Projekt Beschreibung

Strategie für einen fundamentalen Systemwandel

  • Mit der Strategie zur Integration des Energiesystems sollen die Weichen für einen fundamentalen Wandel im Energiesystem gestellt werden.

  • Die Integration des Energiesystems wird definiert als das koordinierte ganzheitliche Planen und Betreiben von Energiesystemen über mehrere Energieträger, Infrastrukturen und Verbrauchersektoren.

  • Bereits im Jahr 2021 sollen die bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen evaluiert und angepasst werden.

9. Juli 2020

Was ist die Strategie zur Integration des Energiesystems?

Um die ambitionierten Klimaziele der Europäischen Union erreichen zu können ist ein fundamentaler Wandel des Energiesystems notwendig. Das heutige Energiesystem und die dazugehörigen Infrastrukturen, Märkte und gesetzlichen Rahmenbedingungen sind laut der neuen Strategie häufig nur auf einzelne Sektoren ausgelegt. Aus Sicht der Europäischen Kommission ist die Dekarbonisierung der Europäischen Union mit diesem bestehenden Ansatz nicht möglich. Nur mit einem systemintegrierten sektorübergreifenden Konzept seien die Ziele aus dem Green Deal ressourceneffizient erreichbar. Aus diesem Grund veröffentlichte die Europäische Kommission am 8. Juli 2020 die EU Strategie zur Integration der Energiesysteme. Mit ihr soll der Weg zu einer effektiven, leistbaren und größtmöglichen Dekarbonisierung der Europäischen Wirtschaft geebnet werden. Sie gliedert sich in drei Säulen, sowie eine Vielzahl von unterstützenden Maßnahmen.

Was bedeutet Integration des Energiesystems?

Die Europäische Kommission beschreibt die Integration des Energiesystems als „das ganzheitliche koordinierte Planen und Betreiben von Energiesystemen über mehrere Energieträger, Infrastrukturen und Verbrauchersektoren“. Mit diesem Konzept sollen die einzelnen Systeme vernetzt und die Kosten für die Gesellschaft so gering wie möglich gehalten werden.

Die erste Säule: Fokus auf Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft

Höchste Priorität soll der Energieeffizienz, über alle Sektoren hinweg, eingeräumt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden schon im Jahr 2021 neue gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen. Auch bereits bestehende Gesetze werden hinsichtlich dieses Prinzips evaluiert und wenn nötig, überarbeitet.

Darüber hinaus will die Europäische Kommission die Nutzung von Abwärme aus Industrie und Datencentern sowie die Nutzung lokaler Energiequellen weiter stärken. Dafür werden voraussichtlich im Juni 2021 sowohl die Energieeffizienz Richtlinie, als auch die Erneuerbaren Richtlinie, überarbeitet werden. Zusätzlich soll die energetische Verwertung von biologischen Abfällen für die Erzeugung von Grünem Gas gestärkt werden.

Die zweite Säule: Elektrifizierung des Energieverbrauchs

Laut der Strategie wird bis zum Jahr 2050 der Anteil von elektrischem Strom am Gesamtenergieverbrauch auf 40- 50 % ansteigen. Dieser Verbrauch soll zu ungefähr 84 % auf erneuerbaren Energien basieren.  Die verbleibenden 16 % zur Klimaneutralität sollen aus emissionsarmen Technologien stammen. Um dieses Ziel erreichen zu können, will die Kommission mit verbesserten regulatorischen Rahmenbedingungen den Ausbau von Erneuerbaren Off-Shore Anlagen forcieren. Mit der Initiative zur „Renovierungswelle“ wird das Ziel verfolgt, den Ausbau von PV-Anlagen auf Gebäuden bzw. von Ladestationen für E-Autos in Garagen, zu beschleunigen. Zusätzlich sollen neue Ziele, für den Anteil Erneuerbarer im Transport- und Wärmesektor, in der Novelle der Erneuerbaren Richtlinie definiert werden. Darüber hinaus sind neue Regulatorien angedacht, um die Potentiale von Elektroautos und Wärmepumpen hinsichtlich Demand-Side-Management voll auszuschöpfen.

Die dritte Säule: Die Nutzung von CO2-armen Kraftstoffen

In den Sektoren, in denen die Nutzung von elektrischem Strom nicht möglich ist, soll auf CO2-arme Kraftstoffe wie Wasserstoff oder andere Grüne Gase gesetzt werden. Ein erster wesentlicher Schritt ist die Schaffung einer EU-weit einheitlichen Definition für Grüne Gase. Darüber hinaus sollen, in der 2021 überarbeiteten Erneuerbaren Richtlinie, Kriterien hinsichtlich der Nachhaltigkeit, Effizienz und THG-Emissionen der unterschiedlichen Kraftstoffe festgelegt werden. In einem nächsten Schritt werden Quotenmodelle angedacht, um den Anteil Grüner Gase im Energiesystem zu erhöhen. Mit finanziellen Anreizen werden künftig vermehrt Forschungs- und Demonstrationsprojekte in diesem Bereich gefördert um diesen Technologien zur Marktreife zur verhelfen. Auch für Carbon Capture Technologien soll ein einheitlicher regulatorischer Rahmen geschaffen werden, um die Potentiale dieser Technologien voll auszuschöpfen.

Die unterstützenden Maßnahmen

Neben den drei Säulen hat die Kommission auch ein umfangreiches Paket an unterstützenden Maßnahmen in der Strategie angekündigt. Für das Jahr 2021 plant die Kommission folgenden Punkte:

  • Eine grundsätzliche Überarbeitung der Energiesteuer Richtlinie um diese in Einklang mit den Klimazielen der Europäischen Union zu bringen.
  • Eine Einführung von CO2 „Preissignalen“. Dazu wird eine Ausweitung des ETS-Systems über alle Sektoren angedacht.
  • Der Phase Out von staatlichen Förderungen für fossile Energieträger durch eine Überarbeitung der Beihilferichtlinien.
  • Die Schaffung eines europäischen Marktes für Grünes Gas durch neue regulatorische Rahmenbedingungen.
  • Im Bereich der Fernwärme will die Kommission mit verschiedenen Anreizsystemen und Verpflichtungen dafür sorgen, dass der Ausbau intelligenter, hoch-effizienter und erneuerbarer Fernwärmesysteme weiter vorangetrieben wird.
  • Die Überarbeitung bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen hinsichtlich Digitalisierung. Vor allem der Aspekt der Cyber Security bei intelligenten Stromnetzen soll künftig stärker berücksichtigt werden.

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