Project Description

Unsere Vision für ein CO2-freies Wien

Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, ist eine massive CO2-Reduktion („Dekarbonisierung“) erforderlich. Die wachsenden Städte Europas spielen dabei eine wesentliche Rolle. Zusammen mit Ecofys ging Wien Energie der Frage nach, ob und wie der Großraum Wien bis 2050 dekarbonisiert werden kann. Damit Wien auch in Zukunft die lebenswerteste Stadt der Welt bleibt, muss heute in die Dekarbonisierung von Verkehr, Wärme und Strom investiert werden.

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100 % CO2
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Studienergebnisse

Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass eine Dekarbonisierung bis 2050 theoretisch machbar ist, wenn die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. Die Verkehrs- und Wärmewende bieten dabei das größte Potential zur CO2-Reduktion. Somit muss die Dekarbonisierung des Energiesystems über die Umstellung auf erneuerbaren Strom hinausgedacht werden. Um die CO2-Emissionen massiv zu reduzieren, ist eine starke Reduktion des Endenergieverbrauches zwingend erforderlich. Zudem müssen das Strom-, Wärme- und Verkehrssystem komplett auf Erneuerbare umgestellt werden.

Ein massiver Ausbau der Erneuerbaren wird benötigt. Für Wien ist insbesondere die Photovoltaik auf Gebäuden, aber auch auf Flächen von Bedeutung. Auch die Wind- und Wasserkraftpotentiale in Österreich müssen – ökologisch vertretbar – voll genutzt werden.  Um Netzspitzen auszugleichen, müssen Speichertechnologien und Demand-Side-Management deutlich zunehmen. Damit die Versorgungssicherheit effizient gewährleistet wird, müssen weiterhin hocheffiziente KWK-Anlagen genutzt werden, die ab 2025 Schritt für Schritt von Erdgas auf synthetische Gase umgestellt werden.

Um die Mobilität der Zukunft nachhaltig zu gestalten, muss ein grundsätzlicher Wechsel vom motorisierten Individualverkehr hin zu einer verstärkten Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, des Fahrrads sowie von Fußwegen erfolgen. LKWs werden erneuerbare Kraftstoffe (z.B. Wasserstoff) nutzen. Die verbleibenden PKWs und leichten Nutzfahrzeuge müssen bis 2050 zu 100% auf elektrische Antriebe umgestellt werden. Bis 2020 schafft Wien Energie mit dem Bau 1.000 öffentlicher E-Ladestellen ein flächendeckendes Basis-Ladenetz. Kein Punkt im Wiener Stadtgebiet wird dann mehr als 400 m von einer Ladestelle entfernt sein.

Der Endenergieverbrauch im Gebäudebereich muss reduziert werden, um eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien überhaupt möglich zu machen. Die Fernwärme, mit verstärkter Einbindung von Geothermie und Großwärmepumpen, ist dabei der wichtigste und kostengünstigste Hebel. Dort wo Fernwärme nicht möglich ist, muss der Ausbau dezentraler Wärmeerzeugung durch Wärmepumpen und Niedertemperaturnetze forciert werden. Zur Spitzenlastabdeckung an kalten Wintertage sind auch noch 2050 mit Grünem Gas betriebene zentrale und dezentrale Wärmeerzeuger inklusive Gasnetz erforderlich.

Nachstehende Grafik vergleicht das Dekarbonisierungsszenario 2050 mit der Ausgangslage 2015.

Notwendige Rahmenbedingungen

Um die Vision eines CO2-freien Wien Wirklichkeit werden zu lassen, ist eine massive Anstrengung aller beteiligten Akteure und der Zivilgesellschaft die Voraussetzung.

  • Effizientes Fördersystem (z.B. Kombination aus Marktprämie & Investitionsförderung mit technologiespezifischer Ausgestaltung) zur Unterstützung des Ausbaus von Photovoltaik, Wind-, und Wasserkraft.
  • Ein klares Bekenntnis zum Ausbau von PV-Anlagen, vor allem von großflächige Freiflächenanlagen
  • Sicherstellung der Versorgungssicherheit durch hocheffiziente KWK-Anlagen
  • Klare Rahmenbedingungen und Unterstützungen für Speicher
  • Erstellung eines Konzepts für den beschleunigten, flächendeckenden Rollout von Elektromobilität
  • Regulatorische Anpassungen und finanzielle Anreize, um den Ausbau von privater Ladeinfrastruktur zu erleichtern
  • Anreizsystem für alternative Kraftstoffe für den Schwerlastverkehr, inklusive Förderung der benötigten Infrastruktur, z.B. bleibende Befreiung erneuerbarer Gase von Mineralölsteuer und Erdgasabgabe
  • Anreizsystem für den raschen Ausbau des Fernwärmenetzes
  • Investitionsanreize und Forschungsförderung zur Ausschöpfung des Geothermiepotentials
  • Anreizsystem für den beschleunigten Ausbau dezentraler Wärmepumpen
  • Förderung innovativer Grünes-Gas-Projekte für die Abdeckung der Spitzenlast
  • Bestandssicherung hocheffizienter KWK-Anlagen, die zur Wärmeversorgung und Systemstabilisierung benötigt werden und mittelfristig mit erneuerbarem Gas betrieben werden können

Notwendige Investitionen

Die volkswirtschaftlichen Investitionskosten für das Dekarbonisierungsszenario betragen rund 29 Mrd. Euro.

Das größte Investitionsvolumen braucht der Wärmesektor mit 13 Mio. Euro. Der Einsatz von Grünem Gas kostet acht Mio. Euro. Weitere sechs Mio. bedarf die Dekarbonisierung des Stromsektors. Den geringsten Investitionsbedarf hat der Verkehrssektor mit zwei Mio. Euro. Somit ergibt sich eine Gesamtsumme von 29 Mio. Euro.

  • Im Stromsektor haben Wind- und Wasserkraft bei steigenden Strompreisen zukünftig einen geringen Förderbedarf. Photovoltaik, vor allem in großem Maßstab, stellt sich auch als zunehmend wirtschaftlich dar.
  • Im Verkehrssektor bedarf es einer Anschubfinanzierung für die E-Mobilität. Diese wird aber langfristig zum starken Selbstläufer.
  • Im Wärmesektor ist Fernwärme die günstigste Wärmemaßnahme zur Dekarbonisierung. Der Einsatz von Wasserstoff ist um den Faktor zehn teurer. Gebäude, die aus baulichen Gründen saniert werden, müssen auch energetisch saniert werden. Eine Sanierung über dieses Maß hinaus ist deutlich kostenintensiver. Biogas befindet sich auf einem ähnlichen Kostenniveau wie die Umstellung auf Wärmepumpen im Bereich von Mehrfamilienhäusern. Im Vergleich zu Wasserstoff und Gebäudevollsanierung ist Biogas deutlich günstiger.

Weil Bilder mehr als 1.000 Worte sagen

Diese Grafiken liefern anschauliche Einblicke in die Studienergebnisse!

Zeitstrahl des Dekarbonisierungsszenarios
Vermeidungskosten je Maßnahme

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