Projekt Beschreibung

Als H2-Weltmarktführer zur EU-Klimaneutralität

  • Am 8. Juli stellte die EU-Kommission ergänzend zur Strategie für eine Integration des Energiesystems ihre nachhaltige Wasserstoffstrategie zur Dekarbonisierung der Wirtschaft vor.

  • Im Mittelpunkt der Strategie steht erneuerbarer Wasserstoff. Aus Kostengründen machen Vizepräsident Frans Timmermans und Energiekommissarin Kadri Simson darauf aufmerksam, dass blauer Wasserstoff aus fossilen Quellen zumindest in einer Übergangszeit eine wichtige Rolle einnehmen wird.

  • Mit der Einrichtung einer Allianz für sauberen Wasserstoff will die Kommission mit koordinierten Anstrengungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg die EU zu einer globalen Führungsmacht im Bereich Wasserstoff machen. 

9. Juli 2020

Ein konkreter Fahrplan für eine EU-Wasserstoffwirtschaft bis 2050

Um die Klimaneutralität in Europa bis 2050 erreichen zu können, braucht es Emissionsreduktionen in allen Sektoren. Nach Meinung von Klimakommissar Frans Timmermans kann die Nutzung von Wasserstoff hierbei einen wesentlichen Beitrag leisten. Die EU-Kommission hat bereits 2018 in ihrer Langfriststrategie 2050 die Bedeutung von Wasserstoff im zukünftigen Energiemix der EU betont. Damit die im EU Green Deal verankerten ehrgeizigen Klimaambitionen sowie die Vorhaben der ebenfalls vorgestellten Strategie für eine Integration des Energiesystems auch tatsächlich umgesetzt werden können, sollen finanzielle Mittel u.a. aus InvestEU im Rahmen des Corona-Wiederaufbauplans „Next Generation EU“ entsprechende Impulse setzen. Die Strategie hält fest, dass besonders die Nutzung von grünem Wasserstoff maximiert werden könnte. Schätzungen der Kommission zufolge soll der Jahresumsatz auf 630 Milliarden Euro bis 2050 ansteigen, begleitet von etwa einer Million Arbeitsplätzen entlang der gesamten Wasserstoffwertschöpfungskette.

Jeder Wasserstoff muss (s)einen Beitrag leisten

Die Strategie geht zunächst auf die unterschiedlichen Möglichkeiten ein, Wasserstoff zu produzieren und räumt jedem Prozess – gemessen am CO2 Ausstoß – auch einen gewissen Stellenwert bei. Folgende H2-Erzeugungsverfahren greift die Strategie auf:

  • Wasserstoff aus dem Elektrolyseverfahren, ungeachtet des Ursprungs der Stromquelle
  • Erneuerbarer Wasserstoff mittels Elektrolyse aus Ökostrom
  • Erzeugung von fossilem Wasserstoff wie beispielsweise die Reformierung von Erdgas oder der Vergasung von Kohle
  • Erzeugung von fossilem Wasserstoff mit CO2-Abscheidung und -speicherung (CCS), dem so genannten blauen Wasserstoff
  • Erzeugung von kohlenstoffarmem Wasserstoff umfasst fossilen Wasserstoff mit CO2-Abscheidung (CCU) und strombasierten Wasserstoff
  • Aus Wasserstoff gewonnene synthetische Brennstoffe

Die Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff aus Ökostrom ist dabei jenes Verfahren, welches über das größte Dekarbonisierungspotenzial verfügt und am ehesten mit der Langfriststrategie der EU vereinbar ist. Aus Kostengründen macht Vizepräsident Timmermans allerdings darauf aufmerksam, dass blauer Wasserstoff aus fossilen Quellen zumindest in einer Übergangszeit eine wichtige Rolle spielen wird. Die Strategie gibt konkrete Zielvorgaben und Meilensteine für grünen Wasserstoff für die Jahre 2024, 2030 und 2050 vor. Besonders die Verwendung von grünem Wasserstoff in der Wirtschaft soll schrittweise erhöht werden.

