Projekt Beschreibung

Mit Sektorkopplung zur Energiewende

  • Sowohl die EU-Kommission als auch die Energiewirtschaft beschäftigen sich mit den Visionen eines dekarbonisierten Energiesystems bis 2050.

  • Zwei nun veröffentlichte Studien enthalten umfassende Handlungsempfehlungen für Politik und Energiewirtschaft und betonen die Notwendigkeit Innovationen voranzutreiben.

  • Durch die Sektorkopplung von Strom und Gas sowie Verkehr, Gebäude und Industrie können neue Synergien geschaffen werden und CO2-Emissionen um bis zu 60% reduziert werden.

13. Februar 2020

Das CO2-Einsparungspotenzial der Sektorkopplung

Mit über einem halben Jahr Verspätung veröffentlichte die EU-Kommission im Dezember 2019 ihre Studie zur Sektorkopplung. Diese breit angelegte Studie hatte es zum Ziel, die Vision eines dekarbonisierten EU-Energiesystems 2030 bzw. 2050 aufzuzeigen. Die Studie der EU-Kommission behandelt die Sektorkopplung hauptsächlich als die verstärkte Verschränkung von Strom und Gas.

Eine zweite, groß angelegte Studie zum Potenzial der Sektorkopplung wurde von BloombergNEF (BNEF) in Zusammenarbeit mit dem Energiemanagementunternehmen Eaton und dem norwegischen Energiekonzern Statkraft am 11. Februar 2020 veröffentlicht. Diese Studie zum Potential der Sektorkopplung bis zum Jahr 2050 umfasst im Gegensatz zur Studie der EU-Kommission die Bereiche Verkehr, Gebäude und Industrie. Die von BNEF, Statkraft und Eaton in Auftrag gegebene Studie hebt hervor, dass durch die gesteigerte Elektrifizierung der Sektoren Verkehr, Gebäude und Industrie zwischen 2020 und 2050 um 60% weniger CO2-Emissionen ausgestoßen werden könnten. Eine Einbeziehung des Stromsektors in die Sektorkopplung könnte die Treibhausgasemissionen sogar um 83% gegenüber 1990 verringern.

Grafik: Sektorkopplung in Wien

Zielsetzungen der Studien

Die von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Studie hatte den Fokus, regulatorische Barrieren und Lücken des Strom- und Gassektors in den Bereichen Markt und Infrastruktur zu identifizieren. BNEF, Statkraft und Eaton legten in ihrer Zukunftsstudie den Fokus auf die Potenziale der Sektorkopplung in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Industrie. Letztere weisen darauf hin, dass hierfür eine Steigerung der Stromerzeugungskapazitäten von 75% bis 2050 notwendig sein werde. Ziel beider Studien war die Ausarbeitung von Empfehlungen für Politik und Energiewirtschaft sowie die Entwicklung eines Level Playing Fields für erneuerbare und CO2-arme Gase mit Blick auf die Kosteneffizienz.

Barrieren der Sektorkopplung

Zur Identifizierung bestehender Hindernisse hat die EU-Kommission regulatorische Rahmenbedingungen aus 13 Mitgliedsstaaten genauer analysiert (Österreich war nicht darunter) sowie den Input europäischer Verbände und relevanter Stakeholder herangezogen. Dabei wurden folgende Barrieren identifiziert:

  • Entsprechende Technologien sind noch nicht reif: Positive Effekte von Innovation werden zu wenig in die Forschung internalisiert.
  • Technologie- und sektorspezifische Regulierung: Eine Barriere liegt beispielsweise bei der Gefahr der Endkundenbesteuerung von Stromeinspeisungskosten bei Power-to-Gas.
  • Unsicherer Zugang zur Infrastruktur von erneuerbarem Gas und fehlende Entgeltmethode für die Einspeisung von erneuerbaren und CO2-armen Gasen.
  • Unkoordinierte Infrastrukturplanung: Eine Koordinierung sowie Anreize für Betreiber bei der künftigen Nutzung der Strom- und Gasübertragungsinfrastruktur ist größtenteils nicht vorhanden.
  • Gemeinsame Standards (Interoperabilität) zwischen Strom- und Gasmarkt sind nicht gegeben.

Handlungsempfehlungen für ein dekarbonisiertes EU-Energiesystem

Basierend auf den identifizierten Barrieren wurden infolge Handlungsempfehlungen der EU-Kommission in fünf Bereichen abgeleitet:

  1. Maßnahmen und Interventionen im Rahmen der Klima- und Erneuerbarenpolitik sowie der Innovationsförderung: Hindernisse und Lücken im Zusammenhang mit der technischen Unreife der Sektorkopplung müssen beseitigt werden.
  2. Hindernisse und Lücken zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen für alle Technologien müssen vermieden werden.
  3. Anpassung des Marktdesigns und der Entgeltregelungen
  4. Schaffung größerer Klarheit beim Zugang zur Infrastruktur
  5. Erleichterung einer koordinierten Infrastrukturplanung und –stilllegung.

Zusätzlich zu den oben genannten Handlungsempfehlungen zeigt die Studie von BNEF, Statkraft und Eaton auf, dass die Sektorkopplung aufgrund der benötigten höheren Stromerzeugung mit einem Ausbau der Netzinfrastruktur einhergehen muss. Nur wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an einem Strang ziehen, wird die erfolgreiche Umsetzung der Sektorkopplung gelingen und zur Erreichung der Klimaziele beitragen.

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