Projekt Beschreibung

Renate Hammer im Interview über die Klimaziele im Gebäudebereich

  • Um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen, muss der Einsatz von Kohle, Öl und Gas ersetzt werden. Als Alternative eignen sich Fernwärme, Solartechnik, Biomasse, Geothermie oder Wärmepumpen. 

  • Generell gilt: Umso weniger Material für den Bau verwendet wird und je langlebiger Baumaterialien sind, desto weniger Energie wird verbraucht.

  • Der Umbauzyklus im Gebäudesektor dauert rund 30 Jahre. Es müsste ganz klar kommuniziert werden, dass sich früher oder später jede/r umstellen muss.

20. April 2021

Gebäude spielen beim Umbau unseres Energiesystems und der Erreichung von Klimazielen eine zentrale Rolle. Denn der Gebäudesektor ist für etwa ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, sollte daher möglichst schnell auf saubere Energie umgestellt werden. Wir haben mit Renate Hammer, Geschäftsführerin des Wiener Instituts für Bauforschung und Innovation Building Research darüber gesprochen, wie wir unsere gebaute Umwelt adaptieren sollten.

Wie können die Klimaziele im Gebäudebereich erreicht werden?

Die Betriebsenergie von Bauten muss reduziert werden. Das gelingt einerseits dadurch, dass Gebäude so erreichtet oder saniert werden, dass Energie durch Dämmung oder Beschattung reduziert wird. Andererseits sollte nur saubere Energie zum Einsatz kommen. Das Wärmste, das wir im Gebäudebereich brauchen, sind 60 Grad. Fossile Brennstoffe brennen höhertemperaturig und sind damit Ressourcenverschwendung. Deshalb sollte klar sein, dass wir raus aus Kohle, Öl und Gas müssen.

Was schlagen Sie hier vor?

Als saubere Energiequellen eignen sich Fernwärme, Solartechnik, Biomasse oder Wärmepumpen. Für Wien ist auch Geothermie sehr interessant, weil die Stadt diesbezüglich geographisch günstig liegt.

Muss sich auch bei den Baumaterialien selbst etwas ändern?

Ganz generell gilt: Umso weniger Material für den Bau verwendet wird und je langlebiger Baumaterialien sind, desto weniger Energie wird verbraucht. Das Wiederverwerten von Material im Sinne einer Kreislaufwirtschaft wäre notwendig. Ich würde aber nicht sagen, dass Holz im Hinblick auf Klimaschutz immer die bessere Wahl ist. Es kommt auf die Bauaufgabe an. Wenn es darum geht, in die Höhe zu bauen, ist Beton ein hochleistungsfähiges Material.

Lassen sich die Klimaziele im Gebäudesektor bis 2040 erreichen?

Ich sehe Österreich derzeit auf einem nicht so gutem Weg. Man will zwar auf Öl und Gas verzichten. Aber was wirklich notwendig wäre, ist auch Taten folgen zu lassen. Und zwar ab sofort. Es müsste ganz klar kommuniziert werden, dass jede und jeder sich umstellen muss. Der Umbauzyklus im Gebäudesektor dauert rund 30 Jahre. Doch auch wenn Häuser energetisch perfekt gebaut sind, werden die positiven Effekte oft durch den von Gebäuden induzierten Verkehr zunichte gemacht. Etwa wenn die Bewohner zwei Autos brauchen, um tagtäglich von ihrem Haus in die Arbeit zu kommen.

Sollten Architekten Häuser in Zukunft anders planen?

Die Architektur hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Früher ging es hauptsächlich darum, eine schöne Form zu schaffen. Heute ist der Blick differenzierter geworden. Welche Materialien verwendet werden, wo gebaut wird und welche Energieträger zum Einsatz kommen ist integrativer Bestandteil der Planungsaufgabe geworden.

Wie schaffen es Städte, die Auswirkungen des Klimawandels – sprich die Hitze – zu mindern?

Wir sehen, dass es in Wien schon jetzt zur Bildung von massiven Hitzeinseln kommt. Es gibt verschiedene Hebel, um die Hitze in Städten zu verringern. Die effektivste Maßnahme ist die Bepflanzung von Außenräumen wie Straßen, Gehsteigen, Plätzen, Fassaden und Dächern. Ein Baum etwa wirkt wie eine kleine, natürliche Klimaanlage. Eine weitere wirkungsvolle Maßnahme ist, die Kühlleistung von Wasser zu nutzen. Die Böden unserer Städte sind derart versiegelt, dass Regenwasser ungenutzt in den Kanal rinnt. Ziel müsste es sein, Wasser im städtischen Boden zu halten.

Wie gelingt das? Wiese statt Beton?

Bis zu einem gewissen Grad ja. Aber es gibt auch Mittelwege. Der Untergrund sollte nicht zu verdichtet sein und durchlässig bleiben, sodass Hohlräume und Wurzeln mit Wasser füllen können. Die Oberfläche muss aber so tragfähig sein, dass auch mal die Feuerwehr darüber fahren kann. Die Kopfsteinpflaster waren deswegen gar nicht so schlecht. Zwischen den Ritzen kann Wasser im Boden versickern und bei Hitze wieder verdunsten.

Im Interview:
Renate Hammer
Geschäftsführerin,
Wiener Institut für Bauforschung

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