Projekt Beschreibung

Das wird unser Leben verändern

Die Blockchain-Technologie wird die Energiewirtschaft revolutionieren. Daher beschäftigt sich Wien Energie schon jetzt proaktiv mit dem Thema und baut Kompetenz auf. 2017 führte Wien Energie den weltweit ersten Blockchain-Gashandel durch. Im Stadtentwicklungsgebiet VIERTEL ZWEI arbeitet Wien Energie mit 100 BewohnerInnen daran, mit Hilfe der Blockchain neue Kundenlösungen zu entwickeln. In Kooperation mit Bosch hat Wien Energie auch einen Blockchain-Kühlschrank entwickelt. Er soll zeigen, wie Privatpersonen ihren Stromverbrauch künftig auf sichere und transparente Weise kontrollieren und beeinflussen können.

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Projektdetails

Der Einsatz der Blockchain-Technologie ermöglicht eine unkomplizierte Abwicklung von Energiegeschäften. Dadurch entstehen neue Geschäftsmodelle im Energiesektor. Mit der Technologie wird insbesondere die Entwicklung dezentraler Energieliefersysteme gefördert, da Erzeuger und Verbraucher ohne Zwischenhändler zusammengeschalten werden können.

Eine Blockchain ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste aus Datensätzen, die miteinander verkettet sind. Die Blockchain-Technologie ermöglicht den Austausch von Gütern ohne einen zentralen Vermittler. Die Grundlage dafür: Die Transaktionsdaten werden dezentral und fälschungssicher gespeichert. Die TeilnehmerInnen vertrauen daher nicht mehr einer Institution (etwa einer Bank, einem Zwischenhändler oder einer Behörde), sondern der Blockchain. Als „Blockchain 2.0“ wird die Erweiterung der Technologie um „smart contracts“ bezeichnet. Diese im Vorhinein programmierten Verträge führen automatisch bestimmte Handlungen aus. Zum Beispiel kann die Lieferung eines Gutes automatisch die Bezahlung auslösen. Das könnte zu einer weitreichenden Automatisierung des Wirtschaftsgeschehens führen.

Die Blockchain-Technologie kann den Handel mit Strom und Gas enorm vereinfachen. Im Normalfall ist der Handel mit Energie ein komplexer Prozess. Zwischen Lieferanten und Käufern vereinbarte Geschäfte müssen in ein Fahrplansystem eingegeben werden, sie müssen speziellen Verrechnungsstellen (Bilanzgruppenkoordinatoren), Übertragungsnetzbetreibern (etwa Austrian Power Grid) und der Regulierungsbehörde E-Control mitgeteilt werden. Wien Energie hat sich Anfang 2017 als eines der ersten Unternehmen Europas an einem Pilotprojekt von EY und dem kanadischen Start-up BTL beteiligt, das den Einsatz der Blockchain-Technologie im internationalen Gashandel testete. Der Handel wurde über die Enerchain-Plattform ohne Vermittler und ohne bürokratische Zwischenschritte durchgeführt. Durch die automatische Abwicklung konnten die Transaktionskosten drastisch reduziert werden.

Im Stadtentwicklungsgebiet VIERTEL ZWEI werden die unterschiedlichsten Blockchain-Anwendungen getestet. Dazu zählen etwa die Abrechnung von Micro-Payments beim Aufladen von E-Autos, der Handel von selbst produziertem Sonnenstrom unter den BewohnerInnen oder das Anbieten von individuellen Stromtarifen. Ermöglicht wird dies durch sogenannte „smart contracts“ mittels der Blockchain-Technologie. Damit kann der Gebrauch unterschiedlicher Anwendungen, wie die gemeinschaftlich genutzte Photovoltaik-Anlage, E-Ladestationen oder dezentrale Wärme-/Kältelösungen gesteuert und verrechnet werden.

In Kooperation mit Bosch hat Wien Energie den ersten Blockchain-Kühlschrank entwickelt. Der Kühlschrank zeigt, wie Haushalte ihren Stromverbrauch in Zukunft auf sichere und transparente Weise kontrollieren und beeinflussen können. Zur Steuerung dient eine App. Via Smartphone oder Tablet kann beispielsweise die Temperatur von Kühl- und Gefrierfach eingestellt, der Stromverbrauch kontrolliert oder das Gerät insgesamt überwacht werden. Wenn etwa die Kühlschranktüre offen ist, schlägt die Anwendung Alarm. Neben diesen Funktionen ist es möglich, den Verbrauch des Geräts im zeitlichen Verlauf zu sehen und den CO2-Fußabdruck zu analysieren – ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Zusätzlich bietet die App sinnvolle Vergleichswerte. Für jede Kilowattstunde Strom, die der Kühlschrank bezieht, gibt es eine Transaktionsbestätigung und einen eindeutigen Herkunftsnachweis. Das heißt: Ob die Energie dabei von der Photovoltaikanlage des Nachbarhauses oder vom Windpark am Weg zur Arbeit kommt, entscheidet jeder selbst.

Ähnlich wie im VIERTEL ZWEI können sich Personen gemäß den Anforderungen der entsprechenden EU-Richtlinien an einer erneuerbaren Erzeugungsanlage (z.B. einer PV-Anlage) beteiligen und diese in Form einer Energiegemeinschaft betreiben. Aus den im VIERTEL ZWEI getesteten Blockchain-Anwendungen stellen sich für die künftige Weiterentwicklung bzw. Errichtung von Energiegemeinschaften neue Rechtsfragen. Es können derzeit kaum allgemeingültige Aussagen zur Anwendung der Blockchain-Technologie getroffen werden. Ein „sicherer Rahmen“ in Form von sogenannten Regulatory Sandboxes wäre daher eine Möglichkeit, um die Technologie noch genauer zu erproben.

Für Energiegemeinschaften bedeutet dies, dass TeilnehmerInnen in Zukunft entsprechend ihrer Beteiligung an einer erneuerbaren Erzeugungsanlage den erzeugten Strom untereinander handeln können (Peer-to-Peer Stromhandel). Hierfür benötigt es spezielle Hard- und Software, die die erforderlichen Daten erfasst, sicher dokumentiert und eine Interaktion der Mitglieder der Energiegemeinschaft ermöglicht. So könnten PV-Anlagen den teilnehmenden Personen in regelmäßigen Abständen Daten über die aktuelle Stromerzeugung (etwa ausgedrückt in kWh) senden. Die einzelnen TeilnehmerInnen können daraufhin entscheiden, ob sie den erzeugten Strom z.B. zwischenspeichern, im eigenen Haushalt/Betrieb verbrauchen, einer anderen teilnehmenden Person in der Energiegemeinschaft (zu einem bestimmten Preis) verkaufen oder gegen eine Dienstleistung wie etwa einem Ladevorgang an einer E-Ladestation eintauschen möchten. Die Erfassung mancher der erforderlichen Daten könnte z.B. durch Smart Meter erfolgen.

Andreas Freitag

„Die Energieindustrie sollte sich aktiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die Auswirkungen auf bestehende Prozesse und Märkte könnte enorm sein. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Technologie zu erproben und das eigene Unternehmen auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Die Projekte helfen der Energiewirtschaft das künftige Potential der Technologie noch besser einzuschätzen und heben das Verständnis, wie das Blockchain-Protokoll die Energiewelt beeinflussen wird.“

Andreas Freitag, Blockchain Experte Accenture Austria

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