Projekt Beschreibung

Gebäude als Schlüsselbereich der Transformation

Gebäude spielen beim Umbau unseres Energiesystems und der Erreichung von Klimazielen eine zentrale Rolle. Denn der Gebäudesektor ist für etwa ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das Bauwesen zählt somit zu den ressourcenintensiven Wirtschaftszweigen. Um die Klimaneutralität in Österreich bis 2040 erreichen zu können, braucht es Emissionsreduktionen in allen Sektoren. Dazu müssen fossile Energien verdrängt und der Energieverbrauch deutlich reduziert werden.

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Einfach erklärt

Verantwortlich für den hohen CO2-Ausstoß im Gebäudesektor sind vor allem klimaschädliche Heizsysteme und ineffiziente Gebäudehüllen von alten Gebäuden. Eine weitgehende Dekarbonisierung kann daher nur erreicht werden, wenn neue Gebäude im Niedrigstenergiestandard gebaut, bestehende Gebäude umfassend saniert und die Wärme- bzw. Energieversorgung der Gebäude schrittweise auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden. Gebäude sind somit ein Schlüsselbereich der Transformation und bieten noch viel Einsparpotential.

Den rechtlichen Rahmen bilden die Richtlinie des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB-RL) und die Bauordnungen der Länder, welche auf der EU-Gebäuderichtlinie basieren. Darin werden die Mindestanforderungen an die Gebäudetechnik und Heizsysteme geregelt.

Gebäude sollen gemäß der europäischen Gebäuderichtlinie einen „nahe bei Null liegenden“ (nearly zero) Energiebedarf aufweisen, der zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen – einschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen, die am Standort oder in der Nähe erzeugt wird – gedeckt wird. Gemäß dieser europäischen Vereinbarung ist der Niedrigstenergie-Standard im Neubau zur Mindestanforderung geworden. Auf Grund einer speziellen Interpretation des europäischen Standards „Nearly-Zero-Energy-Building“ gelten in Österreich für großvolumige Gebäude deutlich niedrigere Grenzwerte für den Heizwärmebedarf als für Einfamilienhäuser. Für großvolumige Neubauten gelten damit in Punkto Wärmeschutz Anforderungen nahe dem Passivhausstandard.

Die Mindestanforderungen für Neubauten und größere Sanierungen orientieren sich an der EU-weiten Vorgabe des Niedrigstenergie-Standards (Nearly Zero Energy Building, nZEB). Die nationalen Vorgaben finden sich in der OIB-Richtlinie 6.

Ein Passivhaus kann im Regelfall ohne Zufuhr von Heizwärme warm gehalten werden. Laut ursprünglicher Definition ist ein Passivhaus ein Gebäude, in welchem die thermische Behaglichkeit (ISO 7730) allein durch Nachheizen oder Nachkühlen des Frischluftvolumenstroms, der für ausreichende Luftqualität (DIN 1946) erforderlich ist, gewährleistet wird ohne dazu zusätzlich Umluft zu verwenden. Die Beheizung über das Lüftungssystem ist aber kein Muss. Der geringe Heizwärmebedarf kann z.B. auch über Flächenheizungen (Fußbodenheizung, Bauteilaktivierung in der Decke) eingebracht werden.

Bei einem Plus-Energie-Gebäude liegt der jährliche Primärenergieverbrauch – vor dem Hintergrund höchster Energieeffizienz – unter der vor Ort produzierten erneuerbaren Energie. Unter „vor Ort“ wird innerhalb der Grenzen der Siedlung oder des Gebäudes bzw. in unmittelbarer Nachbarschaft verstanden. Es ist – wie das Nullenergiehaus – ein Bilanzmodell.

Ein Energieausweis muss vorgelegt werden, um über den energietechnischen Zustand eines Gebäudes zu informieren. Dieser gibt die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes an. Er ist nach den Bedingungen der jeweiligen technischen Bauvorschriften – welche landesrechtlich geregelt sind – zu erstellen. In Österreich sind die Details durch Landesgesetze und das Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG) geregelt. Abhängig von den jeweiligen Bauvorschriften der einzelnen Bundesländer kann der Energieausweis etwas unterschiedlich ausgestaltet sein.

