Projekt Beschreibung

Deutschlands Weg zum H2-Marktführer

  • Im Juni 2020 hat Deutschland seine Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Sie fokussiert sich langfristig auf grünen, mittelfristig auf blauen und türkisen Wasserstoff.

  • Die Strategie umfasst drei Entwicklungsphasen und 38 Maßnahmen, um bis 2040 einen internationalen Markt zu etablieren sowie 10 GW Elektrolyseurleistung zu realisieren.

  • Der Schwerpunkt liegt – analog zur EU-Strategie – auf der Nutzung von Wasserstoff im Industrie- und Mobilitätssektor. Der Wärmesektor spielt eine untergeordnete Rolle.

2. März 2021

9 Milliarden Euro für den H2-Rollout

Deutschland möchte entlang der gesamten Wertschöpfungskette zum weltweit führenden Wasserstoffanbieter werden. Mit dem Wasserstoff-Rollout soll die Dekarbonisierung unterschiedlicher Sektoren (Schwerlastverkehr, See- und Flugverkehr, Stahl- und Zementindustrie) vorangetrieben werden und so bis 2050 Klimaneutralität erreicht werden. Die Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) schreibt Zeitplan und Maßnahmen für dieses Vorhaben fest. Sie wurde im Juni 2020 von der deutschen Bundesregierung beschlossen. Kostenpunkt: rund 9 Milliarden Euro.

10 GW Elektrolyseleistung bis 2040

Die Strategie weist viele Gemeinsamkeiten zur Wasserstoffstrategie der EU-Kommission auf. Sie fokussiert sich langfristig auf den Einsatz von grünen Wasserstoff. Kurz- und mittelfristig ist aber auch die Produktion und Nutzung von blauem und türkisem Wasserstoff vorgesehen. Beim Markthochlauf wird zwischen drei Phasen unterschieden, die ebenso der europäischen H2-Strategie ähneln. Konkrete Maßnahmen zur Erreichung der Ziele sind nur für die erste Phase definiert:

  • In der ersten Phase (bis 2024) soll der Markthochlauf gestartet und Chancen genutzt werden.
  • In der zweiten Phase von 2024 bis 2030 ist eine Stärkung des Markthochlaufs auf (inter-)nationaler Ebene geplant. Bis 2030 sollen 5 GW an Elektrolyseleistung gebaut werden.
  • In der dritten Phase bis spätestens 2040 sollen weitere 5 GW, auf insgesamt 10 GW Elektrolyseurleistung, zugebaut werden.

38 Maßnahmen rund um grünen Wasserstoff

Maßnahmen auf der Erzeugungsseite sind u.a. die Befreiung von staatlichen Umlagen (z.B. EEG-Umlage) für Elektrolyseure und die Einführung einer sektorübergreifende CO2-Bepreisung für Wärme und Verkehr. Sie sollen die Stromproduktion aus Erneuerbaren ankurbeln. Zudem sollen neue Geschäfts- und Kooperationsmodelle von Elektrolyseur-Betreibern mit Strom- und Gasnetzbetreibern in Modellprojekten umgesetzt werden.

Auf der Nachfrageseite soll – analog zur EU-Ebene – der Fokus auf die Nutzung von Wasserstoff im Industrie- und Mobilitätssektor gelegt werden. In der Industrie liegt ein besonderes Augenmerk auf Investitionsförderprogrammen für Elektrolyseure und die Unterstützung des Betriebs von Elektrolyseuren durch Carbon Contracts for Difference (CfD).  Mit diesem Mechanismus sollen unsichere Preisentwicklungen abgesichert und neue Technologien wettbewerbsfähig gemacht werden. Marktsteuerungsmaßnahmen wie z.B. Nachfragequoten für grünen Stahl sind ebenso geplant. Gemeinsam mit Stakeholdern soll eine langfristige Dekarbonisierungsstrategie für die Chemie-, Stahl-, Logistik- und Luftfahrtbranche ausgearbeitet werden.

Im Mobilitätsbereich sollen regulatorische Maßnahmen wie z.B. die RED II sowie die Clean Vehicles Directive (CVD) zeitnah umgesetzt und eingehalten werden. Gleichzeitig sind der Aufbau einer Tank- und Ladeinfrastruktur sowie die Entwicklung von Standards für Brennstoffzellenfahrzeuge geplant. Für diese Fahrzeuge soll es auch finanzielle Zuschüsse geben.

Die Maßnahmen im Wärmesektor beschränken sich auf die Prüfung der Förderung der H2-Readiness von Anlagen sowie die Förderung für Brennstoffzellenheizgeräten. Im Infrastrukturbereich sollen Fördermittel zur H2-Readiness von Gasnetzen eingesetzt und ein Markterkundungsverfahren zur Umwidmung von Gasnetzen eingeleitet werden.

Zur Schaffung eines internationalen Wasserstoffmarktes setzt Deutschland auf internationale Kooperationen. So soll gemeinsam mit der Industrie, Wirtschaft und Zivilgesellschaft eine Wasserstoff-Roadmap als Kompass entwickelt, Kooperation mit EU-Mitgliedstaaten (insb. Nord- und Ostseeanrainern sowie Südeuropa) und Pilotprojekte umgesetzt werden. Eine Kostendegression und Versorgungssicherheit soll damit gewährleistet werden.

Und was kann Österreich tun, um mit Deutschland mitzuhalten?

Erneuerbarer Wasserstoff stellt durch seine vielfältigen Einsatzgebiete in Mobilität, Industrie und Energiespeicherung auch ein Schlüsselelement der österreichischen Energiewende dar. Damit das Wasserstoffpotential künftig voll ausgeschöpft werden kann, müssen schon heute die entsprechenden Rahmenbedingungen und Anreize für den zeitnahen Rollout geschaffen und die anwendungsorientierte Forschung initiiert werden. Eine Österreichische Wasserstoffstrategie befindet sich zurzeit in Arbeit. Darin muss aus Sicht von Wien Energie sichergestellt werden, dass auch in Österreich finanzielle Anreize (wie z.B. die Befreiung von Netzkosten und Abgaben für Elekrolyseure) gesetzt werden und der Ausbau von Wasserstofftankstellen massiv gefördert wird, damit die Clean Vehicles Directive zur Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs eingehalten werden kann. Um eine maximale Transparenz für alle MarktteilnehmerInnen zu schaffen, sollte zudem eine vollständige Kennzeichnung aller (nicht) erneuerbaren Gase (inkl. Ausweis des CO2-Fußabdrucks) etabliert werden. Eine Zertifizierung von „grauem Wasserstoff“ über Herkunftsnachweise muss dabei ausgeschlossen werden können.

Autorin:
Ramona Wendtner
Public Affairs Trainee,
Wien Energie

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