Projekt Beschreibung

Häuser steuern die Energie der Stadt

Das Studierendenheim GreenHouse mit 313 Wohnplätzen auf 7.000 qm in der Seestadt Aspern verbraucht, steuert und handelt seine Energie vollautomatisch – und es springt flexibel ein, um das Stromnetz zu stabilisieren. Das Wohnheim ist im Passivhaus-Standard errichtet. Der Strom für das Gebäude wird durch Photovoltaik-Anlagen am Dach erzeugt. Die Wärme- und Warmwasserversorgung erfolgen durch Fernwärme. Würden 20% der Gebäude in Wien mit dem hier eingesetzten Energie-Managementsystem ausgestattet werden, könnte ein jährlicher Gewinn von 30 Mio. Euro generiert werden.

0
0 qm
0 Mio.

Projektdetails

Im Rahmen des Forschungsprojekts Aspern Smart City Research (ASCR) wurde ein intelligentes Gebäude-Energie-Managementsystem (BEMS) entwickelt. Diese Energie-Innovation wird nun im GreenHouse getestet. Die ersten erfolgreichen Energie-Transaktionen des Energiepool-Managers machen das Marktpotenzial für Wien sichtbar.

Abgesehen von der Eigenverbrauchsoptimierung steht im Fokus der Forschungsfrage der ASCR, wie Gebäude zukünftig ihre Flexibilitäten zur Stützung des lokalen Mittel- und Niederspannungsnetzes anbieten bzw. als aktive Teilnehmer am Strommarkt agieren können.

Ein Energiepool-Manager – wie etwa der FlexPool von Wien Energie – fungiert als Schnittstelle zwischen einzelnen Gebäuden und der Strombörse. Herzstück des Systems ist die FlexPool-Software, mit welcher die Anlagen zentral gesteuert werden. Sie regelt flexible Erzeugungsanlagen, wenn zusätzlicher Strom im Netz benötigt wird, und sorgt automatisch dafür, dass die entsprechende Menge eingespeist wird.

Mit dem virtuellen Kraftwerk FlexPool können schon heute Gewerbekunden überschüssigen Strom als Regelenergie verkaufen, zusätzliche Erlöse generieren und zur Netzstabilität beitragen. Zukünftig werden solche Energiepool-Manager auch Zehntausende private Solaranlagen und Wärmepumpen intelligent aufeinander abstimmen.

Je dezentraler die Stromerzeugung wird, umso vernetzter muss das Gesamtsystem werden. Allein bis 2030 sollen zusätzliche 30 TWh erneuerbare Energie ins Netz eingespeist werden. Das kann zu Schwankungen führen. Damit die Stabilität des Stromnetzes weiter gewährleistet ist, sind alle Komponenten gefragt – von den Erzeugungsanlagen, über Verbraucher, Speicher, bis zu ganzen Gebäude. Denn in einem von immer höherer Volatilität und von zahlreichen dezentralen Anlagen geprägten Energiesystem ist der Gebäudesektor ein wesentlicher Baustein für eine erfolgreiche Energiewende.

Das im Wohnheim GreenHouse integrierte Building Energy Management System (BEMS) arbeitet bereits ideal in puncto Energieoptimierung für das Gebäude. Außerdem kommuniziert das Gebäude mit dem elektrischen Netz, wodurch wertvolle Informationen, wie der prognostizierte Stromverbrauch, ausgetauscht werden. Das ist nicht nur ein Erfolg im Sinne des Klimaschutzes. Durch den Einsatz dieser Energie-Managementsysteme sind deutliche Kosteneinsparungen möglich. Großen Einfluss auf die Kostenersparnis haben die Dynamik der variablen Strompreise und die Qualität der Prognosen.

Das Studierendenheim spart etwa durch den effizienten Einsatz eines Batteriespeichers und der Vermeidung von Strombezug zu Netzspitzenzeiten bis zu 5.000 Euro pro Jahr an Energiekosten. Auch Testabrufe von Strom-Flexibilitäten zur späteren Verwendung als Regelenergie wurden erfolgreich durchgeführt. Je nach Marktlage kann Energie ins Netz gespeist oder aus dem Netz entnommen werden, das resultiert in finanzieller Abgeltung.

Europaweit werden rund 40% der gesamten Endenergie in Gebäuden verbraucht. Das Optimierungspotential ist dabei groß. Building Energy Management Systeme (BEMS) errechnen in regelmäßigen Intervallen den voraussichtlichen Energiebedarf unter Berücksichtigung von Nutzungsgewohnheiten, Energiesparverhalten, Energieproduktion, Wetterprognose und mögliche Flexibilitäten. So lässt sich prognostizieren, wann und wie viel Überschuss produziert und ins Netz eingespeist werden könnte.

Ulli Sima

„Die in der ASCR getesteten Lösungen führen unser Energiesystem in die Zukunft und haben enormes Potential. Wenn 20 Prozent der Gebäude in Wien mit ASCR-Technologie ausgestattet werden, kann ein jährlicher Gewinn von 30 Millionen Euro generiert werden – das zeigen erste Berechnungen. So kann Energie im Sinne des Klimaschutzes effizient, CO2-neutral und ertragreich für die Stadt und die BewohnerInnen eingesetzt werden.“

Ulli Sima, Wiener Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke

Weiterführende Beiträge

Das könnte Sie auch noch interessieren!

2020-02-07T11:43:47+01:00

Viertel Zwei

Im Stadtentwicklungsgebiet VIERTEL ZWEI testet Wien Energie mit innovative Mobilitäts-, Energie- und Wohnkonzepte das urbane Leben der Zukunft. Dabei ist auch die erste Energiegemeinschaft Österreichs entstanden. Die BewohnerInnen handeln untereinander selbst erzeugten Sonnenstrom mittels Blockchain.

2020-01-23T09:21:55+01:00

Schule Digital

Wien Energie setzt neue Impulse am Weg zum Klassenzimmer der Zukunft. Bis 2022 statten wir 126 Berufsschulen, Polytechnische Schulen und Neue Mittelschulen der Stadt Wien mit flächendeckendem WLAN aus. Das Projekt umfasst ein Investitionsvolumen von 40 Mio. Euro.

2020-01-23T00:16:09+01:00

Smarte Drohnen

Inspektionen tragen einen wichtigen Teil zur nachhaltigen Funktionsfähigkeit sowie der Effizienzsicherung von technischen Anlagen bei. Immer häufiger kommen dafür Drohnen zum Einsatz. So können Solarkraftwerke, Windräder und Fernwärmeleitungen schneller, günstiger und zuverlässiger gewartet werden.