Projekt Beschreibung

Gastbeitrag: Raus aus Gas in der Wärmeversorgung? Wien will es wissen!

  • Seit Herbst 2020 widmet sich die Stadt Wien gemeinsam mit den Stadtwerken und dem Energy Center von Urban Innovation Vienna im Rahmen eines neuen EU-Projekts der Wärmewende.

  • Ziel ist der Aufbau von Planungskapazitäten und Know-how zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in den beteiligten Städten Wien, Bilbao, Bratislava, Dublin, München, Rotterdam und Winterthur.

  • Unterstützt von renommierten Forschungspartnern erarbeiten die Städte mit ihren lokalen Schlüsselakteuren Versorgungsoptionen und konkrete Fahrpläne.

16. Februar 2021

Urbane Wärmeversorgung dekarbonisieren

In Wien entfällt mehr als ein Drittel des Energiebedarfs aufs Heizen und Kühlen von Gebäuden. Klimaneutralität zu erreichen, ist im Wärmesektor wahrscheinlich am schwierigsten, da Hunderttausende Haus- und Etagenheizungen ersetzt werden müssen. Das EU-Projekt „Decarb City Pipes 2050 – Transition Roadmaps to energy efficient, zero-carbon urban heating and cooling” entwickelt Lösungen und Wege für eine gelingende Transformation der Wärmeversorgung, die derzeit überwiegend auf Erdgas basiert.

Eine besondere Herausforderung in Städten ist die Dekarbonisierung der rohrleitungsgebundenen Wärmeversorgung – Erdgas und Fernwärme. Hier gibt es komplexe Fragestellungen bei der Planung und Umsetzung von erneuerbaren, energieeffizienten Lösungen: Welche Versorgungsoptionen eignen sich für den dichten urbanen Raum? Wie viele kosten diese und wann ist der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung? Wie plant man Umbau, Entflechtung und die Modernisierung der Leitungsinfrastruktur intelligent? Inwieweit ermöglichen die vorgeschlagenen Lösungen eine reibungslose Sektorintegration von Wärme, Kälte und Strom? Wie gewinnt man BürgerInnen und andere wichtige Akteure für dieses Vorhaben?

Wissenslücken schließen

Um diese Fragen zu beantworten, braucht es ein hohes Maß an Wissen und Kompetenz, es braucht vertrauensvolle Dialogforen und finanzielle wie rechtliche Rahmenbedingungen. Und daran fehlt es in den meisten Städten. Auch Wien kann hier noch viel lernen – im Dialog der Wiener Partner untereinander und von anderen Städten im Konsortium.

Sieben Städte arbeiten in diesem Projekt zusammen, um voneinander zu lernen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Während der nächsten drei Jahre bauen sie – vorwiegend im Rahmen von Arbeitsgruppen („Local Working Groups“) – ihr Wissen und die Kompetenz in der Nutzung von Planungsinstrumenten in technisch-wirtschaftlichen sowie rechtlichen Fragestellungen und im Prozessmanagement auf.

In intensivem Austausch teilen Städte und städtische Energieversorger ihr Wissen, um von den Perspektiven, Fortschritten und der Planungsarbeit anderer zu profitieren. Unter Leitung des europäischen Städtenetzwerks Energy Cities werden die erarbeiteten Erkenntnisse zur Nachahmung für Städte in der ganzen EU aufbereitet und weitergegeben.

Renommierte Unterstützung

Ein internationales Advisory Board aus „Schwergewichten“ der KennerInnen der europäischen Energiepolitik, -wirtschaft, -consulting und -industrie sowie der Zivilgesellschaft, wie der ehemalige EU-Energiekommissar Andris Piebalgs, Kees van der Leun (Guidehouse) oder Pallas Agterberg, Director of Strategies Alliander, unterstützt die Städte und Projektpartner mit langjähriger Expertise bei diesem herausfordernden Unterfangen.

Hebel für Klimaneutralität in Wien

Die Wiener Stadtregierung hat sich, so wie die österreichische Bundesregierung, eine Wärmewende zum Ziel gesetzt, die zu einem Ausstieg aus fossilen Energieträgern für Heizung, Kühlung und Warmwasserbereitung bis 2040 führt. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird ein Konzept für den schrittweisen Umstieg fossiler Heizsysteme in Bestandsgebäuden bis 2040 zu Fernwärme und erneuerbaren Heizformen erarbeitet. Die geschaffenen Kapazitäten und Strukturen des „Decarb City Pipes“-Konzeptes können die neue Wiener Stadtregierung optimal dabei unterstützen.

Auftraggeber: Finanziert durch das Programm „Horizont 2020“ der Europäischen Union
Laufzeit: 07/2020 – 08/2023
Projektleitung: Energy Center, Urban Innovation Vienna GmbH, Österreich

Partner: Stadt Wien, Magistratsabteilung für Energieplanung (MA20) Österreich; Stadt Rotterdam, Niederlande; City of Dublin Energy Management Agency Limited – Codema, Irland; Stadt Bratislava, Slowakei; Stadt Bilbao, Spanien; Landeshauptstadt München, Deutschland; Stadt Winterthur, Schweiz; Energy Cities/Energy Cities Association, Frankreich; Universität Utrecht,  Niederlande; 11 Universität Halmstad, Schweden

Mehr Infos: www.decarbcitypipes2050.eu

Gastautorin:
Judith Neyer
Senior Expert,
Urban Innovation Vienna

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