Projekt Beschreibung

Mehr Sonnenstrom für die WienerInnen: Jetzt!

  • Der Ausbau von PV-Anlagen auf den Dächern von Mehrparteienhäusern ist gerade in Ballungszentren mit verdichteter Architektur wie Wien von enormer Bedeutung. 

  • In der Praxis ist die Errichtung von PV-Gemeinschaftsanlagen jedoch mit einigen Hürden verbunden.

  • Um möglichst vielen WienerInnen die Teilnahme an der Energiewende zu ermöglichen, müssen sich die regulatorischen Rahmenbedingungen jetzt ändern.

24. November 2020

BürgerInnen werden Teil der Energiewende

Seit Inkrafttreten der kleinen Ökostrom-Novelle im Jahr 2017 ist die Errichtung von gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen möglich. MieterInnen oder EigentümerInnen in Mehrparteienhäusern und Bürogebäuden können sich zusammenschließen, um gemeinsam eine PV-Anlage zu nutzen. Der Ausbau von PV-Anlagen auf den Dächern von Mehrparteienhäusern ist gerade in Ballungszentren mit verdichteter Architektur wie Wien von enormer Bedeutung. Künftig wird dieses Konzept noch ausgeweitet: Mit Inkrafttreten des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes wird BürgerInnen die Möglichkeit eingeräumt an Energiegemeinschaften teilzunehmen. Mitglieder einer Energiegemeinschaft können neben Strom auch Wärme und Kälte erzeugen und teilen.

Weniger CO2, weniger Energiekosten

Wien Energie hat 2018 die erste PV-Gemeinschaftsanlage Wiens errichtet. Seither haben wir fünf weitere Anlagen, davon eine im Gewerbe, in Betrieb genommen. 15 weitere Anlagen sind bereits in Umsetzung oder im Zuge von Gebäude-Neuerrichtungen 2021 geplant. So ermöglichen wir den WienerInnen, aus passiven EnergienutzerInnen zu aktiven Prosumern zu werden, die einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Mit einer PV-Anlage am Dach können etwa 30% vom jährlichen Strombedarf gedeckt werden, sofern der erzeugte Strom selbst verbraucht und nicht ins Netz eingespeist wird. Dadurch werden CO2-Emissionen, Energiekosten, Netzentgelte und Steuern, die beim Strombezug aus dem Netz anfallen würden, gespart. Damit freut sich nicht nur die Umwelt, sondern auch das Geldbörserl!

Projekte enden bevor sie starten

In der Praxis ist die Errichtung von PV-Gemeinschaftsanlagen jedoch mit einigen Hürden verbunden. Die größte Problematik stellt wohl dar, dass aktuell die Mehrheit der WohnungseigentümerInnen der gemeinschaftlichen PV-Anlagenerrichtung im Rahmen der Eigentümerversammlung zustimmen muss. Die Abwesenheit eines Wohnungseigentümers oder einer Wohnungseigentümerin bei der Eigentümerversammlung gilt als Ablehnung. Oftmals scheitern Projekte daher schon vorab an den nicht erreichten Zustimmungserfordernissen der EigentümerInnen. Eine geplante Wohnrechtsnovelle soll diese Problematik reduzieren: Die Abwesenheit von WohnungseigentümerInnen bei der Eigentümerversammlung soll künftig nicht mehr als Ablehnung sondern Enthaltung gewertet werden.

Bis zu 20 Mal mehr Aufwand

Der Prozess zur Errichtung einer PV-Gemeinschaftsanlage ist für den Anlagenerrichter mit langwierigen Abstimmungsprozessen versehen. Zunächst macht die Vielfalt an Eigentümerverhältnissen (Gebäudeeigentum, Hausverwaltung, MieterInnen) die Akquise schwierig. Insbesondere bei Neubauprojekten gestaltet sich die PV-Anlagenerrichtung durch notwendige Abstimmungsprozesse mit dem Generalunternehmer, Elektriker, Architekten, Statiker, der Bauaufsicht, etc. als sehr aufwendig. Im Bestandsbau ist die Errichtung verhältnismäßig einfacher, da nur mit dem Gebäudeeigentümer Verhandlungen geführt werden müssen. In Summe wird der Aufwand bei der Umsetzung von PV-Anlagen in Mehrparteienhäusern ca. 5-20 Mal höher pro umgesetzter kWp geschätzt im Vergleich zu Standard-PV-Aufdachanlagen. Zwischen dem Projektstart und dem tatsächlichen PV-Strombezug der MieterInnen können durchaus zwei Jahre liegen.

BewohnerInnen dürfen nicht ausgegrenzt werden

Auch im aktuellen Begutachtungsentwurf des Erneuerbaren Ausbau Gesetzespakets findet sich eine nachteilige Regelung für PV-Anlagen auf Mehrparteienhäusern. Viele PV-Gemeinschaftsanlagen werden nur auf den Dächern einiger Gebäudeteile (Stiegen) installiert, jedoch HausbewohnerInnen anderer Gebäudeteile ebenfalls mit diesem Strom versorgt. Mit der ElWOG-Überarbeitung soll dies künftig nicht mehr erlaubt sein und nur mehr HausbewohnerInnen des Gebäudeteils mit PV-Anlage am Dach mit deren Strom versorgt werden dürfen. Um allen HausbewohnerInnen den Bezug von sauberen Sonnenstrom zu ermöglichen, sollten daher die momentanen Bestimmungen aufrecht erhalten bleiben.

Steuer fällt, Bürokratie wächst an

Erfreuliche Nachrichten für PV-Strom-BezieherInnen gab es Anfang des Jahres: Mit 1. Jänner 2020 ist die Energieabgabe für selbst erzeugten Sonnenstrom gefallen. Trotz dieses wünschenswerten Schritts entsteht für die KundInnen ein bürokratischer Mehraufwand: KundInnen müssen künftig selbst ihren PV-Strombezug beim Finanzamt melden, um keine Sonnenstromsteuer verrichten zu müssen. Die Umsetzung dieser Regelung i.R.d. Elektrizitätsabgabegesetz-Umsetzungsverordnung steht momentan zur Verhandlung. Es wäre wünschenswert, dass die Meldung durch den Anlagenbetreiber übernommen werden kann, um KundInnen einen Bürokratieabbau zu ermöglichen.

Solarpotenzial für Zielerreichung ausschöpfen

Um das volle Solarpotenzial auf Wiens Dächern zu nutzen und allen WienerInnen eine einfache Teilnahme an der Energiewende zu ermöglichen, müssen bestehenden Hürden bei der Errichtung von PV-Gemeinschaftsanlagen nun der Kampf angesagt werden. Damit wird auch das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 1.000.000 Dächer mit PV-Anlagen auszustatten, einfacher umsetzbar.

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