Projekt Beschreibung

Viel Rückenwind für die österreichischen Klimaschutzambitionen

  • Mehr als drei Viertel der österreichischen Bevölkerung sehen erneuerbare Energien sehr positiv.
  • Rund zwei Drittel können sich eine Beteiligung an einer Energiegemeinschaftsanlage vorstellen.
  • Das Interesse der Bevölkerung an Elektromobilität ist weiterhin hoch.

7. Mai 2020

Der jährliche Stimmungsbarometer zur Energiewende

Wie stehen die ÖsterreicherInnen zu erneuerbaren Energien? Das untersucht jährlich die repräsentative Studie „Erneuerbare Energien in Österreich“ von der WU Wien, Uni Klagenfurt, Deloitte Österreich und Wien Energie. Die kurz vor Beginn der Corona-Krise durchgeführte Befragung von über 1.000 ÖsterreicherInnen zeigt zwei Tendenzen: Eine hohe Akzeptanz für erneuerbare Energien und eine breite Befürwortung für klimapolitische Maßnahmen.

Positive Einstellung zu erneuerbaren Energien

Generell ist die Bevölkerung erneuerbaren Energien gegenüber positiv eingestellt. 77 Prozent der Befragten sprechen sich klar dafür aus, unter den Jugendlichen sind es sogar 82 Prozent. Die Photovoltaik ist weiterhin die beliebteste erneuerbare Energietechnologie der ÖsterreicherInnen und erhält mit 88 Prozent die breiteste Zustimmung, gefolgt von der Kleinwasserkraft mit 74 Prozent und der Windkraft mit 67 Prozent.

„Die hohe Zustimmung der Österreicher hinsichtlich erneuerbarer Energien ist vor dem Hintergrund der angestrebten Klimaneutralität bis 2040 sehr wichtig. Denn Akzeptanz ist eine wesentliche Basis für die Energiewende“, so Nina Hampl, Studienautorin der Universität Klagenfurt und WU Wien.

Starke Unterstützung für aktive Klimapolitik

Für die geplanten Vorhaben der Politik in puncto Klimaschutz herrscht laut Studie großer Zuspruch. Zwei Drittel der Befragten unterstützen den Klimabonus für PendlerInnen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Ein günstiges 1-2-3-Klimaticket für öffentliche Verkehrsmittel wünscht sich eine Mehrheit von 64 Prozent, CO2-Zölle für nicht klimaneutrale Importe in die EU halten 55 Prozent für sinnvoll. Die Studie offenbart ein besonders interessantes Ergebnis: Eine ökologische Steuerreform mit weniger Steuern auf Arbeit und gerechteren Steuern auf klimabelastende Tätigkeiten ist für den Großteil der Befragten vorstellbar.

Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich, sieht daher ein Zeitfenster für die Politik: „Auch wenn die Corona-Krise derzeit alle Themen in den Schatten stellt: Der Klimawandel wird schon bald wieder auf der Tagesordnung stehen und der Druck der Bevölkerung zunehmen. Das kurze Zeitfenster nach Corona muss genutzt werden.“

Großer Zuspruch bei Energiegemeinschaften

Bereits zwei Drittel der Befragten ziehen eine aktive Beteiligung bei Energiegemeinschaftsanlagen in Betracht. Bei diesem Konzept geht es in erster Linie um die Energieerzeugung vor Ort und die Maximierung des Eigenverbrauchs erneuerbarer Energien. So können Privatpersonen gemeinsam Strom und Wärme produzieren, verbrauchen, speichern und verkaufen. Besonderen Wert wird auf die lokale und erneuerbare Energieerzeugung gelegt.

„Der Trend zu einer lokalen Produktion und weniger Abhängigkeit von außen muss genutzt werden. Energiegemeinschaften sind ein ausgezeichneter Ansatz, um eine Bedürfnislage, die durch die Corona-Krise noch stärker geworden ist, zu unterstützen“, meint Michael Strebl, Geschäftsführer von Wien Energie.

Interesse an Elektromobilität weiterhin hoch

Auch die Gruppe der potenziellen ElektroautokäuferInnen liegt mit 44 Prozent laut Studie weiterhin auf gutem Niveau. Bei den Jugendlichen ist das Kaufinteresse an Elektroautos mit 59 Prozent sogar weitaus größer. Fast die Hälfte der erwachsenen Kaufinteressierten können sich eine Anschaffung eines Elektroautos in den nächsten fünf Jahren vorstellen. Gegen ein E-Auto sprechen laut Umfrage aber noch immer die hohen Anschaffungskosten und fehlende Lademöglichkeiten. Die Versorgung der Ladestationen mit Ökostrom ist den Befragten sehr wichtig.

Michael Strebl von Wien Energie glaubt nicht, dass durch Corona und den kurzfristig gefallenen Ölpreis die Akzeptanz für Elektromobilität langfristig sinkt: „E-Autos gehören in die Stadt der Zukunft. Im öffentlichen Raum gibt es gerade in Städten bereits zahlreiche Ladestationen. In einem nächsten Schritt müssen im privaten Bereich die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert werden. Eine Modernisierung des Wohnrechts könnte etwa die Installation von Ladestationen in Mehrparteienhäusern und Eigentümergemeinschaften massiv erleichtern.“

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