klar sei auch, dass in Zukunft die Energie in Europa nicht mehr in wenigen Großkraftwerken, sondern in vielen kleineren Anlagen wie Windparks oder durch Photovoltaikanlagen produziert werde. Um diesen Strom dorthin zu bringen, wo er benötigt wird, braucht es folglich auch eine entsprechende Infrastruktur:

„Wir arbeiten als Wiener Netze bereits an den ‚smart grids‘. Die Idee dahinter ist einfach und effizient: Es gibt in Zukunft mehr dezentrale Energieerzeugung, beispielsweise durch eine Photovoltaik-Anlage am Dach. Wenn aber vor Ort niemand ist, um den Strom zu nutzen, dann sorgen die „smart grids“ dafür, dass er dort landet, wo er gebraucht wird. Wir arbeiten an einem Stromnetz, das miteinander verknüpft ist und ‚mitdenkt‘“, so Peter Weinelt.

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