Projekt Beschreibung

Grüner Treibstoff für eine grüne Zukunft

Wien Energie erforscht gemeinsam mit KooperationspartnerInnen die Produktion von Synthesegas als Basis für grünen Treibstoff. Bis Sommer 2021 entsteht auf der Simmeringer Haide eine Pilotanlage mit 1 MW Leistung. Am Standort der Sondermüllverbrennungsanlage von Wien Energie werden Rohstoffe zu umweltfreundlichen und CO2-neutralen Kraftstoffen verwertet.

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0 MW
100 % CO2

Projektdetails

Der Baustart für die Pilotanlage erfolgte im September 2020, die Inbetriebnahme ist für den Sommer 2021 geplant. Ziel ist es, Synthesegas aus Reststoffen (wie etwa Holzabfälle, Klärschlamm oder Rückstände aus der Papierindustrie) herzustellen. Dieses Synthesegas wird direkt vor Ort weiterverwertet, unter anderem zur Produktion von erneuerbarem und CO2-neutralem Diesel. Aber auch die Produktion von grünem Erdgas oder grünem Wasserstoff sind zukünftiger Teil des Forschungsprojektes.

In der Anlage wird über einen thermischen Umwandlungsprozess aus Reststoffen ein sogenanntes Synthesegas erzeugt. Dieses kann wiederum in verschiedene Energieträger wie grüne Kraftstoffe, grünes Gas und grünen Wasserstoff umgewandelt werden.

Sind die eingesetzten Ausgangsstoffe erneuerbaren Ursprunges (z.B. Holz, Restholz, Klärschlamm, biogene Abfälle, …) so sind auch die Endprodukte zu 100% erneuerbar. Es ist aber auch denkbar nicht-erneuerbare Reststoffe (z.B. Plastikreste, die nicht recyclebar sind) zuzusetzen und so auch fossile Ausgangsstoffe mehrfach zu nutzen. Ganz ähnlich ist das beispielsweise beim Papierrecycling der Fall.

Die große Bandbreite an möglichen Endprodukten macht die Technologie extrem flexibel. Einerseits können nachhaltige Treibstoffe für den Transportsektor bereitgestellt werden, in denen Batterien nur schwer zum Einsatz kommen können (z.B. Landwirtschaft, Fernverkehr, Flugverkehr). Andererseits kann auf Basis der selben Technologie auch grünes Gas für das Erdgasnetz oder grüner Wasserstoff für zukünftige Mobilitätslösungen oder industrielle Anwendungen erzeugt werden.

Bei der Erzeugung von  grünem Kraftstoff, der im Übrigen bei der Verbrennung deutlich geringere Partikelemissionen hat als fossiler Diesel, fallen parallel zudem auch wertvolle Chemikalien an, die in der chemischen Industrie benötigt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Synthese des erzeugten Gases zu nachhaltig produzierten Alkoholen, die ebenfalls von der chemischen Industrie verarbeitet werden. Setzt man als Ausgangsstoff Klärschlamm ein, ergibt sich in Zukunft auch eine aussichtsreiche Möglichkeit, den darin enthaltenen Phosphor zurückzugewinnen. Zur Herstellung von Düngemitteln für die Landwirtschaft ist Phosphor essentiell. Weltweit gibt es nur zwei Abbaugebiete und es gibt Schätzungen, dass der Abbau nur mehr für wenige Jahrzehnte möglich sein wird.

Die Ergebnisse des Projekts ermöglichen die wirtschaftliche und technische Beurteilung des Gesamtverfahrens und stellen die Grundlage für die geplante Umsetzung in einem größeren industriellen Maßstab durch Wien Energie dar.

Insgesamt ist mit der Technologie der thermochemischen Synthesegaserzeugung eine sehr interessante Technologie vorhanden, die großes Potential hat, ein zentraler Bestandteil für die zukünftige „Green Economy“ zu werden – insbesondere für das waldreiche Österreich.

Die neuartige Prozesskette zur Erzeugung und Nutzung eines wasserstoffreichen Synthesegases im Industriemaßstab wird von BEST (Bioenergy and Sustainable Technologies) umgesetzt. Gebaut wird die Anlage von der SMS Group. Die Projektleitung hat das K1 Kompetenzzentrum BEST inne. Neben den Firmenpartnern Wien Energie und SMS Group, sind auch Heinzel Paper, die Wiener Linien, Wiener Netze und Österreichischen Bundesforste am Projekt beteiligt. Als wissenschaftliche Partner nehmen die TU Wien und die Luleå University of Technology teil.

Das K1 Kompetenzzentrum BEST arbeitet seit Jahren zusammen mit dem Institut für Verfahrenstechnik der TU Wien an der Weiterentwicklung der Zwei-Bett-Wirbelschicht-Technologie zur Gaserzeugung, die bislang nur mit Holz als Brennstoff großtechnisch umgesetzt wurde.

Das Projekt wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Zuge des neun Mio. Euro COMET-Projektes „Waste2Value“ (Wertschöpfung aus Abfall) gefördert. Im Rahmen des noch bis 2023 laufenden COMET-Projektes wird die Anlage errichtet und entsprechende Betriebserfahrungen gesammelt. Die gesamte Prozesskette – vom Rohstoff, über die Gaserzeugung, Gasreinigung, Gasaufbereitung, Synthesen bis hin zur Aufbereitung und Einsatz des aufbereiteten Kraftstoffes in einem Fahrzeugtest mit den Wiener Linien – ist Gegenstand der Forschungsarbeiten von „Waste2Value“. Es handelt sich bei der Anlage um die weltweit erste Anlage dieser Art, mit der diese Technologie in einer einzigen, industrienahen und durchgehenden Prozesskette demonstriert wird.

Karl Gruber

„Wien Energie erzeugt seit Jahrzehnten aus Abfall umweltfreundlichen Strom und Wärme für tausende Haushalte – und künftig vielleicht auch grünen Treibstoff! Wir freuen uns, den Standort Simmeringer Haide für diese wichtige Forschung zur Verfügung stellen zu können und uns mit unserer Expertise im Bereich der Abfallverwertung einzubringen. Gemeinsam mit den Partnern erforschen wir hier die Herstellung von Synthesegas sowie in einem weiteren Schritt die Produktion von grünem Diesel, grünem Erdgas oder auch grünem Wasserstoff. Diese Erzeugnisse sind wesentliche Bausteine für ein klimaneutrales Energiesystem der Zukunft. Die Industrie-Pilotanlage bereitet den Weg für einen Einsatz dieser Technologie in der Praxis.“

Karl Gruber, Geschäftsführer Wien Energie

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