Projekt Beschreibung

Elektroautos zuhause laden: Die verschiedenen Lösungen

  • Lademöglichkeiten im Eigenheim sind der Schlüssel zu mehr Elektromobilität. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Lösungen.

  • Sogenannte Einzel- bzw. Gemeinschaftslösungen bieten Vor- und Nachteile im Hinblick auf Kosten, Realisierbarkeit und Netzauslastung. 

  • Um die österreichischen Klimaziele im Verkehrsbereich kosteneffizient zu erreichen, sind  beim Ladestellenausbau intelligente Gemeinschaftlösungen den Einzellösungen gegenüber klar zu bevorzugen. 

15. September 2020

Zuhause laden – aber wie?

Die Ladezeiten bei Elektroautos dauern zu lange. Das ist eines der hartnäckigsten Vorurteile gegenüber der Elektromobilität. Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall. In Zukunft werden Ladezeiten nahezu komplett entfallen. Denn sie erfolgen zu 90% während man schläft. Grundvoraussetzung dafür ist allerdings die eigene Ladestation zu Hause. Die prophezeiten Hochlaufkurven in der Elektromobilität zeigen, dass ein massiver Ladeinfrastrukturausbau bei den NutzerInnen zu Hause unumgänglich ist. Um den Ausbau allerdings so wirtschaftlich und kundenfreundlich wie möglich zu gestalten, muss je nach Situation zwischen zwei möglichen Varianten gewählt werden: der Einzel- oder Gemeinschaftslösung.

E-Ladestation: So einfach wie ein Internetanschluss?

Eine Einzellösung eignet sich besonders in Einfamilienhäusern. Unter dieser versteht man eine einfache Wallbox mit der entsprechenden Verkabelung. Diese kann von TechnikerInnen installiert werden. So kann sehr schnell und einfach zu Hause geladen werden. Auch im Mehrfamilienhaus ist eine Einzellösung möglich, die eine Wallbox und die Verkabelung inkludiert. Diese ist allerdings nur für einzelne StellplatzeigentümerInnen bzw. MieterInnen verfügbar und nicht erweiterbar.

Die zweite Variante ist eine Gemeinschaftslösung. Darunter werden Lösungen verstanden, die aus intelligenten Ladestationen bestehen und beliebig erweiterbar sind. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Internet- bzw. Fernsehanschluss in der eigenen Wohnung. In den meisten Wohnungen ist ein Anschluss für den nachträglichen Einbau eines Internetrouters bzw. eines Fernsehreceivers vorhanden. Umgelegt auf Gemeinschaftslösungen im Rahmen der Elektromobilität bedeutet das, es werden mehrere Anschlüsse für Wallboxen an Garagenplätzen errichtet. Die eigentliche Wallbox wird zunächst noch nicht installiert. Diese wird erst und je nach Bedarf von den MieterInnen bzw. WohnungseigentümerInnen errichtet.

Die Frage der Netzauslastung

Ein Nachteil der Einzellösung ist, dass sie nicht flexibel auf die Bedürfnisse des Netzes eingehen kann. Wird diese Lösung in großem Maße realisiert, kann der erhöhte Strombedarf durch die E-Mobilität nur mit einem entsprechenden Netzausbau gedeckt werden.

Im Gegensatz dazu sind Gemeinschaftslösungen intelligent steuerbar. Sie können je nach Bedarf hoch oder runter geregelt werden. Ist die Netzauslastung beispielsweise um 18:00 Uhr besonders hoch, regelt sich die Gemeinschaftslösung automatisch runter. Als BesitzerIn eines Elektroautos bekommt man davon nichts mit. Das Auto ist in der Früh immer vollgeladen. Dadurch wird das Netz entlastet. Ein zusätzlicher Netzausbau ist mit dieser Variante daher nicht nötig. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Gemeinschaftslösung daher eindeutig zu bevorzugen.

Die Kostenfrage

Ein großer Nachteil von Einzellösungen im Mehrparteienhaus sind die hohen Anschaffungskosten für die einzelnen NutzerInnen. Grund dafür sind die notwendigen baulichen Maßnahmen. Bei einer Einzellösung müssen einzelne MieterInnen, die eine Ladestation installieren möchten, jedes Mal von Neuem die Kosten für Stemmarbeiten in der Garage, für die Elektrikarbeiten oder für Netzkosten tragen. Der Vorteil ist allerdings, dass keine vorgelagerte Infrastruktur beziehungsweise eine Vorverkabelung notwendig ist.

Bei der Gemeinschaftslösung kann einfach eine Wallbox an die vorinstallierten Anschlüsse gehängt werden. Dies macht es für den KundInnen sehr einfach, die eigene Lademöglichkeit zu realisieren. Allerdings sind die Investitionskosten für die vorgelagerte Infrastruktur entsprechend höher. Hier müssen Hausverwaltungen, GaragenbetreiberInnen oder LadestellenbetreiberInnen in Vorleistung treten.

Gemeinschaftslösungen zu bevorzugen

Bis 2030 müssen 1,5 Mio. private Lademöglichkeiten errichtet werden, um die österreichischen Klimaziele im Verkehrsbereich erreichen zu können. Das besagt eine Studie der AustriaTech. Dieser enorme Ausbau muss so kosteneeffizient wie möglich stattfinden. Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass die Belastung für die Stromnetze so gering wie möglich gehalten wird. Aus diesem Grund sind sich Energiebranche, Forschung und Verwaltung einig: Eine intelligente Gemeinschaftslösung soll gegenüber der Einzellösung in jedem Fall bevorzugt werden. Dies muss aus Sicht von Wien Energie bei der Novelle des Wohnrechts, den Förderungen für Ladeinfrastruktur und den Netzentgelten entsprechend berücksichtigt werden.

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