Projekt Beschreibung

Mit Agrophotovoltaik Synergien schaffen

Sonnenstrom erzeugen und die Fläche gleichzeitig landwirtschaftlich nutzen: Die Agrophotovoltaik macht’s möglich. Mit diesem innovativen Konzept können landwirtschaftliche Flächen doppelt und um bis zu 60% effizienter genutzt werden. In Österreich wird das Agrophotovoltaik-Potenzial auf rund 27 GWp geschätzt. Wien Energie hat Ende Oktober 2019 die erste Agrophotovoltaik-Anlage Österreichs in Guntramsdorf in Betrieb genommen.

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Projektdetails

Traditionelle Landwirtschaft und ausgeklügelte Energieerzeugungsformen schließen einander nicht aus. Im Gegenteil: Mit der Agrophotovoltaik profitieren LandwirtInnen nun nicht nur von der Nahrungsmittel- sondern auch von der Stromernte. Außerdem wird durch die Doppelnutzung die Flächenkonkurrenz von Lebensmittel- und Stromproduktion vermieden. So kann dem Druck auf die zunehmende Flächenknappheit- und -versiegelung entgegengewirkt werden.

Eine Agrophotovoltaik-Anlage unterscheidet sich sowohl in der Funktion der Module, als auch in der Positionierung dieser. Bei Agro-PV-Anlagen können Solarmodule einerseits horizontal in einigen Meter Höhe montiert werden, um die Bodenbearbeitung und die Bewirtschaftung mit landwirtschaftlichen Maschinen zu ermöglichen. Andererseits können vertikale, bifaziale Module errichtet werden, die das Sonnenlicht von beiden Seiten in Solarstrom umwandeln und die Bodenfläche dadurch nicht überbaut wird. Die Anordnung erfolgt Richtung Osten bzw. Westen – damit gelingt ein besonders hoher Stromertrag. Das unterscheidet sie von regulären Freiflächen-Anlagen, deren Module schräg Richtung Süden angebracht werden.

Durch die Positionierung der PV-Module (in Bahnen oder in einiger Meter Höhe) kann die Grundfläche weiterhin bewirtschaftet werden. Das bringt auch zahlreiche weitere Vorteile für die Kulturen mit sich: Die Photovoltaikmodule dienen den Pflanzen als Hitzeschutz, Windschutzgürtel, Hagelschutz sowie Beschattungselement und bieten den Standorten somit eine höhere Widerstandsfähigkeit. Durch die reduzierte Sonneneinstrahlung wird auch der Wasserverbrauch reduziert und der Boden vor Austrocknung geschützt. Somit können die Erträge erhöht und die regionale Wertschöpfung gesteigert werden.

Österreichs erste Agrophotovoltaik-Anlage wurde Ende Oktober 2019 von Wien Energie in Guntramsdorf (NÖ) in Betrieb genommen. Die Pilotanlage mit 60 bifazialen, also doppelseitigen, vertikal montierten Modulen, erzeugt mit einer Leistung von 22,5 kWp Sonnenstrom. Durch die Anordnung der PV-Module in Bahnen lassen sich am Acker gleichzeitig auch Kartoffeln problemlos ernten. Guntramsdorf ist bereits eine Vorreitergemeinde in der Sonnenstromerzeugung. Seit 2015 erzeugt hier eine der größten Photovoltaikanlagen Österreichs Strom für hunderte Haushalte.

Um den optimalen Einsatz von Agrophotovoltaik sicherzustellen, führt Wien Energie gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) eine Analyse der neuen Technologie anhand der Agro-PV-Anlage in Guntramsdorf durch. Erste Ergebnisse der Lebenszyklusanalyse zeigen, dass der CO2-Einsparungseffekt hoch ist, wenn vertikale, zweiseitige Photovoltaik-Module auf einem Kartoffelacker zum Einsatz kommen. Die detaillierten Ergebnisse sollen im Herbst 2020 präsentiert werden.

Spatenstich für die größte Agrophotovoltaik-Anlage Österreichs: Im Oktober 2020 startete Wien Energie mit der Errichtung der größten Agro-PV-Anlage Österreichs mit einer Leistung von 11,5 MW in der Donaustadt auf einer ehemaligen Schotterdeponie. Ab Dezember 2020 werden so 5.200 Haushalte mit Ökostrom versorgt. Insgesamt wird die Anlage im Jahr 13 GWh Sonnenstrom erzeugen und dabei 4.500 Tonnen CO2 einsparen.

Auf dem „Schafflerhof“ werden zwischen den 25.780 Photovoltaik-Modulen 150 Jura-Schafe weiden und als wandernde „Rasenmäher“ den maschinellen Grünschnitt ersetzen. Das vermeidet Staubentwicklung und Steinschlag, der bei einer herkömmlichen Mahd passieren kann. Zusätzlich wird der Boden geschont und natürlich gedüngt, das führt wiederum zu mehr Artenvielfalt unter dem Sonnenkraftwerk.

Neben klassischen Photovoltaikmodulen werden auch 500 bifaziale Module verbaut. Diese werden senkrecht und in Ost-West-Ausrichtung errichtet. Zwischen den Modulreihen ist hier der Anbau von Getreide oder Gemüse und die Bewirtschaftung mit Traktoren wie auf einem normalen Feld möglich.

Alexander Müller

Die Kombination aus Landwirtschaft und Energieerzeugung birgt enorme Synergieeffekte. Wenn Österreich seine Klimaziele erreichen will, braucht es bis 2030 einen umfassenden Ausbau der Photovoltaik von bis zu 15 Terawattstunden. Die zusätzlich benötigten Erzeugungskapazitäten werden nicht nur durch Dachflächen-Anlagen realisiert werden können, vielmehr müssen wir in Zukunft auf naturverträgliche Photovoltaik-Freiflächen Anlagen setzen.

Josef Taucher, Energiesprecher SPÖ Wien

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