Projekt Beschreibung

Geburtsurkunden für elektrischen Strom

Herkunftsnachweise sind elektronische Zertifikate und vergleichbar mit einer Geburtsurkunde für elektrischen Strom. Sie sind rechtlich verpflichtend und bescheinigen, wie und wo Strom erzeugt wurde. Durch die Einführung dieses Instruments im Jahr 2015  wurde somit ermöglicht, nachweislich 100% erneuerbaren Strom liefern zu können. Etwa  82% der Nachweise stammen aus regenerativen Erzeugungsformen.

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Einfach erklärt

Mittels der sogenannten Herkunftsnachweise wird nicht nur die Herkunft von elektrischem Strom zertifiziert. Gleichzeitig kann über diese Nachweise sichergestellt werden, dass die gelieferte Strommenge nur einmal verkauft und somit aus bilanzieller Sicht eindeutig zugeordnet werden kann. Zudem bieten sie für EndverbraucherInnen den entscheidenden Vorteil, dass sie sich über die Herkunft ihres verbrauchten Stroms informieren können.

Herkunftsnachweise sind Zertifikate, welche die Herkunft einer bestimmen Strommenge bescheinigen. Sie fungieren als eine Art Geburtsurkunde und beinhalten folgende Informationen:

  • Eindeutige Zertifikatsnummer
  • Menge
  • Identität des Kraftwerks
  • Zeitpunkt der Ausgabe
  • Erzeugungstechnologie
  • Installierte Kapazität
  • Information über Beihilfen und Förderungen

Laut dem Ökostromgesetz (ÖSG) wird der Strom aus folgenden Erzeugungsanlagen erfasst:

  • Ökostromanlagen, die an das öffentliche Netz angeschlossen sind
  • Ökostromanlagen, die einen Einspeisetarif gemäß ÖSG erhalten.

Zusätzlich wird gemäß ElWOG auch Strom aus fossilen Erzeugungsanlagen mit einer Engpassleistung von mehr als 100 kW erfasst.

Die OeMAG Abwicklungsstelle für Ökostrom AG übermittelt die relevanten Daten der einzelnen geförderten Ökostromanlagen an eine Datenbank. Dazu zählen zum Beispiel Windkraftanlagen, Photovoltaikanlagen oder Kleinwasserkraftanlagen, die einen Einspeisetarif gemäß Ökostromgesetz erhalten und Mitglied einer Bilanzgruppe sind. Dann werden die Zertifikate automatisch erstellt und an die jeweiligen Stromlieferanten übermittelt. Für die Zuteilung der Zertifikate sind ausschließlich die Daten der Bilanzgruppenverantwortlichen ausschlaggebend. Erzeuger und Netzbetreiber haben hier keine aktive Rolle.

Bei nicht-geförderten Ökostromanlagen übermittelt der Netzbetreiber die relevanten Daten über die eingespeisten Ökostrommengen an die Datenbank. Danach werden die Herkunftsnachweise wieder automatisch generiert und auf dem Konto des Anlagenbetreibers gutgeschrieben.

Zu den nicht-geförderten Anlagen zählen Ökostromanlagen, die keinen Einspeisetarif gemäß Ökostromgesetz erhalten bzw. kein Teil einer Bilanzgruppe sind. Dazu zählen Großwasserkraftwerke oder Anlagen, die bereits aus der Förderung gefallen sind.

Laut der Stromkennzeichnungsverordnung sind StromkundInnen darüber zu informieren, welche Primärenergieträger für die Erzeugung ihres Stromes verwendet werden. Weiters muss die anteilmäßige Verteilung der Herkunftsländer angeführt werden. Wenn also Strom verkauft wird, müssen diese Informationen auf der Rechnung ersichtlich sein.

Solange die Zertifikate noch nicht für das Stromlabeling eingesetzt wurden, können sie beliebig gehandelt werden. Nachdem sie für das Labeling von verkauftem Strom eingesetzt wurden, werden sie in der Datenbank entwertet.

Für Anlagenbetreiber besteht der Nutzen darin, dass dieser eindeutig nachweisen kann, dass der produzierte Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt.

Der Nutzen für EndverbraucherInnen besteht darin, dass sie wichtige Information über die Herkunft des bezogenen Stromes erhalten. Zudem wird es so möglich bspw. 100 % Ökostrom zu beziehen, da dies mit den Zertifikaten eindeutig nachgewiesen werden kann.

Nachstehende Grafik visualisiert das System der Herkunftsnachweise.

Herkunftsnachweise

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