Projekt Beschreibung

… Franz Kirchmeyr zur Rolle von Grünem Gas

  • Die bestehende Gasinfrastruktur muss rasch auf den Transport erneuerbarer Energien umgestellt werden.

  • Es braucht konkrete Ausbauziele für Grünes Gas bis 2030 und darüber hinaus, kombiniert mit mehreren Zwischenzielen. Die Ziele müssen von einem exklusiven Fördersystem für erneuerbare Gase begleitet werden. 

  • Wesentlicher zusätzlicher Baustein für den erfolgreichen Umstieg auf erneuerbare Gase ist eine begleitende Forschungsstrategie für die Weiterentwicklung der dafür zur Verfügung stehenden Techniken.

13. Oktober 2020

Gas ist eine zentrale Komponente der Energieversorgung Österreichs, sowohl für die Warmwasseraufbereitung, Kälte– und Stromerzeugung sowie als Kraftstoff für den Verkehrssektor. Für die Dekarbonisierung unseres Energiesystems ist eine Umstellung auf umweltfreundliche Heizsysteme, erneuerbare Energieträger oder Grünes Gas unumgänglich. Letzteres wird trotz eines enormen Potentials in Zukunft eine knappe Ressource sein. Wir haben mit Franz Kirchmeyr, Fachbereichsleiter beim Kompost & Biogas Verband Österreich, über die Rolle von Grünem Gas in unserem Energiesystem der Zukunft sowie notwendige rechtlichen Rahmenbedingungen gesprochen.

Welche Rolle sollte Grünes Gas in unserer klimaneutralen Zukunft in Österreich spielen?

Das Strom- und Gasnetz liefert in Österreich komfortabel und zuverlässig Energie zu den KundInnen. Da das Gasnetz im Vergleich zum Stromnetz jährlich die 1,5 fache Energiemenge zu den österreichischen KundInnen liefert, sollten für beide Energieträger die gleichen Rahmenbedingungen für den Umstieg auf erneuerbare Energien gelten. Zudem weist das Gasnetz die nahezu 3-fache Spitzenlast auf. Gerade in Bezug auf die immer schwieriger werdenden Genehmigungsverfahren für neue Infrastrukturprojekte muss daher darauf geachtet werden, bestehende Infrastruktur auf den Transport erneuerbarer Energien umzustellen. Die Umstellung auf erneuerbare Gase (Biomethan aus Vergärung und Vergasung sowie erneuerbarer Wasserstoff) muss daher endlich angegangen werden.

Momentan steht das Erneuerbaren Ausbau Gesetz zur Verhandlung. Was wären aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte für Grünes Gas?

Es braucht ein Mindestziel für 2030, kombiniert mit Zwischenzielen und einem weiteren Ziel über 2030 hinaus. Dabei muss sichergestellt werden, dass dieses 2030er Ziel samt dem dazu gehörigem Unterstützungssystem nur für erneuerbare Gase zu gelten hat. Das Unterstützungssystem muss dabei sowohl die Hochlaufkurve sicherstellen, als auch Investitionssicherheit für mögliche Investoren und Finanzierer gewährleisten. Entsprechend dem Entwicklungsstand der unterschiedlichen Techniken kann dabei die Hochlaufkurve der Techniken voneinander abweichen, die Förderintensität und das Fördervolumen muss aber je Energieeinheit gleich sein. Zudem muss es gewährleisten, dass nur erneuerbare Energien anrechenbar und unterstützt werden und es zu keiner Doppelanrechnung erneuerbarer Energien kommen kann.

Abseits von Förderungen, welche regulatorischen Rahmenbedingungen sind für den Ausbau von Grünem Gas essentiell?

Im Zuge der Umstellung des Gasnetzes auf die Einspeisung, Speicherung und Kundenversorgung durch erneuerbare Gase sind die Kosten ab der Übergabe der Gasnetzinfrastruktur zuzuordnen und von der Regulierungsbehörde anzuerkennen. Dies betrifft die Gasaufbereitung, die Kompression, die Messung, die Qualitätskontrolle, die Odorierung, die Netzzugangsleitung (Neuanlagen: bis 20 lfm m-3 Leistung, bestehende Anlagen die auf Einspeisung umrüsten: bis 30 lfm m-3 Leistung), Reverse-flow und die Durchleitung für erneuerbare Gase.

Wesentlicher zusätzlicher Baustein für den erfolgreichen Umstieg auf erneuerbare Gase ist eine begleitende Forschungsstrategie für die Weiterentwicklung der dafür zur Verfügung stehenden Techniken. Dabei ist ein ganzheitlicher Ansatz mit Einbeziehung der Themen der Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft zu verfolgen.

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