„Da 75 % der Treibhausgasemissionen der EU auf Energie zurückgehen, brauchen wir einen Paradigmenwechsel, um unsere Ziele für 2030 und 2050 zu erreichen. Das Energiesystem der EU muss besser integriert und flexibler werden und in der Lage sein, die saubersten und kosteneffizientesten Lösungen zu nutzen. Wasserstoff wird dabei eine Schlüsselrolle spielen, da sinkende Preise für erneuerbare Energien und kontinuierliche Innovationen ihn zu einer tragfähigen Lösung für eine klimaneutrale Wirtschaft machen“, bekräftigt die für Energie zuständige Kommissarin Kadri Simson.

Phase I (2020-2024): EU-Allianz für sauberen Wasserstoff

Strategisches Ziel ist die Produktion von einer Million Tonnen grünem H2 bis 2024 mit 6 GW Elektrolyseuren für erneuerbaren Wasserstoff. Zudem soll die Errichtung großflächiger Elektrolyseure mit bis zu 100 MW ausgeweitet werden. Bereits im Rahmen der EU-Industriestrategie wurde die Schaffung einer Europäischen Allianz für sauberen Wasserstoff angekündigt. Die Allianz soll EU-Institutionen, Regierungen sowie Industrievertreter zusammenbringen, um eine vollständige Wasserstoff-Wertschöpfungskette von Produktion über Transport bis hin zur industriellen Nutzung darzustellen. Ein wichtiges Ziel der Allianz soll auch die Schaffung einer Pipeline mit groß angelegten Investitionsprojekten sein, die einen Sonderstatus als so genannte „Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse“ (Important Projects of Common European Interest, IPCEI) erhalten.

Phase II (2025-2030): Wasserstoff in einem integrierten Energiesystem

In dieser Phase soll H2 fester Bestandteil eines integrierten Energiesystems werden mit dem strategischen Ziel von 10 Mio. t erneuerbarem H2 und mind. 40 GW installierter Elektrolyseure für erneuerbaren H2 bis 2030. Aus Wasserstoff gewonnene synthetische Brennstoffe könnten im Flugverkehr, in Zügen oder Schiffen Anwendung finden und grüner H2 mittel- und langfristig als Tages- oder Saisonalspeicher genutzt werden.

Phase III: Langfristvision 2030 – 2050

In dieser Phase sollen Technologien basierend auf sauberem H2 Marktreife besitzen und weitläufig eingesetzt werden, um jene Sektoren zu dekarbonisieren, bei denen enormer Aufwand notwendig ist. Die erneuerbare Stromerzeugung muss bis dahin massiv ausgeweitet sein. Die EU-Kommission beruft sich hierbei auf Schätzungen, denen zufolge ein Viertel der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten Im Jahr 2050 für die Produktion von grünem H2 verwendet werden soll.

Grafik: Schlüsselmaßnahmen der EU-Wasserstoffstrategie

Hürden auf dem Weg zu einer H2-Wirtschaft beseitigen

Um diese angestrebten Etappenziele auch tatsächlich erreichen zu können, hat die EU-Kommission den Investitionsbedarfs auf 180-470 Mrd. € bis 2050 beziffert. Gefördert werden sollen H2-Vorhaben, beispielsweise über den EU-Innovationsfonds, sowie Projekte zur Unterstützung der gesamten H2-Wertschöpfungskette. Neben dem Sonderstatus als IPCEI soll ein Pilotprojekt für CO2-Differenzverträge eingerichtet werden. Diese Verträge dienen der Absicherung gegen einen unsicheren CO2-Preises im EU-Emissionshandel und sollen für Investitionssicherheit sorgen.

Hierfür stellt die Kommission fest, dass es regulatorische Rahmenbedingungen sowie einer umfassenden H2-Terminologie und europarechtlichen Vorgaben für die Zertifizierung von erneuerbaren Wasserstoffanwendungen braucht. Dabei soll die Integration bereits bestehender Infrastruktur sowie die notwendige Entwicklung effizienter neuer H2-Infrastruktur nicht außer Acht gelassen werden. Die Produktion von erneuerbarem und kohlenstoffarmem H2 soll ebenfalls gesteigert werden, um künftige Anwendungen im Rahmen einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie zu erleichtern, welche noch dieses Jahr vorgestellt werden soll.

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