Projekt Beschreibung

… Gerhard Prochaska zu E-Mobilität und Netzspitzen

  • Zeitversetztes Laden ist die Lösung für mehr E-Mobilität und die Vermeidung von Netzspitzen.

  • E-Autos werden in Zukunft auch als Energiespeicher und -lieferanten dienen.

  • Die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen für das Eingreifen von Verteilnetzbetreiber zur Steuerung von E-Ladeeinrichtungen müssen national und international abgestimmt werden.

10. Februar 2021

Im Dezember 2020 wurden in Österreich knapp 3.400 Elektroautos neu zugelassen. So viele wie nie zuvor! Was beutet das für einen Verteilnetzbetreiber? Dazu haben wir Gerhard Prochaska, Abteilungsleiter Netztechnik Strom bei den Wiener Netzen, befragt. Prochaska und seine Expertise sind auch nachhörbar – am Wiener Netze Podcast „NetzImpuls“ – hier entlang, bitte!

Wie können Leistungsspitzen durch das zeitgleiche Laden der Elektroautos verhindert werden?

Netzspitzen – also der hohe Verbrauch von Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt durch Viele – sollten aus Sicht der Stromnetze in der Tat vermieden werden. Beim Thema E-Mobilität kann man Netzspitzen vermeiden, in dem man private Lademanagementsysteme einbaut. Dadurch laden E-Autos zeitlich versetzt – also nacheinander. Das wäre eine Win-Win-Situation sowohl für die KonsumentInnen als auch für den Verteilnetzbetreiber: Die KundInnen sparen, weil zusätzlicher Netzausbau vermeidbar ist oder klein gehalten werden kann. Der Netzbetreiber muss den Netzausbau „nur“ in einem angemessenen Rahmen – punktuell und moderat – managen.

Was ist beim Ausbau der Lademöglichkeiten für Elektroautos aus Sicht der Netze besonders wichtig?

Wir müssen alle Beteiligten an Bord holen: Nur wenn Infrastrukturplaner, Autohersteller, KundInnen, Bauträger, Genossenschaften und EigentümerInnen von Anfang an miteinbezogen werden, ist eine optimale Vorgehensweise möglich. Hier geht es einerseits um die Ansprüche der KundInnen und andererseits um die am Markt befindliche Produktpalette. Beides sollte aufeinander abgestimmt sein. Wenn das der Fall ist, können die Netze den notwendigen Leistungsbedarf mit den jeweiligen Maßnahmen zur Verfügung stellen.

In Zukunft wird es bei mehr E- Mobilität von entscheidender Bedeutung sein, inwieweit der Verteilnetzbetreiber in die Steuerung der Ladeeinrichtungen eingreifen kann und darf. Dafür sind rechtliche und technische Abstimmungen auf nationaler und internationaler Ebene notwendig.

Kann die Elektromobilität auch positive Effekte auf die Netzauslastung haben?

E-Autos und ihre Batterien könnten helfen, die Netzauslastung von Tag und Nacht anzugleichen. Zurzeit wird tagsüber mehr Strom verbraucht als nachts. Durch den konsequenten Einsatz von zeitversetztem Laden könnte ein Teil der Netzauslastung vom Tag in die Nacht verschoben werden. Das würde die Strom-Verbrauchskurve glätten und wäre gut für das Netz.

Wenn sehr viele E-Fahrzeuge bereitstehen, könnten diese in Zukunft auch bei der Abdeckung von Lastspitzen einspringen. Die Fachwelt spricht hier von “Vehicle to grid“ (V2G) oder auch überhaupt einem intelligenten Stromnetz, dem „Smart Grid“.

Also ja, E-Fahrzeuge könnten in Zukunft elektrotechnisch flexibel einsetzbar sein und nicht nur als Verbraucher, sondern auch als Energielieferant oder Energiespeicher dienen und so positive Effekte auf das Stromnetz haben.

Im Inteview:
Gerhard Prochaska
Leitung Netztechnik Strom,
Wiener Netze

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