Projekt Beschreibung

Renovation Wave: EU-Kommission will Renovierungsquote verdoppeln

  • In den nächsten zehn Jahren soll die Renovierungsquote mindestens verdoppelt werden, um für mehr Energie- und Ressourceneffizienz zu sorgen.

  • Bis 2030 könnten 35 Millionen Gebäude renoviert und bis zu 160.000 zusätzliche grüne Arbeitsplätze im Baugewerbe geschaffen werden.

  • Die drei Prioritäten sind die Dekarbonisierung der Wärme- und Kälteerzeugung, die Bekämpfung von Energiearmut und Maßnahmen für Gebäude mit der geringsten Energieeffizienz sowie die Renovierung öffentlicher Gebäude.

15. Oktober 2020

EU-Sanierungsrate liegt bei lediglich 1%

Rund 40% des EU-Energieverbrauchs und 36% der Treibhausgasemissionen entfallen auf Gebäude. Derzeit werden jedes Jahr etwa 11% der bestehenden Gebäude in der EU renoviert. Bei den meisten Renovierungsarbeiten geht es jedoch nicht um die Energieeffizienz. Lediglich 1% des Gebäudebestands wird durch Renovierungen jährlich energieeffizienter.

Will man das von der EU-Kommission vorgeschlagene CO2-Reduktionsziel von minus 55% bis 2030 (im Vergleich zum Jahr 1990) erreichen, müssen wirksame Maßnahmen im Gebäudesektor getroffen werden. Die Treibhausgase von Gebäuden müssen sich um 60%, ihr Endenergiebedarf um 14% und der Energieverbrauch zum Heizen und Kühlen um 18% verringern. Somit ist es von entscheidender Bedeutung, Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus energieeffizienter, weniger kohlenstoffintensiv und nachhaltiger zu gestalten.

275 Mrd. Euro pro Jahr nötig

Wie das funktionieren soll, stellte die EU-Kommission am 14. Oktober 2020 vor. Die EU-Renovierungsstrategie („Renovation Wave“) sieht vor, statt 1% des Bestands doppelt so viele Gebäude pro Jahr zu modernisieren. Das könnte auch 160.000 Jobs schaffen. Dafür seien aber jährlich 275 Mrd. Euro zusätzlicher Investitionen nötig. Die dafür notwendigen Mittel sollen aus der Aufbau- und Resilienzfazilität (ARF) im Rahmen des Wirtschaftserholungsprogramms Next Generation EU kommen. Dieser wurde mit 672,5 Mrd. Euro ausgestattet, wovon mindestens 37% der ARF-Mittel (rund 248,8 Mrd. Euro) für klimarelevante Reformen sowie Investitionen und 20% für den Bereich Digitalisierung verwendet werden sollen. Bis zum Frühjahr 2021 müssen die Mitgliedsstaaten nationale Wiederherstellungs- und Resilienzpläne vorlegen. Die Reform- und Investitionsprioritäten sollen laut EU-Kommission im Rahmen eines inklusiven Prozesses festgelegt werden.

Strengere Vorschriften und Standards für Gebäude

Die Strategie nennt drei prioritäre Bereiche: Die Dekarbonisierung der Wärme- und Kälteerzeugung, die Bekämpfung von Energiearmut und Maßnahmen für Gebäude mit der geringsten Energieeffizienz sowie die Renovierung öffentlicher Gebäude (Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungsgebäude etc.). Die Kommission sieht vor, die in der gesamten Renovierungskette – von der Planung und Finanzierung eines Projekts bis zur Fertigstellung – bestehenden Hindernisse durch eine Reihe von Maßnahmen und Instrumenten in den Bereichen Finanzierung und technische Unterstützung zu beseitigen. Dazu umfasst die Strategie folgende Leitaktionen:

  1. Strengere Vorschriften, Standards und Informationen in Bezug auf die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (schrittweise Einführung verbindlicher Mindestnormen für die Gesamtenergieeffizienz bestehender Gebäude, aktualisierte Vorschriften für Energieeffizienzausweise und eine etwaige Ausweitung der Renovierungsanforderungen für den öffentlichen Sektor)
  2. Leicht zugängliche und gezielte finanzielle Unterstützung, unter anderem aus dem Corona-Aufbauplan Next Generation EU
  3. Ausbau der Kapazitäten für die Vorbereitung und Durchführung von Renovierungsprojekten
  4. Ausweitung des Marktes für nachhaltige Bauprodukte und -leistungen
  5. Ein neues europäisches Bauhaus: Ein interdisziplinäres Projekt, dem ein Beratungsgremium aus externen Sachverständigen aus Wissenschaft, Architektur, Design, Kunst, Planung und Zivilgesellschaft vorstehen wird
  6. Entwicklung von stadtteilbezogenen Konzepten für lokale Gemeinschaften, um auf erneuerbaren Energien und Digitalisierung basierende Lösungen zu integrieren und Bezirke mit ausgeglichener Energiebilanz zu schaffen, in denen die VerbraucherInnen zu Prosumern werden, die Energie an das Netz verkaufen.

Mit Effizienzmaßnahmen Energiearmut bekämpfen

Fast 34 Millionen EuropäerInnen haben finanzielle Probleme, die dazu führen, dass sie sich unter anderem nicht leisten können, ihre Wohnung zu heizen. Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz dienen daher auch zur Bekämpfung von Energiearmut. Die Kommission hat dahingehend eine an die Mitgliedsstaaten gerichtete Empfehlung zur Bekämpfung von Energiearmut veröffentlicht.

Die Renovierungswelle zielt also nicht nur darauf ab, den vorhandenen Gebäudebestand energieeffizienter und klimaneutral zu gestalten. Sie kann auch als Chance verstanden werden, einen zukunftsorientierten Prozess einzuleiten, mit dem Nachhaltigkeit, Ästhetik und Leistbarkeit von Gebäuden in Einklang gebracht werden.

„In Europa sollen Beleuchtung, Heizung oder Kühlung der eigenen vier Wände kein Luxus sein, der verheerende Folgen für die Finanzen oder den Planeten hat. Durch die Renovierungswelle werden die Gebäude, in denen wir arbeiten, leben und lernen, verbessert. Gleichzeitig werden unsere Auswirkungen auf die Umwelt verringert und Tausende von Arbeitsplätze für die Menschen in Europa entstehen. Wir brauchen bessere Gebäude, wenn uns an einem besseren Wiederaufbau gelegen ist,“ so Frans Timmermans, EU-Klimaschutzkommissar.

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