Der Energieausweis für Gebäude ist ein nach gesetzlich geregelten Methoden entwickeltes Dokument, welches eine Immobilie im Hinblick auf ihren Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser anhand verschiedener Kennwerte bewertet. Er enthält aber keine Garantie für einen bestimmten Energieverbrauch, da dieser vom Nutzverhalten abhängig ist. Der Energieausweis für Wohngebäude muss laut OIB-Richtlinie 6 folgende Werte enthalten:

  • HWBRef: Der Referenz-Heizwärmebedarf ist jene Wärmemenge, die in den Räumen bereitgestellt werden muss, um diese auf einer normativ geforderten Raumtemperatur, ohne Berücksichtigung allfälliger Erträge aus Wärmerückgewinnung, zu halten.
  • WWWB: Der Warmwasserwärmebedarf ist jener Energiebedarf, welcher für die Warmwasserbereitstellung erforderlich ist. Dieser ist in Abhängigkeit der Gebäudekategorie als flächenbezogener Defaultwert (vorgegebene Angabe) festgelegt. Er entspricht ca. einem Liter Wasser je Quadratmeter Brutto-Grundfläche, welcher um ca. 30 Grad (also beispielsweise von 10 Grad auf 40 Grad) erwärmt wird.
  • HEB: Beim Heizenergiebedarf werden zusätzlich zum Heiz- und Warmwasserwärmebedarf die Verluste des gebäudetechnischen Systems berücksichtigt. Dazu zählen insbesondere die Verluste der Wärmebereitstellung, Wärmeverteilung, Wärmespeicherung und Wärmeabgabe sowie allfälliger Hilfsenergie.
  • HHSB: Der Haushaltsstrombedarf ist als flächenbezogener Defaultwert festgelegt. Er entspricht in etwa dem durchschnittlichen flächenbezogenen Stromverbrauch eines österreichischen Haushalts.
  • EEB: Der Endenergiebedarf umfasst zusätzlich zum Heizenergiebedarf den Haushaltsstrombedarf, abzüglich allfälliger Endenergieerträge und zuzüglich eines dafür notwendigen Hilfsenergiebedarfs. Der Endenergiebedarf entspricht jener Energiemenge, die eingekauft werden muss (Lieferenergiebedarf).
  • fGEE: Der Gesamtenergieeffizienz-Faktor ist der Quotient aus einerseits dem Endenergiebedarf abzüglich allfälliger Endenergieerträge und zuzüglich des dafür notwendigen Hilfsenergiebedarfs und andererseits einem Referenz-Endenergiebedarf.
  • PEB: Der Primärenergiebedarf ist der Endenergiebedarf einschließlich der Verluste in allen Vorketten. Der Primärenergiebedarf weist einen erneuerbaren (PEBern.) und einen nicht erneuerbaren (PEBn.ern.) Anteil auf.
  • CO2eq: Gesamte dem Endenergiebedarf zuzurechnenden äquivalenten Kohlendioxidemissionen (Treibhausgase), einschließlich jener für Vorketten.
  • RK: Das Referenzklima ist ein virtuelles Klima. Es dient zur Ermittlung von Energiekennzahlen.
  • SK: Das Standortklima ist das reale Klima am Gebäudestandort.

Alle Werte gelten unter der Annahme eines normierten BenutzerInnenverhaltens. Sie geben den Jahresbedarf pro Quadratmeter beheizter Brutto-Grundfläche an.

Der/die Energieausweisersteller/in gibt in die normierte Berechnung die Energieeffizienz der im Gebäude gewählten Heizanlage ein. Dabei spielen nicht nur die Wirkungsgrade von Wärmeerzeugern eine Rolle, sondern u.a. auch Verluste im Verteilsystem. Die Mindestanforderungen sind für die unterschiedlichen Heizungssysteme in der OIB-Richtlinie angegeben.

Da für die Berechnung oft Defaultwerte und nicht die tatsächlichen Werte eingegeben werden – was zulässig ist – kann die tatsächliche Performance einer Heizanlagen von den errechneten Werten abweichen.

Der Heizwärmebedarf (HWB) beschreibt jene Wärmemenge, welche den Räumen rechnerisch zur Beheizung zugeführt werden muss. Diese Energiekennzahl wird in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a) angegeben. Durch ihn können Rückschlüsse auf den Wärmeschutz des Gebäudes gezogen werden und somit die thermische Qualität der Gebäudehülle beschreiben. Sanierungsbedürftige Gebäude befinden sich im roten und gelben Bereich, Neubauten und gut modernisierte Gebäude im grünen.

Der Energieausweis zeigt damit die großen Unterschiede von Gebäuden. Während die beste Klasse (Klasse A++) einen HWB-Wert von 10 kWh/m²a hat, liegt dieser in der schlechtesten Klasse (Klasse G) bei > 250 kWh/m²a, ist also mindestens um das 25-fache höher. Bei der CO2,eq reichen die Klassengrenzen von 8 kg/m²a (Klasse A++) bis > 70 kg/m²a (Klasse G).

Der Gesamtenergieeffizienzfaktor (fGEE) vergleicht das Gebäude mit einem Referenzobjekt mit dem Baustandard aus 2007. Es kann somit abgeschätzt werden, ob es sich beim vorliegenden Gebäude um ein energetisch besseres (fGEE < 1) oder energetisch schlechteres  (fGEE > 1) Gebäude handelt. Je höher der fGEE, desto schlechter ist das Gebäude. Die Klassengrenzen reichen hier von o,55 (Klasse A++) bis > 4,00 (Klasse G).

Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie sieht einen neuen Indikator vor, der zeigen soll inwieweit ein Gebäude für ein weitgehend dekarbonisiertes, erneuerbares Energiesystem vorbereitet ist.

Dieser sogenannte Smart Readiness Indicator (SRI) bewertet das Potential eines Gebäudes, den Energiebezug an die momentane Verfügbarkeit (volatiler) erneuerbarer Energie durch Lastverschiebung und Speicherung anzupassen. Dieser soll als neuer Kennwert vorzugsweise im Energieausweis integriert werden.

Die Grundanforderungen (Mechanische Festigkeit und Standsicherheit, Brandschutz, Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz, Sicherheit und Barrierefreiheit, Schallschutz, Energieeinsparung und Wärmeschutz, Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen) an Bauwerke in der EU sind zum Großteil in der EU-Gebäuderichtlinie definiert. Während die ersten sechs Themenbereiche mit sechs OIB-Richtlinien über die Bauordnungen in nationales Recht übernommen wurden, fehlt bislang eine Richtlinie zur Nachhaltigkeit in der die Kreislauffähigkeit behandelt wird.

Weltweit wurden Gebäudezertifizierungen entwickelt, die freiwillig beauftragt werden. Diese sollen zeigen, dass das beurteilte Gebäude nachweisliche Qualitäten aufweist, die in den entsprechenden Punkten über das übliche Niveau hinausgehen. Die Systeme unterscheiden sich auf Grund ihrer Herkunft, durch die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, ihre Marktpräsenz und die für die Zertifizierung anfallenden Kosten. In Österreich werden derzeit vor allem folgende Bewertungssysteme angeboten:

  • klimaaktiv, die Gebäudebewertung im Rahmen der Initiative des Bundesministeriums für Klimaschutz, ist eine Selbstdeklaration mit Plausibilitätskontrolle für Wohnbau und weitere Gebäudearten, Neubau und Sanierung. Der Schwerpunkt liegt auf Energiekriterien. Ein eigenes Bewertungsinstrument gibt es für die Siedlungsentwicklung.
  • TQB (Total Quality Building) – ÖGNB (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), ist ein umfassendes Gebäudebewertungssystem und im Energiebereich mit klimaaktiv kompatibel. Angewendet wird es u.a. in der Seestadt Aspern, wo rund 30 neue Gebäude jeglicher Nutzungsart mit diesem Bewertungssystem qualitätsgesichert werden.
  • Die DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) wird in Österreich von der ÖGNI (Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft) vertreten. Der Anspruch lautet, allen Aspekten des nachhaltigen Bauens eine gleich große Bedeutung zuzumessen. ÖGNI zertifiziert mit dem DGNB-System und der blueCARD nachhaltige Gebäude und Stadtquartiere.
  • Der IBO Ökopass ist ein speziell auf Wohnhausanlagen ausgerichteter Gebäudepass. Ziel ist der Nachweis der baubiologischen und bauökologischen Qualität. Grundlagen sind die Ergebnisse und Beurteilungen anhand von Planungsunterlagen, Berechnungen, Messungen und Baubegehungen, die in einem umfassenden Bewertungsbericht dokumentiert sind.
  • EU Green Building ist ein Programm der EU, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen und enthält nur ein Energiekriterium, nämlich dass die national höchst zulässigen Verbrauchsziele um 25% (in Österreich: OIB-Richtlinie 6 bzw. Bauordnungen der Länder) unterschritten werden. Ausgezeichnet oder zertifiziert wird auch nicht das eigentliche Gebäude, sondern die jeweiligen Bauherren. Wohngebäude werden nicht bewertet, ausgezeichnet wird der/die BauherrIn für exemplarisch gesetzte Energieeffizienzmaßnahmen.

Nachstehend ist ein Muster des Energieausweises für Wohngebäude nach OIB-Richtlinie 6 abgebildet.

energieausweis oib richtlinie 6

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